Projekt

Siegener Schülerfirma Vegetania: Catering für guten Zweck

Schüler der Geschwister-Scholl-Schule und der Gesamtschule auf dem Schießberg betreiben eine Schülerfirma und bieten Kunden einen Cateringservice an. Mit dem Erlös werden Mitschüler unterstützt, die sich besondere Ausgaben etwa für Klassenfahrten nicht leisten können.

Schüler der Geschwister-Scholl-Schule und der Gesamtschule auf dem Schießberg betreiben eine Schülerfirma und bieten Kunden einen Cateringservice an. Mit dem Erlös werden Mitschüler unterstützt, die sich besondere Ausgaben etwa für Klassenfahrten nicht leisten können.

Foto: Hendrik Schulz

Geisweid.   Schüler der Geschwister-Scholl-Schule und der Gesamtschule werden auf den Beruf vorbereitet und unterstützen die Ärmsten der Schulgemeinschaft

Eine Schule hat alles, was eine Cateringfirma braucht: Arbeitskräfte (Schüler), Abteilungsleiter (Lehrer), Produktionsräume (Lehrküche, Werkstätten, PC-Räume). „Vegetania“ heißt die Schülerfirma der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) und Gesamtschule auf dem Schießberg. Gemäß ihrem Motto „Eat fresh, stay healthy“ ist sie nicht nur frisch und gesund. Sie schweißt auch die Gemeinschaft zusammen, bereitet die Schüler auf den Beruf vor und unterstützt arme Mitschüler.

Die Idee

Entstanden ist die Idee in der Bistro-AG der Geschwister-Scholl-Schule. Die gibt es schon seit 14 Jahren: Dienstags bereiten die Schüler unter Anleitung von Heide-Susanne Roters-Becker (GSS) und Melanie Triphan-Burkardt (Gesamtschule) Speisen für den Verkauf in der Mittagspause am Mittwoch vor. Das Projekt ist ein Kooperationsprojekt, die Hauptschule läuft aus und geht in der Gesamtschule auf.

Wie an jeder Schule gibt es immer mal wieder Klassenfahrten, Ausflüge, besondere Anschaffungen. Aber nicht alle Kinder können sich das leisten. „Ihre Eltern haben manchmal so wenig Geld, dass sie die 128 Euro für eine Bildungsfahrt einfach nicht aufbringen können“, sagt Roters-Becker. „Es kann doch nicht sein, dass die Kinder benachteiligt werden“, dachte sie. Es müsste einen Fonds geben, der gezielt für die armen Schüler angezapft werden kann. Die Idee einer Schülerfirma, die Gewinne für die ärmsten Kinder der Schulgemeinschaft erwirtschaftet, reifte.

Sie sprach ihre AG-Schüler an, die fanden die Initiative toll und die Gelegenheit, das Projekt an den Start zu bringen war ein Wettbewerb der Sparkasse: Roters-Becker schrieb ein Konzept, das fand die Sparkasse gut, stellte 8000 Euro Startkapital zur Verfügung. Damit kaufte die Schule Geräte oder Platten, auf denen das Essen schön angerichtet werden kann.

Den ersten Auftrag lieferte die Sparkasse gleich mit: Zur Eröffnung der Anne-Frank-Ausstellung „Deine Anne“ im Siegener Hauptsitz bereiteten die Schüler die Speisen zu. Und bewirteten die Gäste – immerhin 120 Personen. „Das war ein riesiger Aufwand“, sagt Roters-Becker: Beide Schulen packten mit an.

Schüler halfen in der Küche, die Schulleitung stand an der Pfanne, Lehrer sprangen für den Transport ein, ein Techniklehrer zimmerte im Werkunterricht spezielle Regale, damit die Tabletts sicher auf dem Autorücksitz verstaut werden können, eine Kollegin kümmerte sich um die Dekoration. Das haben sie so gut gemacht, dass ihnen gleich der nächste Auftrag ins Haus flatterte: Eine Besucherin buchte Vegetania für die Geburtstagsfeier ihres Mannes.

Zum Ausgleich bekommen die Schüler Freizeit – immerhin arbeiten sie am Wochenende. „Wir müssen uns beschränken, 50 bis 60 Personen können wir gut bedienen“, sagt Roters-Becker. Bei zu großen Aufträgen leidet der Lerneffekt – schließlich soll die Arbeit im Unterricht für Arbeitslehre die Schüler ja weiterbringen.

Das Konzept

Zwei Abteilungen hat die Firma. Der Koch-Trupp von Heide-Susanne Roters-Becker und Melanie Triphan-Burkardt ist für alles rund ums Essen zuständig: Rezepte auswählen und zubereiten. „Alles frisch und nachhaltig!“, betont Heide-Susanne Roters-Becker. Es gibt eine Angebotspalette, Schwerpunkt vegetarisch und vegan: Sandwiches, Muffins, selbstgebackene Brote, Pizzaschnecken, Fingerfood.

Auf Wunsch auch Fleisch. Dann aber auf jeden Fall bio, sagt die Lehrerin. Sonderwünsche sind möglich. Es gibt Hygiene-Vorgaben des Gesundheitsamtes – die müssen die Schüler beachten. Hände waschen, Handschuhe tragen, Inhaltsstoffe ausweisen – es steckt mehr dahinter als nur Speisen vorzubereiten und herzustellen.

Das weiß das Orga-Team von Daniel Kühn. Sie sind für das Betriebswirtschaftliche verantwortlich: Angebote einholen, kalkulieren, bestellen, Rechnungen schreiben. „Viele unserer Schüler arbeiten später im Einzelhandel“, sagt der Lehrer: In der Schule können sie sich ausprobieren, Erfahrungen sammeln, den Beruf kennenlernen, Stärken finden. Wem das Hauswirtschaftliche nicht so liegt, der ist vielleicht in der Planung richtig. Die Koch-Abteilung brauchte zum Beispiel Pürierstäbe. Kühns Team legte los – schließlich sollen auch die Geräte nachhaltig sein.

Die Arbeit

Der Hefeteig für die Pide, türkische Teigschiffchen, ist schon vorbereitet. Die Schüler müssen ihn noch kneten und teilen. Parallel dazu ist die Füllung dran: Hackfleisch-Tomate und Spinat-Käse. Kader und Meltem würfeln Zwiebeln, Amines Hand schmerzt schon vom Teigkneten, Sila und Symeyye stecken bis zum Ellenbogen in Tomatensoße. Rosmarin und Salz dazu, vielleicht noch etwas Minze, dann die Schiffchen formen, so dass in der Mitte die Füllung zu sehen ist, erklärt Heide-Susanne Roters-Becker. „Verstanden?“ Haben sie, es wird weitergeknetet, gehackt, gewürzt und geschnitten. Mundschutze und Handschuhe nicht vergessen!

Hussam, Alex und Tobias, die großen Jungs von der GSS, backen zusammen mit der jüngeren Vanessa von der Gesamtschule Butter-Mandelkuchen. „Wie viele Eier für den Teig? Vier?“ – „Nee, zwei.“ – „Haste zwei reingetan?“ – „Nee, nur eins.“ Der Teig ist noch zu flüssig, Vanessa und Alex kneten weiter, dann ab in die Form, backen.

Eine Etage höher sitzt Daniel Kühn mit seinen Jungs vorm Rechner und schreibt die Schlussrechnung für die Sparkasse. Die Deko ist etwas teurer geworden als geplant – das können sie nicht in Rechnung stellen. „Wir haben ja im Angebot 300 Euro geschrieben“, erklärt Kühn.

Die Schüler rechnen die einzelnen Posten für Pizzakartoffeln, Flammkuchen und Co. durch. Stimmt alles. „Wir haben ganz gut gearbeitet“, sagt Kühn.

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