Konzert

Soul-Classic-Abend mit Helmut Lotti in Siegerlandhalle

Helmut Lotti bei seinem Auftritt in der Siegerlandhalle: Der Entertainer überzeugt mit Soul-Klassikern, begleitet von einem großen Orchester.

Helmut Lotti bei seinem Auftritt in der Siegerlandhalle: Der Entertainer überzeugt mit Soul-Klassikern, begleitet von einem großen Orchester.

Foto: Wolfgang Leipold

Siegen.   Helmut Lotti zeigt in der Siegerlandhalle mit seinem Programm „Soul Classic in Symphony“ was er musikalisch alles drauf hat.

„So you win again“ von Hot Chocolate ist der beziehungsreiche erste Titel des Konzerts mit jenem belgischen Sänger, der einst seinen Geburtsnamen Helmut Barthold Johannes Alma Lotigiers aus Gründen besserer Vermarktung in Helmut Lotti umwandelte. Und es stimmt: Wer sich an diesem Abend auf den Weg in die Siegerlandhalle gemacht hatte, bereit war, den nicht gerade kleinen Eintrittspreis zu zahlen, hatte wirklich gewonnen. Nämlich das Glück, einen der vielseitigsten Tenöre der Gegenwart live zu erleben. So wie die Düsseldorferin Birgit Lauten, die ihrem Idol seit 17 Jahren hinterherreist und, wie viele seiner vorwiegend weiblichen Fans in den ersten Reihen des Saals, jedes Lied mitsingen könnte.

Ein für Soul großer Klangkörper

Lotti interpretiert an diesem Soul-Classic-Abend unsterbliche Hits der Pop-Geschichte. Etwa „Wonderful World“ von Sam Cooke, auch bekannt geworden durch den Film „Der einzige Zeuge“, und „My Girl“ der Temptations, jeweils mit einer satten Prise Romantik. Man merkt sofort: Helmut Lotti setzt den musikalischen Begriff „Soul“, eine Kombination aus Jazz, Blues und Gospel, nicht wörtlich um, gibt den Songs aber seine ganz persönliche Seele. Dabei begleiten ihn vier Background-Sängerinnen und -sänger und seine 20-köpfige Band, bestehend aus jungen Damen mit klassischen Instrumenten, einigen Blechbläsern und einer Rhythmusgruppe. Ein für Soul-Musik ungewöhnlich großer Klangkörper also, aber das gehört zu einem großen Lotti-Abend.

Dazu gehören „Purple Rain“, der Mega-Hit von Prince, der kraftvoll, fast majestätisch und mit einem Schuss Elvis daherkommt. Überhaupt gehört The King zu Lottis großen Idolen, auf dessen Spuren er seit Ende der 80er Jahre wandelt. Mit der Stimmfärbung des Meisters, auch seinem Hüftschwung, aber ohne Haartolle. Und daraus macht Helmut Lotti einen charmanten Witz: „Früher sah ich aus wie Dean Martin und trank Whisky. Heute sehe ich aus wie Putin und trinke Wodka.“

Er verrät mit entwaffnender Offenheit einiges über sich, seine drei gescheiterten Ehen und seine aktuelle Beziehung Mareike. Passend dazu „It’s a beautiful life“. Immer wieder erweist sich Lotti als ausgesprochener Charmebolzen, der seinen weiblichen Fans in den ersten Reihen so tief in die Augen schaut, dass jede fühlt: „Helmut singt heute Abend nur für mich.“ So auch den Ohren- und Seelenschmeichler „Easy like Sunday Morning“ in angenehmer Bariton-Lage und mit gerade so viel Tremolo wie nötig, um Lust zu bekommen, ganz eng zu tanzen.

Zum Mittanzen kommen die Lotti-Fans reichlich. Wie beim Elvis-Medley oder „Hit the road, Jack“ von Ray Charles und „Sweet Soul Music“ von Sam & Dave und anderen Titeln, die die Soul-Musik in den 1960ern bekannt gemacht haben. Auch „Proud Mary“ von Creedance Clearwater wird nach gemütlichem Beginn zum schweißtreibenden Disco-Hit. Ein einziges Mal nur knirscht es ein wenig, als sich Helmut Lotti auf das dünne Queen-Eis begibt. Er kann (fast) alles. Aber nicht Freddie Mercury.

Ton halten, bis die Lunge leer ist

„Ich habe auch klassische Musik vergewaltigt“, gesteht Helmut Lotti mit einem Augenzwinkern, um dann aber hören zu lassen, warum er damit hierzulande so beliebt geworden ist. Sein Einstieg mit „O sole mio“ mag kitschig wirken: Doch hier kann er im Stil der italienischen Heldentenöre Mario Lanza und Enrico Caruso nach Herzenslust tremolieren. Das Publikum darf dann bei einem Wiener Walzer mit Wonne mitschunkeln und bekommt zu hören, was eingefleischte Lotti-Fans hören wollen: Den höchsten noch singbaren Ton, gerade so lange anhaltend, bis seine Lunge leer ist. Doch auch das, was nur die Gäste in den ersten Reihen sehen: Mit einem Augenzwinkern.

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