Medizin

Stipendium: Chirurgen aus Vietnam in Freudenberg

Thai Hong Phong erhielt eines der beiden ersten Hospitationsstipendien der Deutschen Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie.

Foto: Diakonie

Thai Hong Phong erhielt eines der beiden ersten Hospitationsstipendien der Deutschen Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie. Foto: Diakonie

Freudenberg.  Schulterchirurgen aus Vietnam qualifizieren sich bei Dr. Birgit Schulz am Bethesda-Krankenhaus. In Ho Chi Minh Stadt 150 Betten in drei Räumen.

Mit einem Monatsgehalt von umgerechnet 260 Euro von Vietnam nach Freudenberg reisen und dort drei Monate lang im Diakonie Klinikum Bethesda hospitieren, ist nahezu unmöglich. Um so größer ist die Freude über die Nachricht von der Deutschen Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie (DVSE): Zwei Gastärzte aus Ho Chi Minh Stadt (früher Saigon) haben das erste Internationale Hospitationsstipendium bekommen und werden mit jeweils 2500 Euro gefördert.

Minimum an Ausstattung

Im Freudenberger Krankenhaus lernen sie von Oberärztin Dr. Birgit Schulz verschiedene Schulteroperationen. „Dass solch ein Stipendium an unser vergleichsweise kleines Krankenhaus nach Freudenberg geht und nicht an eine große Universitätsklinik, ist etwas Besonderes.“ Seit 16 Jahren bildet sie regelmäßig Ärzte von der Universitätsklinik in Ho Chi Minh Stadt weiter, seit vier Jahren in Freudenberg. Finanziell sind die Reisen nach Freudenberg von ihren vietnamesischen Kollegen jedoch kaum zu stemmen. Deshalb hatte Schulz im vergangenen Jahr die Idee, bei der DVSE nachzufragen –- und erhielt eine positive Antwort. Denn die DVSE rief daraufhin das Internationale Hospitationsstipendium ins Leben und sprach es dem Assistenzarzt Thai Hong Phong und dem Orthopäden Dao Thanh Tu zu. Phong besuchte das Diakonie Klinikum Bethesda bereits, Tu kommt später im Jahr. Das Stipendium sollen fortan jährlich zwei nicht-europäische Ärzte erhalten.

„Alle Ärzte, die bislang bei mir hospitiert haben, wenden ihr Wissen inzwischen in Vietnam an“, sagt Schulz. An manchen Krankenhäusern sind kleine Schulterabteilungen entstanden. Regelmäßig trifft Schulz die Ärzte wieder. „Manche Kollegen warten mit schwierigen Operationen auf mich, damit ich ihnen helfen kann.“ Sie ist vom Willen und Geschick ihrer Kollegen beeindruckt: „Trotz vieler Schwierigkeiten und einem Minimum an Ausstattung geben sie alles, um mit manchmal auch unkonventionellen Mitteln ihr Ziel zu erreichen.“ ­­­Denn die Ausstattung vietnamesischer Krankenhäuser ist mit der der deutschen Kliniken nicht zu vergleichen. Die Orthopädie der Universitätsklinik Cho Ray in Ho Chi Minh Stadt umfasst 150 Betten in nur drei Räumen. Aus Platzmangel müssen sich häufig zwei Patienten ein Bett teilen. „Aber trotz dieser schwierigen Bedingungen schafft das Team es, Schultereingriffe auf hohem Niveau durchzuführen.“

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