Programm in Kreuztal

Sven Ratzke überzeugt mit abgefahrenem Programm

Sven Ratzke liefert in der Kreuztaler Stadthalle ein unterhaltsames Programm mit Gesangseinlagen ab.

Foto: Michael Kunz

Sven Ratzke liefert in der Kreuztaler Stadthalle ein unterhaltsames Programm mit Gesangseinlagen ab. Foto: Michael Kunz

Kreuztal.   Kabarettist Sven Ratzke hat in der Kreuztaler Stadthalle ein skurril-unterhaltsames Programm abgeliefert - und erinnert dabei an David Bowie.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Wenn David Bowie und Eddie Izzard ein Liebesbaby hätten, würde es Sven Ratzke heißen“, hat eine niederländische Zeitung einmal über den Mann geschrieben, der an diesem Donnerstagabend in der Kreuztaler Stadthalle zu erleben ist.

Schon das Titelbild des Programmhefts von „kreuztalkultur“ macht deutlich, dass die Einschätzung durchaus in die richtige Richtung geht.

Der 40-Jährige mit Wurzeln im Nachbarland und auch in Deutschland inszeniert sich als „Starman“ auf den Spuren Bowies, suhlt sich genüsslich irgendwo zwischen Androgynität und Schwuchtelei, macht sich über das Publikum lustig, vor allem die Leute in den ersten Reihen bekommen ihr Fett ab, bewegt sich dabei aber schlafwandlerisch sicher immer auf der richtigen Seite jenes schmalen Grats zwischen delikatösem Esprit und plumper Geschmacklosigkeit.

Von New York nach Kreuztal

Da müssten einige wohl schon ziemlich bedröhnt sein, dass sie diese Sprache verständen, schüttelt Ratzke grinsend den Kopf. Kreuztal, das sei doch kein Problem, „das ist doch bei Köln, die Leute feiern auch Karneval“, sagt er – und erntet das eine oder andere Grummeln aus dem Publikum.

Nein, hätten seine Freunde gesagt, wenn die Show schlecht sei, werde er in den Rhein geworfen, „und die Kreuztaler schieben das dann auf die Kölner!“ „Das klingt schon eher nach Kreuztal“, ist Zustimmung aus den Reihen zu hören.

Jedenfalls habe er dann den Act erst einmal ein paar Jahre in der Provinz geübt, „in New York“. Wer es da schaffe, müsse doch die Kritiker im Siegerland erst recht überzeugen können, findet er und singt.

Zwischen den abgefahrenen Erzählungen, wie er nackt mit einem Blitz von den Sternen gekommen sei, wie er Zeitreisen in die späten 60-er nach England machte oder sich die Fahrt nach New York mit dem Schälen von Millionen Kartoffeln verdienen musste – „die Frau in der ersten Reihe kennt das, aber sie will es nicht zugeben!“ – gibt es eindrucksvolle Versionen von „Starman“, Space Oddity“ oder „Rebel Rebel“, in einem ganz eigenen Tempo und Sound, von seiner Band in sphärische SF-Töne gekleidet, dann wieder rockig und aggressiv.

Apropos Kleidung, Ratzkes Kostüme sind irgendwo zwischen Bowie, Liberace und Elvis angesiedelt. Sicherlich ist das nicht jedermanns Sache, wie sich auch an den gerade einmal knapp 100 Zuschauern in der Stadthalle zeigt. Aber es wird schnell klar, warum der Typ sein Publikum rund um den Globus seit Jahren überzeugt.

  • Die Lokalredaktion Siegen ist auch auf Facebook.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik