Spurensuche in den Kirchenkreisen

Freudenberg.  Während der Ausstellungseröffnung ist es mucksmäuschenstill. „Es waren Vorträge der Kategorie ‚Man hätte eine Stecknadel fallen hören können’“, sagte Pfarrer Thomas Ijewski während der Ausstellungs-Eröffnung „Unser Volk betet wieder...wenigstens am Anfang des Krieges“ im 4Fachwerk-Museum. Die Präsentation wurde im Vorfeld des Tages der Westfälischen Kirchengeschichte eröffnet.

Krieg der Medien

Prof. Dr. Johannes Burkardt sieht im Ersten Weltkrieg einen „Krieg der Medien, der Propaganda und der Intellektuellen“. Damit sei er auch ein Krieg der Theologen gewesen – und dies bemerkenswerter Weise in allen kriegsführenden Staaten. Alle hätten vom „Verteidigungskrieg“, vom „gerechten Krieg“ gesprochen, in dem „Gott zum Kämpfer für eine gute Sache“ werde.

Prof. Dr. Veronika Albrecht-Birkner beschrieb die Auswirkungen des Krieges auf Kirche und Alltag in Freudenberg. Im besonderen Blick: Walter Alfred Siebel (1867-1941) und Pfarrer Hermann Demandt (1876-1957). Ein programmatischer Vortrag Siebels („Die Herzen empor! Ein Wort zum Weltkrieg“) war 1915 als Taschenheft erschienen: Im Kriegsgeschehen wirke Gott unmittelbar Heil für Deutschland. So sei die Schlacht von Tannenberg im August 1914 „eines der gewaltigsten Gerichte Gottes gewesen“. Seine Einschätzung: Das Volk habe am Abgrund gestanden – religiös wie politisch: „Da kam die Rettung – der Krieg. Kein Goethe, kein Bismarck hätten solchen Geist der Einigkeit für das Vaterland hervorbringen können“, zitierte Albrecht-Birkner aus der Schrift Siebels.

Spuren des Krieges vor Ort

„Was sollen wir aus den Spuren des Ersten Weltkrieges in Freudenberg lesen“, fragte die Siegener Hochschuldozentin. „Wir sollten uns vor der Rolle der ‚entsetzten Nachgeborenen’ hüten“, so ihr Hinweis. „Es könnte sein, dass wir dabei Dinge übersehen, von denen man in 100 Jahren sagt: Wie haben sie es mit ihrem Glauben vereinbaren können, das zu erleben und nichts dagegen zu tun?“

In einem Schlusswort betonte Pfarrer Thomas Ijewski, es sei wichtig, Spuren nicht auszuweichen, sondern zu erkennen, was die Menschen damals zum Nachdenken gebracht habe. Die Ereignisse seien gefühlt unendlich weit weg, aber durch die bekannten Namen und Ort bedrängend nah.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben