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Kritik und Protest an der Uni Siegen

Sturm auf den Rektoratsempfang – das zumindest schien das Anliegen einiger Studis zu sein, die in der Veranstaltung Kritik an Uni und Studium äußerten.

Sturm auf den Rektoratsempfang – das zumindest schien das Anliegen einiger Studis zu sein, die in der Veranstaltung Kritik an Uni und Studium äußerten.

Foto: Hendrik Noack

Weidenau.   Die Gesamtvollversammlung der Verfassten Studierendenschaft bietet Raum für Kritik. Viele fühlen sich übergangen – und protestieren.

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Eine Gruppe unzufriedener Studis, ihre Partizipationsohnmacht und eine Prestigeveranstaltung der Uni. Das Ergebnis: Unverständnis. Der AStA der Uni Siegen hat uns Studis letzte Woche zur GVV, der Gesamtvollversammlung der Verfassten Studierendenschaft eingeladen. Vor dem Hintergrund des Jahresempfangs der Uni Siegen sollen wir hier darüber diskutieren, was aus unserer Sicht falsch an der Uni läuft und verbessert werden muss.

Knapp 50 folgen der Einladung, Kontroversen gibt es aber kaum. Stattdessen Beifall für jeden geäußerten Kritikpunkt. Deutlich tritt der Unmut über strukturelle Entscheidungen in Bezug auf den Jahresempfang zutage. Besonders der Entzug des Rederechts, das schlecht kommunizierte Anmeldeverfahren sowie das hohe Sicherheitsaufgebot werden hervorgehoben und kritisiert.

Die Kritik

Generelle Kritikpunkte an der Uni gehen zum großen Teil mit den derzeitigen Umbaumaßnahmen einher. Lernräume und eine Mensaalternative fehlen am Unteren Schloss. Auch das fehlende Mitbestimmungsrecht bei solch großen Veränderung der Uni wird von den Anwesenden deutlich kritisiert.

Die Einführung einer fünften, der lebenswissenschaftlichen, Fakultät an der Uni wird zwar als große Chance für die Umgebung anerkannt, doch gleichzeitig wird auf potentielle Schwächen der Einführung neuer Studiengänge aufmerksam gemacht. Mitunter wird angemerkt, dass der Aufbau einer Universitätsklinik und das Anschaffen teurer neuer Geräte nicht bevorstehe und die praktische Ausbildung der Mediziner außerhalb stattfinden wird.

Auch bestehende Studiengänge werden kritisiert. Generell ist der Konsens, dass die Universität bestehende Schwächen zuerst adressieren sollte, bevor sie ihre Strukturen weiter ausbaut. Dabei wird unter anderem auf die noch nicht vollständige Barrierefreiheit der universitären Einrichtungen, wie beispielsweise des Brauhauses, verwiesen. Auch das häufig geforderte Pflichtpraktikum in der vorlesungsfreien Zeit wird kritisiert, da insbesondere finanziell schwache Studis ohne Baföganspruch auf ihre Arbeit außerhalb der Vorlesungszeit angewiesen sind und deshalb unter Umständen nicht in Regelstudienzeit abschließen können.

Zusätzlich würden überfüllte Pflichtkurse mit fehlenden Alternativen das Studium hinauszögern. Der von der Uni selbst festlegbare Schwerpunkt sei dadurch nicht real, da es in erster Linie nur um das Punktesammeln in den Kursen gehe. Eingeräumt wird jedoch, dass dieses Problem auch an anderen Unis existiert und ein generelles Problem des Hochschulsystems ist.

Der Protest

Dass letzterer Punkt von der schwarz-gelben Landesregierung nicht adressiert wird und Armin Laschet als Repräsentant dieser beim Rektoratsempfang als Gast eingeladen ist, sehen manche als geeignete Plattform für einen Protest im Audimax und mobilisieren die Gruppe. Nach anfänglichem Widerstand der aufgebotenen Sicherheitskräfte wird die Anwesenheit geduldet. Während der Veranstaltung hält die AStA-Vorsitzende Vera Fengler eine Rede, mit der sie auf den unzureichenden Dialog zwischen Rektorat und Studierendenvertretung aufmerksam zu machen versucht.

Sie sagt: „Das ist keine Mitbestimmung, nicht einmal Mitwirkung, sondern reine Scheinpartizipation.“ Neben vereinzelten Buhrufen wird die Rede zur Kenntnis genommen, jedoch wird es verpasst, das eigentliche Anliegen früchtetragend vorzubringen. Mitunter berechtigte Kritik bleibt im Schatten einer nicht durchdachten Aktion, welche bloß zur Unzufriedenheit der Anwesenden führt.

Im Anschluss verlassen die Studis gesammelt das Audimax, hinterlassen anstelle eines starken Eindrucks aber eher Verwirrung und Fremdscham. Dass Anregungen für eine bessere Gestaltung der Universität von Seiten der Studierenden nur so kommuniziert werden, ist im Kontext ihrer eigentlichen Berechtigung beschämend.

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