Niederschwelliges Angebot

Studenten der Uni Siegen beraten kostenlos in Rechtsfragen

Nathalie Vinders und Jan Haas von der Refugee Law Clinic Siegen: Die beiden helfen gemeinsam mit einigen Studenten und Dozenten Flüchtlingen. Sie bieten eine kostenlose Beratung an.

Nathalie Vinders und Jan Haas von der Refugee Law Clinic Siegen: Die beiden helfen gemeinsam mit einigen Studenten und Dozenten Flüchtlingen. Sie bieten eine kostenlose Beratung an.

Foto: Jennifer Wirth

Siegen.  Refugee Law Clinic Siegen gegründet: Rund zwanzig Studierende bieten eine kostenlose Beratung für Flüchtlinge an. Eine Win-Win-Situation.

Praxiswissen bekommen und gleichzeitig helfen: Darum geht es in der neuen Refugee Law Clinic am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Internationales Wirtschaftsrecht der Uni Siegen. Studenten beraten unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Jörn Griebel geflüchtete und zugewanderte Menschen in Rechtsfragen – kostenlos.

Was ist eine Law Clinic?

Eine Law Clinic ist ein Ausbildungskonzept. Es hilft Studenten dabei, ihre Rechtskenntnisse zu vertiefen und anzuwenden. Gleichzeitig gibt das Projekt die Möglichkeit, soziale Kompetenzen zu festigen und Hilfsbedürftigen einen niedrigschwelligen Zugang zu Rechtsberatung zu geben. Eine Win-Win-Situation.

Seit wann gibt es das Angebot?

Die Law Clinic Siegen wurde zum Sommersemester 2018 gegründet und befindet sich zur Zeit im Aufbau. Bisher sind rund 20 Studenten in der Beratung tätig, darunter auch Nathalie Vinders (21). „Es ist für einen guten Zweck. Wir können richtig was bewegen“, sagt sie zu ihrer Motivation. Die Gruppe wächst stetig. Die Koordination hat Jurist Jan Haas (31) übernommen; er wurde als wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Projekt eingestellt. Zudem hat die Uni 6000 Euro an Sachmitteln zur Verfügung gestellt. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem Migrationsrecht.

Wer kann dort mitmachen?

Studenten aller Fachrichtungen können sich ehrenamtlich engagieren. Jeder, der beraten möchte, muss an der Vorlesung „Einführung in das Asyl- und Aufenthaltsrecht“ teilnehmen, die jeden Mittwoch stattfindet. Aktuell sind das weitere 20 Personen. „Das ist nicht ohne“, sagt Jan Haas. Es gibt keine Anwesenheitspflicht, doch zum Abschluss eine Prüfung, die bestanden werden muss. In dem Seminar werden die rechtlichen Grundlagen vermittelt: Es geht unter anderem um das Grundgesetz, das Verfassungsrecht sowie um völkerrechtliche und sozialrechtliche Grundlagen. Aber auch das Asyl- und Aufenthaltsgesetz wird erläutert, sagt Jan Haas, der die Vorlesung hält. Die Rechtsanwältin Elke Dausacker ist ebenfalls mit im Boot. Sie hat jüngst die Vertiefungsveranstaltung „Falltraining und Beratungssimulation im Aufenthaltsrecht“ angeboten, um die Studenten für die Beratung fit zu machen. „Wissen in die Praxis umsetzen kannst du erst, wenn du selbst jemanden betreust“, sagt Haas.

Was genau machen die Studenten?

Sie beraten Flüchtlinge, die sich das sonst nicht leisten könnten. „Rechtsanwälte sind oft überlastet, weil es so viele Fälle gibt“, sagt Jan Haas. Mit dem Angebot werde eine Lücke gefüllt; die Fälle werden den Rechtsanwälten nicht weggenommen. Die Studenten leisten quasi die Vorarbeit: Sie arbeiten die Geschichte der Menschen auf, gehen mit zu Behörden und nehmen sich viel Zeit für die Aufklärung – alles außergerichtlich. Verfahren, die vor Gericht geklärt werden, dürfen sie nicht bearbeiten. Da müssen weiterhin die Volljuristen ran.

Wie wird das Angebot angenommen?

Die ersten 20 Berater haben mit ihrer Arbeit im Ende Dezember begonnen. Zweisprachige Flyer, Mund-zu-Mund-Propaganda und eine Facebookseite sollen auf das Angebot aufmerksam machen. Zwei Flüchtlinge waren bereits da, sagt Nathalie Vinders und strahlt. „Das war richtig cool!“ Die Mandanten brauchen Hilfe bei der Wohnungssuche und haben bald ein Beratungsgespräch. „Sie sind sehr dankbar dafür.“

Wieso gibt es die Beratung nur für Flüchtlinge?

In der Auftaktveranstaltung wurde abgestimmt: Zunächst spezialisiert sich das Team auf die Rechtsberatung von Flüchtlingen. „Dann wollen wir das Programm öffnen“, erklärt Vinders. In Frage würde dann zum Beispiel die Beratung von Studenten in Sachen Mietrecht kommen. Doch dafür müssten die Studenten neu geschult werden und es braucht ein entsprechendes Netz an Beratern – das aufzubauen dauert und ist bisher Zukunftsmusik.

Was passiert, wenn die Beratung falsch ist?

Die Supervision übernehmen Jan Haas und Elke Dausacker – sie stehen den Studenten zur Seite und verhindern Falschberatungen. Zudem sind die Betreuer über die Uni und den Dachverband der Refugee Law Clinic versichert.

Wie sehen die Zukunftspläne aus?

„Wir wollen im März einen Verein gründen“, sagt Jan Haas. Dadurch sollen Studenten die Möglichkeit bekommen, noch autonomer zu arbeiten. „Sie sollen die Hauptverantwortung tragen.“

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