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Still-Café in Hilchenbach weist Kultpotenzial auf

Treffen sich regelmäßig im Still-Café: Die Mütter Linn Jähnchen mit  Eric, Anna Hackler mit Ella und Miriam Büdenbender mit (von links). Ganz oben auf der Agenda steht der Austausch untereinander und mit Hebamme Dagmar Clemens.

Treffen sich regelmäßig im Still-Café: Die Mütter Linn Jähnchen mit Eric, Anna Hackler mit Ella und Miriam Büdenbender mit (von links). Ganz oben auf der Agenda steht der Austausch untereinander und mit Hebamme Dagmar Clemens.

Foto: Fabiana Regino

Dahlbruch.   Es begann mit einer kleinen Runde austauschwilliger Mütter. Heute ist das Still-Café von Hebamme Dagmar Clemens nicht mehr wegzudenken.

Einmal im Monat sinkt der Altersdurchschnitt des Dahlbrucher Jugendzentrums auf Rekordtief: Wenn die Wonneproppen kommen. Jeden ersten Dienstag verwandelt Hebamme Dagmar Clemens die Räume in ein Still-Café. Dort wo sonst zahlreiche Fahrräder stehen, parken Kinderwagen vor dem Jugendzentrum. Drinnen duftet es nach frisch gekochtem Kaffee. Dagmar Clemens heißt nach und nach zahlreiche Frauen mit ihrem Nachwuchs willkommen. Viele von ihnen hat die Hebamme bereits während der Schwangerschaft begleitet. Dankend nehmen die frisch gebackenen Mütter den Wachmacher an, bevor über Themen wie Lätzchen, Ernährung und welches Baby welchem Elternteil ähnlicher sieht geplaudert wird .

Das Café

Die Idee, ein solches Angebot ins Leben zu rufen, trug Dagmar Clemens lange in sich: „Eigentlich wollte ich schon immer so ein Still-Café anbieten“, erinnert sie sich zurück. Vor etwa sieben Jahren verwirklichte die Hebamme dann diesen Einfall. Angefangen habe alles in „ganz kleinen Räumen“. „Ich sprach dann mit Heike Kühn vom Familienbüro, die von dem Projekt auch direkt überzeugt war“, sagt Clemens. Die Stadt habe die Räume gern zur Verfügung gestellt. Das Jugendzentrum scheint gut geeignet: Einige Mütter nehmen an Tischen Platz, während die Kleinsten in ihren Babyschalen rhythmisch in den Schlaf gewiegt werden.

Andere Mütter haben sich mit ihren Wonneproppen auf die Spieldecke gesetzt und beschäftigen sich mit Rasseln. Wieder andere haben auf der gemütlichen Couch Platz genommen und stillen den hungrigen Nachwuchs. Wickeln ist natürlich auch kein Problem: „Hinter der linken Tür“ verrät Dagmar Clemens einer Mutter, die zum ersten Mal das Still-Café besucht, wo der Wickeltisch steht. Der Standort könnte ebenfalls schlechter sein: die oft am Bernhard-Weiß-Platz Rast machenden Busse sorgen immer wieder für große Augen bei den aufmerksamen Kleinen.

Die Hebamme

Seit mehr als 43 Jahren steht Dagmar Clemens schwangeren Frauen mit ihrem Rat zur Seite. Dazu gehöre nicht nur die Betreuung während Schwangerschaft, sondern auch Hilfe bei der Geburt und Rückbildungskurse, erklärt sie. „Heutzutage macht die Betreuung aber schon einen großen Teil unserer Arbeit aus.“ Oft gehe die Zeitspanne im achten Monat der Schwangerschaft los und ende nach Beendigung des ersten Lebensjahres. Ihr Engagement im Still-Café übt sie ehrenamtlich aus.

„Nächstes Jahr gehe ich in Rente“, kündigt Clemens an. Was das Café betrifft, ist noch nicht klar wie es damit weitergeht. „Weiter geht es in jedem Fall“, versichert sie. Es sei lediglich noch nicht entschieden ob sie selbst oder eine ihrer Hebammen-Kolleginnen das Café weiterführen werde. „Es wäre viel zu schade, das Café nicht mehr weiterzuführen. das Angebot wird wirklich super von vielen Müttern angenommen“, schwärmt Dagmar Clemens.

Die Mamas

Die geselligen Mütter, – meistens finden sich um die 12 Mamas inklusive Nachwuchs im Café ein – würden es vermutlich zu schätzen wissen, wenn Dagmar Clemens, nachdem sie als Hebamme pensioniert sein wird, das Café weiterführt. Die Fan-Gemeinde unter den Mamas ist groß. Linn Jähnchen aus Hilchenbach verbringt jeden ersten Dienstag des Monats gern mit dem acht Monate alten Eric im Café. „Die Atmosphäre hier ist einfach super und Dagmar macht ihre Sache wunderbar“, sagt die Hilchenbacherin begeistert.

Anna Hackler besucht mit der kleinen Ella ebenfalls regelmäßig das Café: „Man kann sich einfach wunderbar mit den anderen Mamas austauschen.“ Auch sie hat Dagmar Clemens Idee definitiv überzeugt. Bereits mit Ellas großem Bruder kam Anna Hackler immer wieder her, um den Morgen mit anderen Müttern und Babys zu verbringen. Miriam Büdenbender aus Allenbach ist erst zum zweiten Mal mit ihrer Emma zu Besuch. „Es ist hier wirklich sehr nett. Nächsten Monat kommen wir bestimmt auch wieder her“, kündigt sie an.

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