Landwirtschaft

Solidarische Landwirtschaft: Soli-Gemüse im Abo in Krombach

Andrea Junk (links) und Anita Jung bei der Arbeit im Crombacher Natur-Gemüsegarten.

Andrea Junk (links) und Anita Jung bei der Arbeit im Crombacher Natur-Gemüsegarten.

Foto: Nils Balke

Krombach.  Andrea Junk und Anita Jung haben die erste Siegerländer Solidargemeinschaft Landwirtschaft gegründet. Mitglieder tragen zusammen die Verantwortung.

Die Geschichte beginnt im Oktober 2014, als der Crombacher Natur-Gemüsegarten vor dem Ende steht. Elf Jahre lang hat Andrea Junk die von einem benachbarten Bauern gepachtete Fläche an der Langen Wiese bewirtschaftet: Gemüse gesät, gepflanzt, geerntet, verkauft – und sich dabei übernommen. Sie hat genug von der Arbeit in Eigenregie auf dem 3800 Quadratmeter großen Feld, ist müde, geschafft, „ausgepowert“, erinnert sie sich heute.

Doch nur einen Tag, bevor sie den Garten endgültig aufgeben will, bekommt sie Besuch aus Lennestadt. Anita Jung schaut vorbei und schlägt ein alternatives Konzept vor. Die beiden Frauen lernen sich besser kennen, Andrea Junk überlegt noch eine Weile, schickt ihr aber letztlich am Silvesterabend eine SMS aufs Handy. Die Nachricht für Anita Jung: Sie will mit ihr zusammen arbeiten.

Neues Jahr, neues Glück für den Gemüsegarten.

Oktober 2015, ein sonniger, wolkenloser Herbsttag. Während Anita Jung (52) nach einer frostigen Nacht das Gemüse auf dem Feld unter die Lupe nimmt, befüllt Andrea Junk (54) im Gewächshaus eine Kiste für eine Frau, die Mitglied in der ersten Siegerländer Solidargemeinschaft Landwirtschaft ist: mit Kartoffeln, Frühlingszwiebeln, Salat, Mangold, Petersilie. Rein biologisch angebaut, frisch geerntet, direkt vom Feld.

Marktunabhängige Landwirtschaft

Das Prinzip der solidarischen Gemeinschaft ist einfach: Mehrere Privatpersonen tragen die Kosten für einen landwirtschaftlichen Betrieb; im Gegenzug erhalten sie dessen Ernteertrag. Eine nicht-industrielle, marktunabhängige Landwirtschaft. „Eine Gegenbewegung zur Globalisierung“, sagt Anita Jung.

Die Siegerländer Gruppe hat in ihrem Premierenjahr 37 Mitglieder. Es sollten zunächst nicht mehr, aber auch nicht weniger sein. „Genau diese Größe hatten wir immer im Kopf“, sagt Andrea Junk. Es habe zwar mehr Interessenten gegeben, als sie ihr Projekt im ehemaligen Lokschuppen in Kreuztal vorstellten, doch sie und Anita Jung wollten sicherstellen, dass auch alle Mitglieder versorgt werden können.

Jedes Mitglied zahlt einen festen Betrag, dafür gibt es eine Gemüsekiste pro Woche, die Ausgabetage sind mittwochs und freitags. „Das Risiko und die Verantwortung sind jetzt auf mehrere Schultern verteilt“, erklärt Anita Jung.

Was die Unsicherheit anbelangt, spielt das Wetter natürlich eine große Rolle. „Das Frühjahr war kalt und trocken“, sagt Anita Jung. Es habe zu wenig Regen gegeben, „der Sommer hat aber dafür entschädigt“. Der Natur-Gemüsegarten wird nie künstlich bewässert, „nur dann, wenn wir säen“.

Die Aussaat erfolgt auf Grundlage der Konstellationsforschung von Maria Thun, die Mitte der 1950er-Jahre einige Versuche im biologisch-dynamischen Gemüseanbau auf einem Stück Land in der Nähe von Marburg machte. 1963 gab sie ihren ersten Aussaattagekalender mit Hinweisen heraus, welche Arbeiten an den jeweiligen Tagen oder Stunden des Tages günstig sind. Nach diesem Kalender arbeiten auch Andrea Junk und Anita Jung für die Siegerländer Solidargemeinschaft.

Auf dem Feld werden viele verschiedene Gemüsesorten angebaut: Kartoffeln, Salat, Radieschen, Möhren, Zwiebeln, Rosenkohl, Broccoli, Rote Bete, Porree, Knollensellerie, Wirsing, Erbsen und Bohnen. Es gibt aber auch Blumen und Kräuter. Eine Besonderheit ist Jiaogulan, im Volksmund auch das „Kraut der Hundertjährigen“ oder „Kraut der Unsterblichen“ genannt. Es ist eine Rankpflanze aus der Familie der Kürbisgewächse und kann zum Beispiel als Tee zubereitet werden. „Soweit ich weiß, wird es in Deutschland nur hier angebaut“, sagt Anita Jung.

Liebe und Leidenschaft

Wenn sie und Andrea Junk über ihre Arbeit für die Solidargemeinschaft sprechen, klingt vor allem eins durch: Leidenschaft für das, was sie tun. Ob sie ein Geheimrezept für den Anbau haben? „Vor allem Liebe“, sagt Anita Jung und lacht, während sie den rund acht Kilogramm schweren Weißkohl streichelt, „aus dem wir in der übernächsten Woche Sauerkraut machen“.

Biologischer Anbau heißt natürlich auch Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel. „Die Natur bringt sich selbst ins Gleichgewicht, wenn alles zugespritzt wird, kommt gar nichts ins Gleichgewicht“, sagt Anita Jung.

Die Frauen sind auch nicht auf sich allein gestellt, sondern werden von „Helfern“ unterstützt. So gab es auf dem Feld größere Probleme mit Wühlmäusen, bis sich kürzlich eine Wieselfamilie dort niederließ und auf die Jagd ging.

Die Mäuse haben nun einen natürlichen Feind auf dem Feld – tierische Hilfe für die Siegerländer Solidargemeinschaft, ohne Eingriff des Menschen, eine Selbstregulierung der Natur.

Folgen Sie uns auch bei Facebook .

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben