Statistik

Streitfälle im Siegerland: Männer zoffen mehr als Frauen

Immer öfter landen Streitigkeiten vor Gericht.

Immer öfter landen Streitigkeiten vor Gericht.

Foto: Symbolfoto

Siegen-Wittgenstein/Olpe.   Streitatlas zeigt, wo die Wut wohnt. Siegerländer sind friedlicher als Menschen aus dem Kreis Olpe. Die Geschlechter unterscheiden sich deutlich.

Deutschlands Krawallnudeln kommen aus der Hauptstadt – die Berliner streiten sich am häufigsten, knapp gefolgt von den Westfalen und den Hamburgern. Aber: Auch die Olper sind vorne dabei – 31,3 Streitfälle pro 100 Einwohner. Das sieht der Siegerländer gelassen. Mit 23,5 Fällen legt er sich weitaus seltener gerichtlich mit einem Kontrahenten in den Haaren als der Olper. Wo das nachzulesen ist? In „Deutschlands Streitatlas 2017“. Das ist die Neuauflage einer Studie mit Ergebnissen aus 2016, die erstmals 2013 von „Advocard“, dem Rechtsschutzversicherer der Generali in Deutschland, erhoben wurde.

Im Vergleich

Im Vergleich zu 2014 wird häufiger gestritten. Waren es damals im Schnitt noch 22,3 Streitfälle pro hundert Einwohner, steigt die Zahl 2016 auf 25,1 an. „In Deutschland kann man heutzutage immer schneller in einen Streit verwickelt werden“, sagt Peter Stahl, Vorstandssprecher bei Advocard. „Die Frage, wer Recht hat, wird immer öfter juristisch geklärt. Es wird immer mehr gestritten, zunehmend auch wegen eher geringer Streitwerte. Dies liegt sicherlich auch an der steigenden Anzahl von Gesetzen und Verrechtlichung der Gesellschaft.“ Für Siegen-Wittgenstein bedeuten die Zahlen, dass beinahe jeder vierte Einwohner 2017 in einen Rechtsstreit verwickelt war. Das sind 5,2 Streitfälle mehr als 2014. Bei den Olpern waren es aktuell 31,3 Streitfälle, im Märkischen Kreis 30,2. Im näheren Umkreis können das nur die Hagener toppen – sie kommen auf 33,2.

Der Prozess

Laut Streitatlas 2017 dauern knapp 43,7 Prozent der Streitfälle länger als ein Jahr. Kommt es zum Prozess, kann sich das in Deutschland in die Länge ziehen: Streitfälle mit einer Dauer von zwölf Monaten und mehr steigen um vier Prozentpunkte an. Doch: Der Anteil sehr schnell gelöster Streitfälle steigt ebenfalls an. Peter Stahl sieht darin einen Erfolg frühzeitiger Rechtsberatung: „Wer sich gleich am Anfang einer rechtlichen Auseinandersetzung kompetente Unterstützung holt, kann sich oftmals einen langwierigen Prozess ersparen.“

Die Ursachen

Auf Platz eins steht das Privatleben mit all seinen Facetten. Scheidung und Trennung belegen in diesem Bereich eindeutig den ersten Platz. Gleich drauf folgen Erbstreitigkeiten – zum Beispiel, wenn Angehörige mit dem Erbe nicht einverstanden sind. Platz zwei belegt der Straßenverkehr. Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Rechtsstreitigkeiten nach Verkehrsunfällen entstehen. Doch auch Verstöße gegen die Geschwindigkeitsbegrenzung sind oft Auslöser für einen Rechtsstreit. Das Arbeitsumfeld belegt den dritten Platz (Streit um den Lohn), Platz vier belegt der Bereich Wohnen – besonders Nachbarschaftsstreitigkeiten stehen hier im Fokus. Auf Platz fünf stehen die Behörden und Finanzen.

Die Geschlechter

Siegerländer Männer sind offenbar sehr viel mehr auf Krawall gebürstet als Frauen. Fast drei Viertel aller Streitigkeiten gehen von ihnen aus. Und damit sind sie nicht allein – deutschlandweit sind es ebenfalls über zwei Drittel der Männer. Die Generali meint dazu: „Auch wenn der biologische Beweis bisher fehlt: Das Streit-Gen scheint auf dem Y-Chromosom zu liegen.“ Ein differenziertes Bild ergibt sich, wenn man die Geschlechter getrennt betrachtet: Verkehrsstreitigkeiten sind bei Männern (bundesweit 30,6 Prozent) weitaus häufiger der Grund für Konflikte als bei Frauen (22,4 Prozent). In der Mitte des Lebens scheint den Deutschen nicht nur die Midlife-Crisis, sondern auch die Mid-Streit-Crisis zuzusetzen. Menschen zwischen 46 und 55 Jahren streiten sich statistisch gesehen am häufigsten.

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