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Studi aus Siegen zieht fürs Studium nach Japan

Foto: Jan Lindner

Siegen/Kyôto   Jan Lindner studiert für ein Jahr an der Ritsumeikan Universität in Kyôto. Auch wenn es viele Unterschiede gibt, fühlt er sich in Japan wohl.

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9195 Kilometer Luftlinie liegen zwischen den beiden Städten Siegen in Deutschland und Kyôto in Japan. Eine Distanz, die man nicht mal eben für einen Besuch überwinden kann und gleichzeitig eine Strecke, die Jan Lindner bereitwillig auf sich genommen hat – denn er studiert für ein Jahr am anderen Ende der Welt.

Der Anfang

Nach einem abgebrochenen Studium in Siegen wechselt Jan an die Universität Köln, er will sich endlich seinen Traum erfüllen und beginnt den Studiengang „Japanische Kultur in Geschichte und Gegenwart“. „Das Studium macht mir unglaublich viel Spaß, deswegen stand früh fest, dass ich bald ein Auslandsjahr in Japan machen möchte“, erzählt der 22-Jährige. Er entscheidet sich für die Ritsumeikan Universität in Kyôto, der wohl geschichtsträchtigsten Stadt Japans, kombiniert seine Ersparnisse mit einem Auslands-BaFög um den doch recht teuren Alltag in Japan finazieren zu können. Eine gute Entscheidung, denn Jan erzählt: „Für Obst und Gemüse bezahlt man sich im Supermarkt im Grunde dumm und dämlich. Das einzig bezahlbare Obst sind vier Bananen für umgerechnet ca. 1,50€.“

Wohnen kann er verhältnismäßig günstig in einem „International House“ mit vielen Mitstudis, in dem die Miete günstiger ist als seine Wohnung in Köln. „Das Zusammenleben kann anstrengend sein, aber man findet immer einen Ansprechpartner“, erklärt Jan.

Das Studium

So unterschiedlich die Länder auch sind, das Studium bringt zum Teil ähnliche Schwierigkeiten mit sich: „Viele Lehrer legen alles auf die Forschungsinteressen der Studis und Gruppenarbeiten aus“, sagt Lindner und fügt hinzu: „Außerdem werde ich oft wie ein Kleinkind behandelt, weil viele davon ausgehen, dass ich absolut aufgeschmissen bin.“ Doch es gibt auch Positives. Jan berichtet: „Ein großer Unterschied ist die große Fülle der Gruppierungen und Arbeitsgemeinschaften an der Uni. Von Sportverbänden bis zu Archäologieclubs ist alles dabei.“ Auch die Technologie ist vielen deutschen Unis voraus: „Man betritt die Bibliothek durch seinen Studentenausweis, nimmt sich drei Bücher und verlässt die Bibliothek durch eine spezielle Tür, welche automatisch den Ausweis und die Codes in den Büchern liest, um diese ganz von selbst auszuleihen. High-Tech pur“, so Jan.

Der Alltag

Das Leben in Japan unterscheidet sich vor allem in einem Punkt deutlich von dem in Deutschland: „Die Japaner sind sehr, sehr höflich. In Deutschland mischen sich viele Menschen ungefragt in fremde Angelegenheiten ein, während sich hier schon mehrmals dafür entschuldigt wird, wenn man einen Flyer in die Hand gedrückt bekommt“, erzählt Jan. Auch die „Konbinis“ gefallen ihm: „Das sind Läden, die 24 Stunden geöffnet haben und in denen man von Einkaufen über Geld abheben bis zum Aufwärmen des Essens in einer Mikrowelle alles machen kann.“

Allerdings gibt es manches, dass er vermisst. „Mir fehlt das deutsche Leitungswasser, ich musste mich sehr an den speziellen Geschmack hier gewöhnen“, erzählt Lindner. „Und ich vermisse meinen heißgeliebten Döner als schnelle Notfallmahlzeit, wenn man nicht kochen will!“

Die Zukunft

Jan ist mit dem Ziel, nicht nur das Land und die Leute, sondern auch sich selbst besser kennenzulernen, nach Japan gegangen. „Auch wenn ich hoffe, dass ich mich hier orientieren kann, steht in erster Linie die Sprachpraxis im Vordergrund“, erklärt er und ergänzt: „Allerdings versuche ich, so viel wie möglich für mein weiteres Leben mitzunehmen.“ Und wenn es dann „Sayonara“ (japanisch für „Auf Wiedersehen“) heißt und es zurück nach Deutschland geht, wenn der erste Döner die Ankunft versüßt, vielleicht vermisst Jan dann sogar irgendwann das japanische Leitungswasser.

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