Landgericht Siegen

Siegerländer wegen Erpressung im Chatroom auf Anklagebank

Vor dem Landgericht Siegen wird gegen einen 44-Jährigen verhandelt, der eine 14-Jährige erpresst haben soll.

Vor dem Landgericht Siegen wird gegen einen 44-Jährigen verhandelt, der eine 14-Jährige erpresst haben soll.

Foto: Hendrik Schulz / WP

Siegen.   Der Mann soll ein 14-jähriges Mädchen zu pornografischen Handlungen gezwungen haben. Urteil wird am 4. Juli erwartet.

Es ist eine seltsame Geschichte, die sich da im Herbst 2018 überwiegend im Internet zugetragen hat. Eine damals 14-jährige Schülerin aus Ostdeutschland kam über einen Chatroom in problematischen Kontakt mit diversen Personen, hinter denen tatsächlich ein einziger Mann (44) aus dem Siegerland gesteckt haben soll, der nun vor dem Siegener Landgericht wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt ist.

Am Dienstag wurde die polizeiliche Aussage des mutmaßlichen Opfers verlesen. Die junge Frau ist nach ärztlichem Attest auf längere Sicht nicht vernehmungsfähig, leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Nach ihren von der Vorsitzenden Richterin Sabine Metz-Horst verlesenen Angaben lernte sie in dem Internetforum Ende September oder Anfang Oktober 2018 einen jungen Musiker namens Marius kennen, mit dem sie chattete und schon bald erste freizügige Fotos austauschte. Dann kam dessen Freundin „Bianca“, die ebenfalls sexuelles Interesse bekundete, dazu, später noch ein gewisser Sammy.

Drohung mit Video an die Mutter

Während „Marius“ irgendwann nach England verschwand und nach einem Unfall in einem Krankenhaus in Edinburgh starb --die Zeugin erklärte an dieser Stelle, sich schon darüber gewundert zu haben, warum er plötzlich in einem schottischen Hospital lag – wurden beide Frauen im Laufe der folgenden Wochen mehr und mehr von „Sammy“ zu pornografischen Handlungen für Fotos oder Videos gezwungen. Grund für diesen wiederum, solches zu verlangen, waren angebliche Erpressungen durch eine japanische Mafia. Sollte die Zeugin sich nicht fügen, wurde sie damit bedroht, dass ein Video aus dem Herbst an ihre Mutter gehen sollte.

Kein einziges persönliches Treffen

Das Mädchen war am 21. Dezember von der Polizei vernommen worden, kurz zuvor hatte sie die Chatbeziehungen beendet. Bianca hatte ihr danach eröffnet, Kokain zu nehmen und in eine Therapie gehen zu wollen. Sie selbst habe da gedacht, dass ihre Mutter wohl über die Beziehung zu einer ‚Kokserin’ nicht so glücklich wäre und den Chat abgebrochen. Allerdings sei durchaus geplant gewesen, an Biancas Geburtstag im August einmal ein persönliches Treffen zu arrangieren. Sammy habe sich von einem Tag auf den anderen nicht mehr gemeldet. Die Schülerin war ansonsten keinem ihrer Chatpartner jemals persönlich begegnet. Auf den Fotos oder beim Skypen sei es manchmal schwierig gewesen, Gesichter wiederzuerkennen. Sie habe aber in solchen Momenten etwa bei Bianca gedacht, dass diese wohl ungeschminkt anders aussehe, als auf anderen Aufnahmen. Die Plädoyers und das Urteil sind für den 4. Juli vorgesehen.

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