Kultur

Studentische Kunst im Haus Seel – mit den Gedanken alleine

Frank Jung mit seinem Iglu: Die Arbeit des Saarländers wiegt insgesamt 1,5 Tonnen, sie besteht aus Salz-Ziegeln.

Foto: Wolfgang Leipold

Frank Jung mit seinem Iglu: Die Arbeit des Saarländers wiegt insgesamt 1,5 Tonnen, sie besteht aus Salz-Ziegeln. Foto: Wolfgang Leipold

Siegen.  Die Ausstellung von Studenten und Absolventen der Uni Siegen in Haus Seel widmet sich dem Alleinsein. Zitat als zentrales Element des Konzepts.

Seit wann wird in den Schaufenstern des Hauses Seel Reklame für Zigaretten gemacht, mag sich der vorbeischlendernde Fußgänger fragen. Die Antwort: Es ist die Arbeit des Siegener Studenten Malte Roes, in ihrer Größe speziell für diese Fenster konzipiert und trefflich passend zum Titel der Ausstellung „the rest of the time you are left with your thoughts“, übersetzt: „Den Rest der Zeit bleibst du alleine mit deinen Gedanken“.

Z wie Zitat: Dieser Satz ist Kern künstlerischer Produktion und Rezeption – und auch der menschlichen Existenz. Der Ausstellungstitel ist ein Zitat aus einem Brief des Künstlers Sol LeWitt an die Künstlerin Eva Hesse. Der Brief, in seiner ganzen Länge, ist ein eindrucksvolles Dokument überexistenzieller Fragen und grundlegender Parameter künstlerischer Produktion.

Lucie Sahner, Johanna Dörr und Frank Jung (von links) Wolfgang Leipold K wie Kooperation: „The rest of the time you are left with your thoughts“ ist ein Kooperations- und Austauschprojekt von Studierenden und Absolventen aus dem Fach Kunst der Universität Siegen und der Hochschule der Bildendenden Künste Saar. Initiiert und kuratiert wurde die Ausstellung von Prof. Christian Freudenberger von der Universität Siegen, Fachbereich Kunst, und der Siegener Künstlerin Mirjam Elburn.

K wie klappern: Gedanken macht sich der Betrachter auch über ein klapperndes Blechteil im Inneren der Ausstellung. Das funktionslose Gerät an der Wand entzieht sich der menschlichen Sinnhaftigkeit – und nervt. Doch genau das will Lina Gebhardt, die in Kreuztal geborene Kunststudentin, auch erreichen.

S wie Sackgasse: „You and me“ nennt Johanna Dörr ihre Installation, die einen großen Raum der unteren Ausstellungsfläche des Hauses Seel einnimmt. Mit grüner, deckenhoher Baufolie hat sie einen schmalen Weg geformt, der hinter einer Kurve endet. Eine Sackgasse, aus der man, begleitet von verzerrten Geräuschen, zurückgehen muss. Johanna Dörr: „Jeder macht seine eigenen Erfahrungen mit dem Raum, fragt sich: Wer ist da drin? Der Sound soll eher zur Verwirrung beitragen.“

I wie Iglu: Die Arbeit des Saarländers Frank Jung ist gewaltige 1,5 Tonnen schwer. Ein Iglu mit leuchtenden Ziegeln aus Himalaya-Salz, vor dem einige Salbei-Büsche stehen. Es erinnert von der Form her an einen Siegerländer Schmelzofen aus der Latène-Zeit (ab 450 vor Christus). Viele der Ziegel stammen aus der abgebauten Salzgrotte eines Fitness-Studios in Leipzig. Das Iglu wird kleine und schlanke Ausstellungsbesucher zum Hineinkriechen reizen. Der Künstler hat sicher nichts dagegen.

E wie Enthaarungswachs: Und dann ist da noch die Installation, die die meisten Rätsel aufgibt: Woraus bestehen die beiden dicken, zwei mal zwei Meter großen quadratischen Platten? Ist es Karamell-Masse, hellbrauner Teer oder ein Bernstein-Imitat? Mitnichten. Es handelt sich um gebrauchtes Enthaarungs-Wachs, das Lucie Sahner aus Saarbrücken über Jahre gesammelt hat. Sozusagen Hausmüll. Sie hat es eingeschmolzen, verarbeitet und in Form gegossen. Bleibt zu hoffen, dass eine weitere Hitzeperiode ausbleibt und diese „gegenwartsarchäologischen Objekte“ nicht allzu weich werden.

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