Forschung

Uni Siegen: Mit dem Rauchen aufhören durch Virtual Reality

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Tanja Eiler hat eine erste Testversion der Anwendung programmiert. Foto:Uni Siegen

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Tanja Eiler hat eine erste Testversion der Anwendung programmiert. Foto:Uni Siegen

Siegen.   Wissenschaftler der Universität Siegen entwickeln eine Virtual Reality-Anwendung, die Raucher dabei unterstützen soll, ihre Sucht zu überwinden.

Schätzungen zufolge sterben jedes Jahr mehr als fünf Millionen Raucher an den Folgen ihrer Nikotinsucht. Wissenschaftler des Forschungskollegs der Universität Siegen (FoKoS) gehen jetzt neue Wege, um Betroffenen dabei zu helfen, ihre Sucht zu überwinden: Im Forschungsprojekt ANTARES entwickeln sie eine Virtual Reality-Anwendung, mit der Raucher trainieren können, dem Drang zur Zigarette zu widerstehen.

Das Verfahren

Mithilfe einer Virtual Reality-Brille sollen die Teilnehmenden bei der Therapie in eine virtuelle, künstliche Welt eintauchen. Ihnen werden dort verschiedene Objekte vorgeführt: solche, die mit dem Rauchen verbunden sind, wie etwa ein Feuerzeug, ein Aschenbecher oder auch eine Zigarette. Aber auch solche, die nichts mit dem Rauchen zu tun haben, beispielsweise eine Blume oder eine Zahnbürste. Mit einem Joystick müssen die Raucher nun ähnlich wie bei einem Computerspiel die nikotinbezogenen Objekte von sich wegschieben und so optisch verkleinern, die übrigen Objekte dagegen zu sich heranziehen und so vergrößern.

Die Wirkung

„Aus früheren Studien wissen wir bereits, dass ein solches Training – auch bekannt als ,Approach-Avoidance-Training‘ – am Computer einen kleinen Effekt auf das Rauchen haben kann“, sagt Dr. Kim Klucken aus dem Projektteam. Im Rahmen von ANTARES möchten er und seine Kollegen nun herausfinden, ob die Wirkung des Trainings durch die virtuelle Realität gesteigert werden kann.

„Man taucht mit Hilfe der Virtual Reality-Brille komplett in eine andere Welt ein“, sagt der mit seinem Forschungsteam ebenfalls an dem Projekt beteiligt ist. Die emotionale Ebene würde viel stärker angesprochen, als wenn man vor dem klassischen Desktop-Computer sitzt.

„Bei Sucht ist das impulsive System viel wichtiger als das reflexive“, erklärt Anders als viele herkömmliche Nikotintherapien zielt die neue Therapieform nicht nur auf das sogenannte reflexive System im Menschen ab, sondern auf das impulsive, emotionale System. „Menschen greifen plötzlich, ganz impulsiv zur Zigarette, zum Beispiel, weil sie Stress oder sich gestritten haben.“ Ideal wäre aus Sicht der Siegener Wissenschaftler eine Kombination aus „herkömmlichen“ Therapieverfahren und der Virtual Reality-Therapie.

„Unsere Anwendung ist allein sicherlich keine Wunderwaffe“, sagt Dr. Tim Klucken. Aber in Kombination mit bekannten Raucherprogrammen könne sie Raucherinnen und Rauchern besser helfen, ihre Sucht zu therapieren. Ergänzend zu der Virtual Reality-Anwendung entwickeln er und seine Kolleg auch eine Smartphone-App, die auf dem „Approach-Avoidance-Training“ basiert. So können die Nutzer die Therapie bei Bedarf auch im Alltag und an verschiedenen Orten jederzeit anwenden.

Die Technik

Aktuell sind die Wissenschaftler dabei, verschiedene Varianten des Virtual Reality-Trainings zu programmieren. Diesen Part übernimmt im Rahmen des Projekts der Lehrstuhl für Medizinische Informatik und Mikrosystementwurf unter Leitung von Prof. Dr. Rainer Brück.

Im nächsten Schritt werden Prof. Niehaves und sein Team untersuchen, welche Version von den Nutzern am besten akzeptiert wird. Diese Version soll anschließend zum Einsatz kommen, um das Training mit Raucherinnen und Rauchern durchzuführen und zu evaluieren. An dieser praktischen Testphase ist auch das Kreisklinikum Siegen beteiligt. Prof. Dr. Dr. h.c. Carl Friedrich Gethmann begleitet das Gesamtprojekt unter ethischen Gesichtspunkten.

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