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Superhelden als Seminarthema in Siegen

Im Seminar wird unter anderem über die verschiedenen Darstellungen von Superhelden in Comics gesprochen - hier geht es um Giant Man.

Im Seminar wird unter anderem über die verschiedenen Darstellungen von Superhelden in Comics gesprochen - hier geht es um Giant Man.

Foto: Antonia Jost

Weidenau.   Was Perry Rhodan und Spiderman gemeinsam haben, untersuchen Univ.-Prof. Dr. Niels Werber und Dr. Daniel Stein in einem Seminar.

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Auf dem Tisch liegen drei Bücher: Der Perry Rhodan-Silberband Nummer 1, der Comic „Marvels“ und „Batman: The Dark Knight – Master Race“. Schon die Lektüre zeigt, dass es sich bei der Veranstaltung „Superhelden – Gesellschaft in Serie“ nicht um ein gewöhnliches Seminar handelt. Zwar werden hier auch Theorien erläutert und angewendet, aber es gibt kaum einen Studi im Raum, der sich zu langweilen scheint.

Univ.-Prof. Dr. Niels Werber und Dr. Daniel Stein schaffen in dem Seminar, was viele Dozenten versuchen: Sie fesseln die Teilnehmer. Wenn es darum geht, die Genderaspekte im ersten „Perry Rhodan“-Buch nachzuvollziehen (Wo sind eigentlich die ganzen Frauen?) und die Einführung der menschlichen Fackel zu untersuchen (Wieso erinnert das irgendwie an Frankensteins Monster?), sind alle mit Begeisterung dabei. Das bestätigt auch Seminarteilnehmerin Antje Ruppert: „Wir werden ermutigt, die Werke mit einem kritischen und feinen Auge zu betrachten, das gefällt mir!“

Dass Perry Rhodan und die Superheldencomics durchaus miteinander in Verbindung gebracht werden können, erläutert Dr. Stein: „Wir frage uns, mit welchen erzählerischen und gestalterischen Mitteln zwei unterschiedliche Medien wie der Heftroman und der Comic die Figur des Superhelden inszenieren.“ Unterscheiden sich Perry Rhodan als Begründer der „Dritten Macht“ und Spiderman als Retter von New York also gar nicht so sehr voneinander? Dabei gilt es, auch die zeitliche Entwicklung zu betrachten. Stein erklärt: „Wir untersuchen auch, welche Veränderungen sich in der Inszenierung über mehrere Jahrzehnte hinweg nachzeichnen lassen.“ Schließlich hat die Perry Rhodan-Serie ihren Ursprung in den 60ern, während die untersuchten Superheldencomics aus diesem Jahrtausend stammen.

Ob es beispielsweise in den aktuelleren Darstellungen von überirdisch kräftigen und mächtigen Helden einen Platz für Frauenfiguren über das Objekt der Begierde und die Mutterrolle hinaus gibt, darüber wird noch bis Ende der Vorlesungszeit immer dienstags ab 10 Uhr im Raum AR- HB 0102 diskutiert. Wer neugierig geworden ist, darf gerne reinschauen – oder sich auf die nächste Veranstaltung der Dozenten freuen, wenn es um „Moby Dick“ gehen soll: „Wir wollen der Frage nachgehen, in welchen Formen und über welche Kanäle wir heute den Klassikern der Weltliteratur begegnen und welchen Einfluss diese Entwicklung auf unser Verständnis von Literatur, Kultur und Gesellschaft hat“, so Stein.

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