Campus

Hinduismus: Siegener Studentin lebt Tradition und Offenheit

Jenany Vethanayagam aus Siegen ist Hinduistin und betont, dass es in ihrer Religion kaum Probleme bei dem Kontakt mit anderen Glaubensrichtungen gibt.

Jenany Vethanayagam aus Siegen ist Hinduistin und betont, dass es in ihrer Religion kaum Probleme bei dem Kontakt mit anderen Glaubensrichtungen gibt.

Foto: Michael Fassel

Siegen.   Jenany Vethanayagam ist Hinduistin und studiert in Siegen. Sie freut sich auf das jährliche Tempelfest in Hamm und erzählt von ihrer Religion.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Kühe sind ihnen heilig und sie glauben an einen Gott mit Elefantenkopf. So oder so ähnlich denken viele Menschen über Hindus, die Anhänger der drittgrößten Religion der Welt, des Hinduismus. Dass hinter diesem Glauben noch mehr steckt, erzählt Jenany Vethanayagam, die an der Uni Siegen Gesellschaft und Medien im Master studiert. Jenany freut sich momentan auf ein ganz besonderes Ereignis: das große Tempelfest, welches am 24. Juni beginnt und am 10. Juli seinen Abschluss findet. Sie erklärt: „Da sehe ich Verwandte und Freunde wieder!“

Das Tempelfest

Tatsächlich dürften mehrere zehntausend gläubige Hinduisten aus ganz Europa nach Hamm in Westfalen zum großen Tempelfest pilgern. Denn dort steht der zweitgrößte hinduistische und in tamilischen Stil errichtete Tempel Europas, der sogenannte Sri-Kamadchi-Ampal, der lediglich von dem Neasden-Tempel in London übertroffen wird. Und spätestens am 7. Juli lohnt es sich dort am Höhepunkt des alljährlichen Tempelfestes auch für Nicht-Hinduisten nach Hamm zu fahren, um Religion und Tradition bei einer öffentlichen Parade besser kennenzulernen.

Auch die Messe habe eine ganz besondere Atmosphäre. „Um einen guten Platz zu bekommen, muss man sehr früh anreisen“, sagt Jenany. „Während der Messe sitzen alle auf dem Boden und es werden Priester aus Städten wie London oder Paris eingeflogen“, erklärt die Studentin. Das solle die hohe Bedeutung dieses Amtes unterstreichen.

Gemeinsam mit dem Priester, der den Tempel in Hamm leitet, gestaltet der Gast-Priester die Messe auf Sanskrit, einer Sprache, die mit Latein vergleichbar ist.

Die Götter

Jenany bewertet darüber hinaus auch das Interesse der Nicht-Hinduisten als überaus positiv und empfiehlt wärmstens, sich die Tempel anzuschauen, die jederzeit geöffnet sind, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Neben Hamm gibt es innerhalb Nordrhein-Westfalens etwa in Gummersbach den Sri-Kurinchikumaran-Tempel, der flächenmäßig den größten hinduistischen Tempels Deutschlands darstellt.

Indien: Tiefe Meditationen beim „Kumbh Mela”
Indien: Tiefe Meditationen beim „Kumbh Mela”

Auch in Krefeld und Dortmund steht je ein Hindu-Tempel. „Jeder Tempel hat einen zentralen Gott oder eine zentrale Göttin“, führt Jenany aus. Die anderen Götter seien aber auch dort in verschiedenen Bereichen vertreten. Der Hinduismus, der seine Ursprünge im indischen Subkontinent hat, ist primär keine monotheistische Religion. „Wir haben viele Götter. Und jede Gottheit hat ihre eigene Geschichte.“

Bekannt sind beispielsweise Brahma, der Gott der Weisheit, oder Vishnu, die friedensliebende Gottheit der Dreieinigkeit. Der Gott mit dem Elefantenkopf ist übrigens Ganesha, der Gott des Erfolgs und der Zerstörer von Bösem und Hindernissen. Zur Anbetung der Götter werden oft, neben den großen Altären in dem Tempeln, auch in den Haushalten kleine private Anbetungsstätten für bestimmte Gottheiten aufgestellt. Die Prozession im Hamm ist der Göttin Kamakshi – wie der gleichnamige Tempel nahelegt – gewidmet.

Die Fastenzeit

Wie in anderen Religionen auch gibt es auch im Hinduismus eine Fastenzeit. „Die Fastenzeit dauert ein bis zwei Wochen und die können wir ganz flexibel je nach unserem Arbeitsrhythmus gestalten“, erklärt Jenany. „Dabei gibt es auch ein Fasten für die Frauen, da fasten wir zwei Wochen und essen einmal am Tag, aber nur Obst und Milch.“ Zum Fasten gehört neben dem kulinarischen Verzicht unter anderem auch eine klar definierte Reihenfolge: duschen, das Haus saubermachen, beten und essen.

Die anderen Religionen

Beim Gespräch kommen wir immer wieder vergleichend auf das Christentum und den Islam zu sprechen. Vor diesem Hintergrund betont Jenany, dass sie andere Religionen so akzeptiert, wie sie sind. „Bei uns gibt es kaum Probleme mit anderen Religionen. Wir sind auch sehr offen. Wir definieren Gottheiten nur anders.“

Ihre liberale Einstellung begründet sie mit der Verbindung anderer Kulturen und Religionen. „Aber in der Generation meiner Eltern oder der meiner Großeltern war das noch konservativer. Da war man auch immer nur innerhalb der Familie und Hinduisten haben Hinduisten geheiratet.“ Insofern sieht Jenany auch bei einer möglichen Heirat keine Hürden, wenn sie einen Christ oder Moslem kennenlernt.

Die Lokalredaktion der Westfalenpost ist auch auf Facebook.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben