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Cannabis-Konsum: Wenn Studis vor dem (Uni-)Alltag fliehen

Einige Studis bewältigen ihren Uni-Alltag mit dem Konsum von Marihuana.

Einige Studis bewältigen ihren Uni-Alltag mit dem Konsum von Marihuana.

Foto: Alexander Mosig

Weidenau.   Viele Studierende nutzen die Droge, um sich vermeintlich das Leben zu erleichtern. Auf andere wirkt Kiffen demotivierend. Die Uni bietet Hilfe an

„Willst du mit mir Drogen nehmen?“ ist nicht nur ein Titel von des beliebten deutschen Rappers Alligatoah, sondern auch eine oft gehörte Frage an der Universität Siegen. Dabei handelt es sich nicht immer um die klassischen und häufigsten Mittel, die einem in den Sinn kommen, wenn es ums Thema Drogen geht. Viele Studierende sehnen sich nach Entspannung oder Beruhigung. Zur Herbeiführung dieses Gefühls verlangt es manche nach Alkohol oder Härterem, aber auch Sport und Computerspiele können zu einer vermeintlich zufriedenen und ausgelassenen Haltung führen – wir berichten davon in einer neuen Serie. Viele Studis konsumieren nicht legale Mittel, um sich dem Alltag zu entziehen, um Stress oder Hektik vorzubeugen. Einer dieser Menschen ist Tim Schneider (Name anonymisiert).

Tims Geschichte

Er ist inzwischen 24 Jahre und hat seine Leidenschaft für den Cannabiskonsum schon im Alter von siebzehn entdeckt. Als Messdiener auf einer Feier mit anderen Freunden, wurde er von älteren Freunden davon überzeugt, doch einmal an einer Zigarette mit Marihuana zu ziehen. Für ihn selbst hatte es zu diesem Zeitpunkt allerdings noch kritische Folgen. Gerade in Verbindung mit Alkohol werden Nebenwirkungen hervorgerufen, die nicht vorhersehbar sind. Tim überkamen, wegen eben dieser Wechselwirkung mit Alkohol, bei seiner ersten Berührung mit dem „Gras“ Übelkeit und ihm wurde schwummrig – kein Zustand, den man wiederholen möchte. Auch Tim ließ nach diesem Erlebnis erst einmal die Finger von der Droge. Inzwischen studiert er im Bachelor Soziale Arbeit, ist in der Unipolitik tätig und engagiert sich sozial. Zu Beginn des Studiums braucht er allerdings eine Fluchtmöglichkeit, denn der Alltag übermannte ihn – und er griff wieder zum Marihuana.

Tims Unileben

„Allgemein rauche ich eher in Gesellschaft, aber manchmal auch gerne, wenn ich morgens einen Kaffee trinke“ erzählte er in einem Interview. Wichtig ist ihm, dass er bei seiner Arbeit streng auf den Konsum verzichtet, denn gerade, wenn es um den Umgang mit Kindern geht, sollte die Kleidung nicht nach Rauch riechen. Darüber hinaus kann eine verminderte Reaktionsfähigkeit, eine weitere Nebenwirkung von Marihuana, in diesem Kontext sogar gefährlich sein.

Probleme durch seinen übermäßigen Konsum hatte er im alltäglichen Leben bisher keine. Somit blieben auch Maßregelungen von Freunden und der Familie aus. Für ihn ist das Kiffen zur Gewohnheit geworden, weshalb er sich nicht an seinem Verhalten, sondern an den verbrauchten Mengen orientiert, wenn es darum geht, ob er zu viel konsumiert hat: „Wenn ich Dienstag merke, dass mein Vorrat für die Woche schon zur Hälfte verbraucht ist, dann wird für den Rest der Tage weniger geraucht.“ Für seinen Alltag hat es allgemein wenig Folgen, denn er ist kommunikativ und freudig motiviert, ob nun Marihuana geraucht wurde oder nicht.

Allerdings gibt Tim auch zu bedenken, dass es sich bei der Droge um eine Substanz handelt, die nicht jeder Mensch verträgt: „Manche Kommilitonen schaffen es nicht so gut wie ich und müssen während der Klausurphasen auf das Rauchen verzichten und legen dann Pausen ein.“ Also kann auch das genaue Gegenteil von Motivation die Folge sein, was sich wiederum negativ auf den (Uni-)Alltag auswirkt. Für ihn allerdings besteht im Konsum die Möglichkeit, drögen Vorlesungen, die er nüchtern nicht durchhalten würde, bis zum Ende zu folgen und darin motiviert mitzuarbeiten.

Tims Angst

Natürlich hat er auch Angst vor den rechtlichen Konsequenzen seines Konsums. Der Besitz von Marihuana ist in Deutschland illegal, es kann, je nach Menge, zu Geldbußen oder Haftstrafen kommen. Tim erzählt, dass die Polizei zwar, besonders im Straßenverkehr, auf auffällige Individuen (zum Beispiel mit Mützen oder Kappen) achtet, dieses Risiko minimiert er für sich allerdings so gut wie möglich. Er sagt: „Ich verzichte deswegen auf das Autofahren, um einerseits eine Konfrontation zu vermeiden und andererseits keine potenzielle Gefahr im Straßenverkehr zu sein.“

Tims Ratschlag

Sein Leitspruch ist simpel: „Nicht jede Droge ist für jeden Menschen etwas. Jeder reagiert unterschiedlich auf die jeweilige Substanz. Droge ist eine Flucht aus dem Alltag und jeder muss eine Bewältigungslösung für seine Probleme finden.“ Dabei kann eine Droge natürlich auch der Sport oder das übermäßige Konsumieren von Filmen und Serien sein, denn letztlich entscheidend ist die Flucht vor dem alltäglichen Wahnsinn, die dazu führen soll, dass das Leben weiterhin erträglich ist. Dabei verdrängen die Konsumenten aber sehr häufig die Probleme, mit denen sie sich nüchtern auseinandersetzen sollten. Häufen sich diese, wird wieder ein Ausgleich in Form der Droge gesucht – ein Teufelskreis, aus dem meist nur schwer zu entkommen ist.

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