Tourismus

Tourismuswerbung in Siegen-Wittgenstein wird aufgefrischt

Wandern, Wisente, Kultur und Idyll:  Mit diesen Pfunden will die Tourismusregion wuchern. Die von Wäldern gesäumte Obernautalsperre dürfte ihren Platz in diesem Konzept sicher haben.

Wandern, Wisente, Kultur und Idyll: Mit diesen Pfunden will die Tourismusregion wuchern. Die von Wäldern gesäumte Obernautalsperre dürfte ihren Platz in diesem Konzept sicher haben.

Foto: Hans Blossey

Siegen-Wittgenstein.  Tourismusverband Siegerland-Wittgenstein lüftet durch. Kreis und Kommunen wollen nicht länger nebeneinander arbeiten.

Monika Dombrowsky lüftet durch: Die Tourismuswerbung in Siegen-Wittgenstein wird aufgefrischt. „Gänsehaut erzeugen“ sollen die Städte und Gemeinden im Kreisgebiet mit ihren Attraktionen. So formuliert es die neue Geschäftsführerin des Touristikverbands — nicht weil es auf den Siegerländer und Wittgen­steiner Höhen so kalt ist. Sondern weil die umworbenen Gäste vor lauter Spannung den Besuch gar nicht mehr abwarten können.

Das Marketing

Auf vier zentrale Themen konzen­triert sich das Marketing, die sich mit Schlagworten selbst erklären: „Wanderlust“, „Tierreich“, „Kulturerlebnis“, „Heimatgefühl“. Die Städte und Gemeinden sind aufgerufen worden, zentrale Attraktionen in den Vordergrund zu stellen — die Bad Berleburger zum Beispiel könnten sich für ihr Schloss entscheiden. Verabschiedet hat Monika Dombrowsky die klassischen Unterkunftsverzeichnisse: „Die langen Listen kann kein Mensch lesen.“ Wer im Kreis-Katalog inserieren möchte, kann das ausschließlich mit Foto tun, zum entsprechend höheren Preis — alles andere findet sich im Netz. Dort sieht die neue Geschäftsführerin Nachholbedarf: „Das Online-Marketing lag brach.“ Auch der Facebook-Auftritt soll eine neue Rolle spielen, wird mit Bildern, Videos und Wandertipps angereichert: „Der ist ewig nicht betrieben worden.“

Das Wandern

Erstes Thema ist die Wanderregion. Bereits gedruckt ist ein „Pocketguide“ mit 15 Top-Touren: Jeweils auf einer Doppelseite werden Wege beschrieben, mit einem Foto illustriert, auf einer Karte dokumentiert und mit praktischen Tipps, zum Beispiel zu Parkplätzen und Rastmöglichkeiten, illustriert. Ein Höhenprofil gehört für jeden Weg dazu, ebenso eine Sterne-Kategorisierung für Anforderungen an Kondition und Technik, Angaben zu Streckenlängen und Zeitbedarf. Und natürlich auch ein QR-Code: Alle Wege können per App aufs Handy gespeichert werden. Auch ein Slogan ist in Arbeit. Angelehnt an „Echt vielfältig“ — damit wirbt der Kreis – sollen Wanderer mit dem Gegensatzpaar „Echt malerisch“ und „Echt urwüchsig“ gelockt werden. Für die Radfahrer ist ein weiterer Tourenführer im Postkartenformat in Planung. Auch das traf, mit einer Einschränkung, im Wirtschaftsausschuss auf großes Lob: „Was nützt das beste Marketing, wenn die ganze Infrastruktur nicht stimmt?“, fragte Karl-Ludwig Bade (Grüne).

Die Strukturen

Kreis und Kommunen sollen gemeinsam auftreten, alle Projekte werden mit den örtlichen Touristikern abgestimmt. „Das ist bisher nicht so geübt worden“, stellte Monika Dombrowsky fest. Das neue Miteinander werde Zeit brauchen, ein Nebeneinander könne es aber nicht geben. Das wirke dann nur „gewollt und nicht gekonnt“. An die Grenzen der Zusammenarbeit ist die neue Geschäftsführerin allerdings auch schon gestoßen — nämlich da, wo es an die Strukturen geht. Bereits 2014 war die Bildung „Touristischer Serviceeinheiten“ beschlossen worden, die auf den Zusammenschluss der Tourismusarbeit in Wittgenstein, im nördlichen und im südlichen Siegerland hinausläuft. Eine erste Kostprobe hatte Jana Rommelmann von der Stadt Netphen im Juni gegeben: Sie berichtete von den Bemühungen der Städte Kreuztal, Hilchenbach und Netphen, eine gemeinsame Wanderkarte zu produzieren — schon im Januar gescheitert daran, dass der Maßstab dann viel zu klein oder die Karte zu groß ausgefallen wäre. Zu einer Umsetzung der neuen Strukturen fehle „im Moment der politische Wille“, lautet die Erkenntnis von Monika Dombrowsky, „da müssen die Bürgermeister noch mal ran.“

>>>> INFO: Tourismus legt noch stärker zu

Die Zahlen sind noch besser, als sie auf den ersten Blick scheinen: 5,8 Prozent mehr Gäste und 1,8 Prozent mehr Übernachtungen weist die Statistik für die großen Betriebe mit mindestens zehn Betten in der ersten Jahreshälfte aus.

Der Touristikverband hat aus dieser Zahl die Betten in den Reha-Kliniken herausgerechnet und ausschließlich touristische Zahlen vorgelegt: Daraus ergibt sich dann ein Plus von jeweils 6,5 Prozent sowohl bei den Gästen als auch bei den Übernachtungen. Monika Dombrowsky: „Wir hatten einen guten Winter.“ Geschwächelt haben also vor allem die Krankenhäuser.

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