Erinnerungen wecken

Stadtführung durch Siegen für Menschen mit Demenz

Die neue Stadtführung „Stadtmomente“ am Oberen Schloss in Siegen ist speziell auf Menschen mit Demenz und Gedächtnisproblemen ausgerichtet. Das Orgateam (

Die neue Stadtführung „Stadtmomente“ am Oberen Schloss in Siegen ist speziell auf Menschen mit Demenz und Gedächtnisproblemen ausgerichtet. Das Orgateam (

Foto: Jennifer Wirth

Siegen.  Neues Angebot für Menschen mit Demenz und Gedächtnisproblemen: Stadtführung „Stadtmomente“ ist auf besondere Bedürfnisse ausgelegt.

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„Es geht darum, schöne Momente zu erleben“, sagt Astrid Schneider. Die auch für die Touristikinformation verantwortliche Leiterin des Fachbereichs Kultur spricht von einer neu angelegten Stadtführung, „Stadtmomente“ – speziell für Menschen mit Demenz und Gedächtnisproblemen. Diese haben die Verantwortlichen nun in der Kaffeestube des Oberen Schlosses vorgestellt. Am 1. Juni starten die Führungen durch den Schlosspark, die jeweils am ersten Donnerstag des Monats bis zum Oktober stattfinden.

Das Konzept

Los geht es immer um 14.30 Uhr. Bereits vor der Führung ist ein Zusammentreffen bei Kaffee und Reibekuchen in der nicht barrierefreien Kaffestube des Siegerlandmuseums geplant. Das soll etwa 30 Minuten in Anspruch nehmen – zum Kennenlernen und Austauschen. In Gruppen von sechs Dementen plus Aufsichtspersonen geht es dann nach draußen. Die begleiteten Rundgänge dauern etwa 60 Minuten. „Der Weg entscheidet sich je nach den Interessen der Gäste“, sagte Stadtführerin Katrin Bückmann. Sie ist die Initiatorin der Aktion, die sie gemeinsam mit dem Demenz-Servicezentrum Regio Südwestfalen (DSZ) entwickelt hat. Jede Führung sei einzigartig. „Ich versuche zu fördern, dass die Erzählung vom Gast kommt“, sagte sie. Katrin Bückmann bindet Gegenstände und alte Fotos in die Führung mit ein, um bei den Teilnehmern Erinnerungen zu wecken. „Ich setze Impulse.“

Anders als bei gängigen Stadtführungen geht es nicht darum, reines Wissen zu vermitteln. Das Genießen und Wahrnehmen steht im Fokus. „Es darf angefasst und sich bewegt werden.“ Dauer und Tempo werden den Bedürfnissen der Besucher angepasst. So sei es völlig in Ordnung, einige Minuten nur zu sitzen, um die Farben der Blumen auf sich wirken zu lassen.

Die Testdurchgänge

Damit alles reibungslos klappt, gab es bereits im Vorfeld zwei Testläufe. Thomas Schleifenbaum, Leiter im sozialen Dienst des Novita Seniorenzentrums Siegen, berichtete von seinen Erfahrungen: „Ich war positiv überrascht. Für die Bewohner war es ein sehr schöner Nachmittag – ein Erlebnis besonderer Art.“ Katrin Bückmann habe alle Sinne der alten Menschen angesprochen, beispielsweise das Hören durch das Abspielen von Liedern oder das Riechen an Blumen. Die Bewohner hätten keine Unruhe gezeigt oder Tendenzen wegzulaufen. „Sie sprachen auch von sich aus. Jedem ist etwas eingefallen.“

Ähnliche Erfahrungen hat auch Katrin Bückmann gemacht. „Manchmal ist es auch bloß die Erkenntnis, dass es hier schön ist“, sagte sie. Aber auch den Weg zu den Großeltern oder die Erinnerung an Sonntagsspaziergänge seien bereits aufgekommen.

Der Ausblick

Perspektivisch seien auch Spaziergänge durch andere Stadtteile von Siegen denkbar, sagte Astrid Schneider. Eine Möglichkeit sei das Siegufer. „Das Ganze muss sich jetzt erstmal entwickeln“, sagte Stefanie Kremer.

Momentan schließe man einige Menschen durch die Stufen zur Stube aus, auch das soll in Zukunft vermieden werden. Generell könne jeder mitgehen, der in der Lage ist, acht Stufen zu gehen. „Wegen der Demenz gibt es keine Grenzen“, so Bückmann.

>>>>INFO

Anmeldungen werden ab sofort entgegen genommen. Kontakt: GSS, 0271/1316. Geplant sind bislang im nächsten Monat eine bis zwei Führungen (1. und 8. Juni), je nach Nachfrage.

Die Kosten betragen 8 Euro pro Person. Die erste Begleitperson hat freien Eintritt, alle weiteren zahlen jeweils 2 Euro. Die Bewirtung ist nicht im Preis enthalten.

Bei der Anmeldung wird nach weiteren Daten zu gesundheitlichen Einschränkungen gefragt. Dies solle nicht indiskret wirken, erklärt Astrid Schneider. Es sei aber für die Planung unerlässlich, um die Führung möglichst bedarfsgerecht gestalten zu können.



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