Artenschutz

Toter Vogel: Naturschützer fordern Aus für Windpark Kalteiche

Peter Draeger, Fachbeirat des NI aus Wilnsdorf, mit dem getöteten Rotmilan unter der Windenergieanlage auf der Kalteiche.

Peter Draeger, Fachbeirat des NI aus Wilnsdorf, mit dem getöteten Rotmilan unter der Windenergieanlage auf der Kalteiche.

Foto: Naturschutzinitiative NI

Burbach.   Unter einem Windrad an der Kalteiche ist wieder ein toter Rotmilan gefunden worden. Naturschützer fordern jetzt den sofortigen Betriebsstopp.

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Die Naturschutzinitiative (NI) und Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) fordern das Abschalten der Windenergieanlagen auf der Kalteiche, weil vor kurzem ein getöteter Rotmilan unter einem Windrad gefunden wurde.

„Dieses ist nach 2017 schon das zweite Schlagopfer dieser streng geschützten Art, das wir zufällig bei unseren Begehungen auf dem Höhenzug an den drei Windenergieanlagen gefunden haben,“ so Peter Draeger, Fachbeirat der NI aus Wilnsdorf. Weil jetzt die Ausflugszeit unerfahrener Jungtiere beginne, darunter auch Schwarzstorch und Wespenbussard, solle die Kreisverwaltung Siegen-Wittgenstein, „umgehend eine Abschaltungsverfügung zumindest für die Zeit der Ausflugsphase bis etwa Mitte September erlassen“, fordert NI-Landesvorsitzender Harry Neumann.

Windpark Kalteiche; Naturschützer sind in Sorge

Die Kalteiche sei ein „Biologischer Hotspot“ mit einer großen Zahl Fledermausarten im Dreiländereck, bedeutender Wanderkorridor für Wildkatze, Rotwild, Wolf, Wisent und Luchs und wichtige Drehscheibe für genetischen Austausch.

Sorgen bereitet Peter Draeger auch, dass im Umfeld der Anlagen bebrütete Horste windkraftempfindlicher Arten wie Schwarzstorch und Wespenbussard bekannt sind.

Windindustrieanlagen gefährden die Population

Nach aktuellem Stand der Schlagopferdatei führten der Rotmilan mit 420 und der Mäusebussard mit 543 gemeldeten Totfunden die Schlagopferliste an. Für den Rotmilan seien Windindustrieanlagen mittlerweile Todesursache Nr. 1. Laut aktueller „Progress-Studie“ würden jedes Jahr 1000 bis 1200 Rotmilane durch Windindustrieanlagen getötet. Diese Zahl sei populationsgefährdend: Bei weiterem Windkraftausbau sinke bei den Raubvögeln die Nachwuchsrate unter die Totschlagsrate, langfristig drohe die Art auszusterben.

Ein Rotmilanhorst liege in der Nähe, eine Paarung sei im Frühjahr dokumentiert worden. „Der Bruterfolg für den Rotmilan dürfte nach diesem Totfund wohl ausgefallen sein. Meist wird nach dem Verlust eines Partners die Brut beim Rotmilan aufgegeben“, so Biologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent der NI. Die Naturschützer gehen von einer deutlich höheren Zahl getöteter Tiere aus: NRW und Hessen würden Totfunde nicht überwachen, Kadaver oft schnell durch andere Tiere fortgetragen.

Naturschützer fordern sofortigen Betriebsstopp

Die bundesweite Meldestelle für Windkraft-Schlagopfer an der Vogelschutzwarte Brandenburg habe mitgeteilt, dass die Windräder auf der Kalteiche mit 85 Metern Turmhöhe und 100 Metern Rotordurchmesser als ein „hoch schlaggefährdeter Anlagetyp“ einzustufen sei, der den Luftraum schon knapp über dem Waldschirm durchschneide.

Bisher habe die Kreisverwaltung die Forderungen ignoriert, komme ihrer Verantwortung als Wächter und Garant des Natur- und Artenschutzes nicht nach, kritisieren die Naturschützer, bediene vielmehr einseitig Lobby-Interessen. „Wir können nicht untätig zusehen, bis das nächste Schlagopfer zu beklagen ist“, so die Vorsitzenden Harry Neumann und Jochen Niemand: Man werde versuchen, die Kreisverwaltung gerichtlich zu zwingen, dem Artenschutz stärker Rechnung zu tragen. „Wir sind der Auffassung, dass die hier vorliegende extreme Gefahrenlage der streng geschützten Vögel sich nicht mit dem Bundesnaturschutzgesetz, schon gar nicht mit dem europäischen Naturschutzrecht vereinbaren lässt.“

Sie fordern neben einem sofortigen Betriebsstopp der auf NRW-Gebiet stehenden Anlagen auch die hessische Landesregierung und Hessen Forst auf, alle bestehenden Ausbaupläne für neue Windenergieanlagen auf der Kalteiche aufzugeben. „Wir würden mit allen Rechtsmitteln dagegen vorgehen“, so Neumann und Niemand.

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