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Streit um Grundschulen holt Wilnsdorf ein

Grundschule und Realschule sind in Niederdielfen Nachbarn.  Dass die Wand an Wand stehenden Gebäude beim Bau nicht miteinander

Foto: Steffen Schwa

Grundschule und Realschule sind in Niederdielfen Nachbarn. Dass die Wand an Wand stehenden Gebäude beim Bau nicht miteinander Foto: Steffen Schwa

Wilnsdorf.  Grundschule Niederdielfen muss auf Räume der benachbarten Realschule ausweichen. Wiedereröffnung geschlossener Grundschulen wird Thema

Mit dem Bürgerentscheid, für den die Initiatoren des Bürgerbegehrens 2013 nicht die erforderliche Mehrheit bekamen, ist der Streit über die Entwicklung der Grundschulen nicht vorbei. Vor ein paar Wochen, zu Beginn dieses Schuljahres, ist die Klasse 4 der Niederdielfener Grundschule in die benachbarte Realschule ausquartiert worden. Das, so Bürgermeisterin Christa Schuppler am Donnerstagabend im Rat, sei „alles andere als ein Notbehelf.“ Dieses Fazit gegen Ende eines mehrstündigen Diskussionsmarathons mochten zumindest die anwesenden Eltern nicht teilen.

Die Situation

Der Schulausschuss hat sich am Nachmittag den Klassenraum angesehen, der zum Schulhof der Grundschule ausgerichtet, mit dieser aber nicht räumlich verbunden ist. „Aneinandergeklatscht“, wie die Bürgermeisterin später mehrfach formulieren wird, wurden die beiden Gebäude, aus heutiger Sicht unglücklich: Wer den Durchbruch durch den Flur macht — auch das ein an diesem Tag viel zitiertes Vorhaben —, landet in einem Klassenraum der jeweils anderen Schule. So aber, sagt Grundschulrektorin Anke Höfer, ist die 4 „vom Rest der Schulgemeinschaft abgeschottet“. Dass sie in der anderen Umgebung nicht die Größten, sondern die Kleinsten sind, mag Tatjana Ebener-Scharnberg, die Schulpflegschaftsvorsitzender der Realschule, aber nicht als zentrales Problem erkennen: „Die Kleinen behaupten sich schon recht gut, so sehr traurig sind die nicht.“ Ins Blickfeld rücken andere Fragen: Es geht um Sicherheit, weil die 4 noch nicht ans Alarmsystem der Real-, sondern nur der Grundschule angeschlossen ist und die Grundschullehrerin Unterstützung aus dem eigenen Kollegium nur mit dem eigens bereitgestellten Notfallhandy herbeitelefonieren kann. Und es geht um das nächste Schuljahr, wenn eine weitere Klasse umziehen muss.

Die Ursachen

Beigeordneter Helmut Eich macht keinen Hehl daraus, dass die Politik die Verantwortung für die entstandene Situation trägt: Der umstrittene Schulentwicklungsplan von 2012 sah Niederdielfen als einzügigen Standort vor, 2014 beschloss der Rat aber die Zweizügigkeit – seitdem war klar, dass das Gebäude für zwei Parallelklassen pro Jahrgang und den offenen Ganztag zu klein war. Später, in der Einwohnerfragestunde, erfährt die Bürgermeisterin von den Eltern, wann diese das Vertrauen in die Verwaltung verloren hätten: „Seit den Schulschließungen.“ In der Sondersitzung des Schulausschusses, die der Ratssitzung vorangeht, soll die Verwaltung auf Antrag von BfW/FDP und WPU berichten, ob die Grundschulen Anzhausen, Obersdorf und Wilden wieder eröffnet werden können. Das, so Beigeordneter Eich, sei Thema des neuen Schulentwicklungsplans, der ab November beraten wird.

Die Lösungen

Einstimmig beschließt der Schulausschuss für Niederdielfen „bauliche Maßnahmen zur Anbindung von Klassenräumen“, die zu Beginn des nächsten Schuljahrs fertiggestellt sein sollen. Details bleiben offen: ob Anbau und/oder Durchbruch. Für die Planung wird auch die Realschule eine Rolle spielen, die irgendwann nicht mehr nur Räume abgibt, sondern auch neue fordert. Rektor Uwe Rinsdorf: „Kann sich die Gemeinde auf Dauer eine Realschule ohne Ganztagsangebot erlauben?“

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