Innovation

Uni Siegen entwickelt Löwenwarn-System fürs Handy

Lesedauer: 4 Minuten
Zwei Löwen im Okavango-Delta, das rechte Tier trägt ein GPS-Halsband: Wenn das Rudel eine virtuelle Grenze überschreitet, werden die Besitzer der in Gefahr geratenden Rinderherden per SMS gewarnt.

Zwei Löwen im Okavango-Delta, das rechte Tier trägt ein GPS-Halsband: Wenn das Rudel eine virtuelle Grenze überschreitet, werden die Besitzer der in Gefahr geratenden Rinderherden per SMS gewarnt.

Foto: Uni Siegen

Siegen.   Siegener Uni ist an App für Rinderbesitzer in Botswana beteiligt. Am virtuellen Zaun wird die Warn-SMS ausgelöst. Einsatz ist für Wölfe geplant.

Wenn ein Viehhalter im Okavango-Delta eine SMS bekommt, in der ein Löwe abgebildet ist, muss er schnell seine Rinder in Sicherheit bringen. Denn ein Rudel Löwen ist im Anmarsch.

Das Problem

Etwa 1200 Löwen leben in der Region in Botswana, rund 70 Tiere an der nördlichen Grenze direkt am Rande des UNESCO-Weltnaturerbes. Immer wieder wurden in den vergangenen Jahren Löwen erschossen oder vergiftet, weil sie die frei umherlaufenden Rinder der Einheimischen angriffen und auch eine Gefahr für die Menschen darstellten. Mittlerweile hat sich die Situation jedoch deutlich entspannt, heute werden in der Region nur noch sehr selten Löwen getötet. Grund ist ein einzigartiges Löwen-Warnsystem, das Wissenschaftler der Universität Siegen in den vergangenen zwei Jahren zusammen mit Forschern der Naturschutzorganisation „CLAWS Conservancy“ entwickelt haben.

Das System warnt Viehhalter rechtzeitig, wenn Löwen den Rindern zu nahe kommen. Auf diese Weise schützt es neben den Rindern auch die Löwen selbst, erklärt Dr. Helmut Hauptmeier von der „iSchool“ (School of Media and Information) der Universität Siegen: „Unser System konnte dafür sorgen, dass die Einheimischen den Löwen gegenüber positiver eingestellt sind. Es mildert den Konflikt ab, sodass Menschen und Löwen friedlich miteinander leben können.“

Die Lösung

Seit es die Warn-SMS gibt, wurden etwa 50 Prozent weniger Rinder von den Löwen getötet. Zuvor waren in eineinhalb Jahren mehr als 220 Fälle gezählt worden, in denen Löwen freilaufende Rinder angegriffen hatten. Damit das System funktioniert, haben Biologen der „CLAWS Conservancy“ Löwen-Rudel mit GPS-Sendern ausgestattet. Anhand der Daten der Tiere können die Wissenschaftler eine kritische Linie festlegen, entlang derer Begegnungen zwischen Löwen und Rindern wahrscheinlich sind. Nähert

sich ein Löwe diesem virtuellen Zaun, dem so genannten Geofence, wird automatisch eine SMS verschickt.

Anfangs musste ein Forscher der „CLAWS Conservancy“ noch die GPS-Daten abrufen und den genauen Ort auf einer Karte bestimmen. „Das war oft mitten in der Nacht der Fall“, erklärt Konstantin Aal, Wirtschaftsinformatiker der Uni Siegen. Dann musste ein Übersetzer geweckt werden, damit die Viehhalter angerufen werden konnten. Jetzt sendet das System die SMS automatisch direkt an die betroffenen Viehhalter.

Die Nachrichten beinhalten eine Warnung in der Landessprache

Setswanisch – und es ist ein Löwe abgebildet. „Wichtig war, dass die SMS in mehreren Formaten und Designs zur Verfügung stehen, da unser Alarmsystem unterschiedliche Empfänger hat, darunter auch Menschen, die weder lesen noch schreiben können“, sagt Löwenforscher Dr. Florian Weise von der CLAWS Conservancy. 120 Viehhalter bekommen die SMS mittlerweile, etwa 30 bis 40 Kurznachrichten werden pro Monat verschickt. Wo genau sich die Löwen befinden, wird darin aber nicht mitgeteilt „Wir wollen nicht, dass sie angegriffen werden“, erklärt Konstantin Aal. „Wenn ein Viehhalter eine SMS bekommt, weiß er aber, dass seine Rinder gefährdet sind.“

Die Perspektive

Das Warnsystem soll in Zukunft nicht nur für die Löwen in Botswana genutzt werden. Die Forscher der Uni Siegen haben mit den Wissenschaftlern der CLAWS Conservancy schon Ideen für weitere Anwendungen entwickelt: Die Technik könnte etwa zum Schutz von Wölfen im amerikanischen Westen eingesetzt werden oder für den tasmanischen Teufel, einen Raubbeutler, der heute nur noch in Tasmanien vorkommt.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Siegen und Umland

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben