Schule

Streit in Siegen: Ist offener Ganztag nur Schule?

Im Geisweider Rathaus streitet der Jugendhilfeausschuss: Wer bestimmt über den offenen Ganztag in den Grundschulen?

Im Geisweider Rathaus streitet der Jugendhilfeausschuss: Wer bestimmt über den offenen Ganztag in den Grundschulen?

Siegen.   Schulkonferenzen wollen offenen Ganztag mit städtischen Jugendtreffs. In der Politik gibt es Stimmen für den Wettbewerb der freien Träger.

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Schule ist Schule. Jugendhilfe ist Jugendhilfe. Aber was ist offene Ganztagsgrundschule (OGS)? Für Jugendamtsleiter Dr. Raimund Jung keine Frage: OGS ist Schule, „die Schule hat das Gestaltungsrecht.“ Auch darüber, wie die Kinder außerhalb des Unterrichts im offenen Ganztag betreut werden. Und durch wen.

Die Frage, die akademisch klingt, sorgt auch im Jugendhilfeausschuss für eine lange Diskussion – wie schon vor vier Wochen im Schulausschuss. Der Hintergrund ist nämlich handfest: Friedrich-Flender-Schule, Hammerhütter Schule und Glückaufschule wollen nämlich nur dann zu offenen Ganztagsgrundschulen umgewandelt werden, wenn die Trägerschaft bei der Stadt liegt und die Betreuung durch die Teams aus den städtischen Jugendtreffs Weidenau, Fischbacherberg und Geisweid erfolgt — die an den jeweiligen Schulen auch jetzt schon Sozialarbeit leisten.

Stimmen für die freien Träger

Ohne das Votum der Schulkonferenzen werde es an den drei Standorten keine OGS geben, machte Dr. Jung klar: „Auch das ist Subsidiarität.“ Den Begriff, der die Zurückhaltung des Staates in Bereichen privater oder „freier“ Initiativen meint, verwendeten die Fraktionen auch am Dienstag wieder mehrfach. Dass der offene Ganztag für freie Träger ausgeschrieben werde, „war bislang Konsens“, meinte Ingmar Schiltz (SPD); ein Beschluss dagegen verstoße gegen das Sozialgesetzbuch VIII und müsse durch den Bürgermeister als rechtswidrig beanstandet werden. Auch Lisa Bleckmann (Grüne) nannte es „gut und richtig, wenn ausgeschrieben wird“. „Einfach der Fairness halber“, pflichtete Günther Langer (UWG) bei.

Horst Löwenberg (DPWV) vertritt das Interesse der freien Träger: Die Stadt setze Fachpersonal ein, das „ganz anders bezahlt“ werde. Wenn den Freien nicht ähnliche finanzielle Konditionen eingeräumt würden, „haben wir einen sehr verzerrten Wettbewerb“ — oder eben offenen Ganztag von zwei Qualitätsstufen. So betonte Ingmar Schiltz (SPD) zwar, dass die derzeitigen OGS „gut laufen“. Bei der Vorstellung des OGS-Qualitätsberichts räumte er aber auch „Verbesserungsbedarf“ ein: nicht nur bei der räumlichen Ausstattung („Manche essen in sechs Schichten“), sondern auch beim Personal: Bei der Mehrzahl handelt es sich um Studierende oder nur „sonstig“ pädagogisch Qualifizierte, weit mehr als die Hälfte sind nur geringfügig beschäftigt. Die von der Politik hervorgehobene Trägervielfalt, so Schuldezernent Schmidt, „hatten wir mal“. Aktuell ist in der Siegener OGS-Landschaft nur noch der Verein für soziale Arbeit und Kultur (VAKS) unterwegs.

Schuldezernent André Schmidt sieht in der derzeitigen Organisation des offenen Ganztag eine Übergangserscheinung. Der Rechtsanspruch auf den OGS-Platz, den die Stadt derzeit freiwillig für jeden zweiten Schüler bereithalten möchte, werde kommen: „Dann werden die Kommunen ganz anders ausgestattet werde.“ In zehn Jahren, so Schmidt, werde die Ganztagsschule dann Standard sein. Entscheiden musste der Jugendhilfeausschuss am Dienstag nichts. Über die Umwandlung jeder der fünf noch verbliebenen Grundschulen, die nur die 13-Plus-Mittagsbetreuung anbieten, wird der Rat einzeln entscheiden, sobald die jeweiligen Konzepte vorliegen. Die Debatte werde zu früh geführt: „Ich hätte den Fraktionen auch eine Mail schreiben können.“

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