Diskussionsrunde

„Teilhabe statt Ausgrenzung“ auch in der Politik

Im Bildungszentrum der AWO Netphen sind alle Plätze besetzt. Acht Politiker stellen sich den Fragen von Menschen mit Behinderungen in einer Diskussionsrunde zur Bundestagswahl.

Foto: Laura Handke

Im Bildungszentrum der AWO Netphen sind alle Plätze besetzt. Acht Politiker stellen sich den Fragen von Menschen mit Behinderungen in einer Diskussionsrunde zur Bundestagswahl. Foto: Laura Handke

Netphen.  Im Bildungszentrum der AWO Netphen stellen behinderte Menschen den Bundestagskandidaten ihre Fragen. Doch Inklusion finden nicht alle gut.

Der Raum im AWO-Bildungszentrum ist gut gefüllt. Gespannt sitzen rund 40 behinderte Menschen heimischen Bundestagskandidaten gegenüber. Sie wollen ihre Fragen loswerden – „Teilhabe statt Ausgrenzung“ ist das Motto. Eine inklusive Veranstaltung. Schnell kommt das Thema Gleichberechtigung zur Sprache. Andreas Appelt (AfD) setzt an: „Ich bin mit der Inklusion in Schulen nicht ganz glücklich. Die Lehrer fokussieren sich dann auf die Behinderten und die normalen Kinder gehen dann vielleicht unter.“ Moderator Dr. Andreas Neumann hakt ein: „Ich verlasse hier vielleicht die Rolle des objektiven Moderators, aber Behinderte sind auch normale Menschen“. Das Publikum klatscht laut. „Ja“-Rufe sind zu hören.

Die Diskussion

Dr. Andreas Neumann, Geschäftsführer des AWO-Kreisverbands Siegen-Wittgenstein/Olpe, hat zur Veranstaltung „Auch meine Stimme zählt“ eingeladen. Ihm geht es darum, Menschen mit Behinderung Gehör zu verschaffen. Schließlich sind auch sie potenzielle Wähler und haben Fragen.

Zu Beginn stellt Neumann die Politiker vor. Zwei fehlen aber noch. Heiko Becker von der SPD und der parteilose Kandidat Dominik Eichbaum treffen verspätet ein, als die Diskussion schon im Gange ist.

Eine Teilnehmerin fragt nach der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit, ein anderer will wissen, wie die Politiker zu einem bedingungslosem Grundeinkommen stehen. Alle antworten der Reihe nach. Das dauert seine Zeit, ein paar Zuhörer werden ungeduldig.

Eine junge Frau fragt: „Sind Menschen mit Handicap gleichberechtigt?“ Die Frage stellen sich anscheinend viele im Raum, denn alle klatschen. „Wir müssen neue Beschäftigungsmöglichkeiten für Behinderte eröffnen“, erklärt Dominik Eichbaum. „Auch die Digitalisierung sollte als Chance gesehen werden, neue Arbeitsplätze für Behinderte zu schaffen“, sagt Andreas Weigel (FDP). Volkmar Klein (CDU) erläutert, dass er sich für mehr Gleichberechtigung einsetzen will. Simon Rock (Die Grünen) merkt an: „Behinderte haben ein Recht auf Inklusion und Arbeit. Ziel ist, dass Unternehmen Behinderte mit gleicher Eignung bevorzugt einstellen.“

Applaus auf beiden Seiten

Nach anderthalb Stunden ist Schluss. Viele Fragen konnten nicht gestellt werden, dafür war die Zeit zu knapp. Die Politiker erklären noch, wo ihre „Wahlprogramme in leichter Sprache“ online zu finden sind. Einige haben auch die Druckfassungen dabei, um sie direkt verteilen zu können. „Wer lieb fragt, kann auch meine Telefonnummer haben“, ergänzt Heiko Becker scherzhaft.

Am Ende gibt es viel Applaus – nicht nur vom Publikum, sondern auch umgekehrt von den Politikern für die Zuhörerinnen und Zuhörer. Und für ein paar kurze Gespräche im Anschluss ist auch noch Zeit.

>>>> INFO: Acht Gäste aus der Politik

- An der Diskussion nahmen teil: Volkmar Klein (CDU), Heiko Becker (SPD), Simon Rock (Die Grünen), Sylvia Gabelmann (Die Linke), Dominik Eichbaum (parteilos), Björn Krause (ÖDP), Andreas Appelt (AfD).

- FDP-Kandidat Prof. Hermann Siebdrat wurde von Andreas Weigel vertreten.

  • Die Lokalredaktion Siegen ist auch bei Facebook

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik