Fotografie

Siegener Künstler zeigt Alltägliches aus besonderem Winkel

Vor Eröffnung der Ausstellung baut Mustafa Kizilcay ein Modell, um sich die Dynamik der Hängung besser vorstellen zu können. Foto:Fabiana Regino

Vor Eröffnung der Ausstellung baut Mustafa Kizilcay ein Modell, um sich die Dynamik der Hängung besser vorstellen zu können. Foto:Fabiana Regino

Kreuztal.   Die Ausstellung „Anblick - Durchblick - Ausblick“ des Fotokünstlers Mustafa Kizilcay bietet im Kulturbahnhof neue Perspektiven.

Ein Container unter der HTS, ein Siegener Mehrfamilienhaus, ein Garten. Es sind banal wirkende Motive, die auf 13 Fotos zu sehen sind und bis September den Kulturbahnhof zieren. Sie sind das Werk von Mustafa Kizilcay und gehören zur der Ausstellung, die er mit dem Titel „Anblick - Durchblick - Ausblick“ veröffentlicht.

Was erst bei genauerem Betrachten auffällt, bei den Fotos handelt es immer um jeweils zwei Bilder, die das selbe Motiv zeigen. Durch das Variieren der Perspektive erzeugt der Künstler aber völlig unterschiedliche Wirkungen. „Hier geht kaum jemand vorbei ohne hinzusehen“, sagt Kulturamtsleiter Holger Glasmachers. Auch wenn nicht jeder etwas mit den Bildern anfangen könne, berühre es die Menschen in dem Moment, wenn sie an der Wand vorbeigehen.

Der erste Eindruck, dass es sich bei den Aufnahmen um zufällig gewählte Objekte handelt, täuscht. Mustafa Kizilcay nennt es „geplanten Zufall“. Jede Aufnahme sei akribisch auf das Konzept ausgelegt, dass er vor jedem Projekt vorab auf Papier notiert. „Wenn ich ein Konzept habe, such ich passende Gegenstände oder Orte. Dann schaue ich, ob die Wirkung auf den Fotos entsteht, die ich mir vorgestellt habe. Manchmal scheitert man“, erklärt der Fotograf. Scheitern gehöre aber dazu.

Der Künstler, der Elektrotechnik lehrt

Kizilcay vereint das Künstlerische mit dem Präzisen, Wissenschaftlichen. Wenn der 63-Jährige nicht gerade an einem Projekt arbeitet, leitet er den Lehrstuhl für Elektrische Energieversorgung an der Uni Siegen. Unter Kunst-Kennern gilt er aber nicht als unbeschriebenes Blatt. Seit 2011 nimmt er mit seinen Werken regelmäßig an der jährlichen Ausstellung „Brauhausfotografie“ des Kunst-Departments der Universität teil.

Auch im Netphener Rathaus hat er seine Fotografie schon ausgestellt. Kurator Prof. Christian Thomsen gerät ins Schwärmen, während er sich an jene Ausstellung erinnert. Frappiert habe sie ihn, womit Thomsen unterstreicht, warum er Kizilcay als Künstler im Rahmen der „Szenenwechsel“-Ausstellung gewählt hat. „Mein Favorit von Mustafa Kizilcays Arbeiten ist jene, bei der er eine umgestülpte Socke fotografiert hat“, sagt der Kurator. Er finde es faszinierend, wie der Künstler Gegenstände aus der unmittelbaren Umgebung mit verschiedenen Perspektiven in Szene setze, „Dinge, die man im Alltag übersieht“.

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