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LARP begeistert Siegener Studi seit zehn Jahren

Björn Vorspohl geht seit zehn Jahren seiner Leidenschaft für LARP nach. Hier posiert er als sein Charakter Erik, der sich vom Söldner zum höheren Hauptmann entwickelt hat.

Björn Vorspohl geht seit zehn Jahren seiner Leidenschaft für LARP nach. Hier posiert er als sein Charakter Erik, der sich vom Söldner zum höheren Hauptmann entwickelt hat.

Foto: Maximilian Wegener / WP Siegen

Siegen.  Beim Live Action Role Playing (kurz: LARP) spielen die Teilnehmer selbsterstellte Charaktere in außergewöhnlichen Themengebieten.

Beinahe wöchentlich treffen sich Menschen über die Sommermonate, um ihrem gar nicht mehr so ungewöhnlichen Hobby nachzugehen: dem LARP – kurz für Live Action Role Playing. Doch was ist das überhaupt? Am ehesten könnte es mit einem Improvisations- oder historischen Laientheater gleichgesetzt setzt werden. Die Spieler überlegen sich eine Rolle und verkörpern diese in all ihren erdachten Feinheiten. Dazu gehören selbstverständlich eine passende Kostümierung und Hintergrundgeschichte. Diese Details müssen zum jeweiligen Genre passen, welches sich über mittelalterliches Fantasy, westernangehauchte Schießereien, gruseligen Horror oder bis in die dystopischen Welten des Cyberpunks erstreckt. Grenzen werden durch die eigene Fantasie gesetzt.


Björn Vorspohl ist 30 Jahre und studiert Literatur, Kultur und Medien an der der Universität Siegen. Er widmet sich seit über zehn Jahren seiner Leidenschaft und hat sich trotz des fast einwöchigen Drachenfestes die Zeit genommen, um einige Fragen zu beantworten und einen Einblick in die undurchsichtige Welt der LARPS zu geben.

Der Auslöser

Für ihn ist LARP vor allem ein Hobby, welches er mit Leidenschaft und Ansporn betreibt. Durch die „Herr der Ringe“-Filme folgte ein wahrer Fantasy-Boom in Deutschland, der auch Björn beeinflusste. Eine Bekannte fragte ihn damals, ob er nicht selbst mal etwas Mittelalterliches nachspielen wollte: „Dann bin ich da wohl reingerutscht und in einem Verein Mitglied geworden und dabei geblieben“, berichtet er freudig grinsend. Natürlich verlangte es ihn danach, einen Waldläufer nachzuahmen, wie man ihn aus der Herr der Ringe kennt. Damals brauchten er und andere allerdings weit mehr Vorstellungskraft als heute, um die Verkörperung tatsächlich zu erkennen: „Ich sah damals eher aus wie ein etwas schlechterer Jack-Sparrow-Verschnitt.“
Dem Nähen mit dreizehn noch nicht mächtig, war er auf günstige Kostüme angewiesen. Inzwischen empfiehlt er, rund zweihundert Euro in die Kostümierung zu investieren. Dabei gibt es für ihn absolute No Gos, die gerade Neulingen unterlaufen: „Das obligatorische Trinkhorn am Gürtel zum Beispiel. Es ist ein verdammt unpraktisches Gefäß. Warum sollte ich ständig meinen Becher am Gürtel habe?“ Des Weiteren kann man in Kämpfen stürzen und sich am Horn verletzen.

Die Figuren

Trotz seiner langen Erfahrung hat Björn in den letzten sechzehn Jahren ausschließlich zwei Charaktere entwickelt. Die selbstgeschaffenen Figuren wachsen ans Herz und die Trennung fällt oft schwer. Ein neuer Charakter ist dann mit viel Aufwand und auch größeren Investitionen verbunden. „Nach und nach ist man in die Rolle reingewachsen“, erklärt Björn. Seinen Krieger Erik entwickelte sich über einen Söldner hin zu einem Hauptmann einer höheren Wache. Damit war seine erste Rolle also ein klassischer Kämpfer und abhängig vom jeweiligen Event mit Schwert oder Hammer bewaffnet. Sein neuer Liebling ist der Krämer Hagen Hammer, der mit kölschen Dialekt spricht und bewusst als Slapstick-Charakter angelegt ist.

Oft suchen sich LARP-Spieler Rollen aus, die sich sehr von ihrem eigentlichen Charakter unterscheiden. Obwohl Björn in der Realität nie böswillig handeln würde, beschreibt er seinen Kämpfer als „richtiges Arschloch“. Um den Spaß zu bewahren ist es dabei wichtig, dass er manchmal aus seiner Rolle bricht, um augenzwinkernd anderen Mitspielern von seinen Intrigen und Böswilligkeiten zu erzählen: „Manchmal sind die Leute mit ihren schauspielerischen Fähigkeiten so gut, dass du ihnen nicht ansiehst, ob sie gespielt sauer sind oder ob du ihnen auf den Schlips getreten bist“, berichtet er.
Für die optimale Einfindung in seine Rolle schaut er meist am Vorabend vor Veranstaltungen einschlägige Fantasy- oder Mittelalterfilme. Für ihn wird es dann umso einfacher, wenn die Spielleitung das „In Time“ ausruft – gleichbedeutend mit einem Vorhang der im Theater geöffnet wird – und dann alle Anwesenden in ihre Rollen schlüpfen. „Wie ein startender Dieselmotor hat man dann manchmal noch Schwierigkeiten, spricht vielleicht noch seine Mitspieler mit richtigem Namen an, was aber von den meisten übergangen wird“, beschreibt er die ersten Stunden eines Events. Spaß und Freude stehen dabei im Vordergrund und sollten nicht durch penibles Beharren auf das Regelwerk in den Hintergrund rücken.

Der Einstieg

Und wie kann man nun selbst bei so einem LARP mitmachen? Björn empfiehlt Thilo Wagners LARP-Kalender, der einfach über Google zu finden ist. Darin stehen die monatlich stattfindenden Veranstaltungen und zahlreiche Kontaktdaten. Ansonsten gibt es regelmäßige Tavernenabende, zum Beispiel die Dorfschänke zur Siebten Schwertscherbe in der Nähe von Koblenz, bei denen man gut Kontakte knüpfen kann. Um lässig in sein erstes Abenteuer zu starten, empfiehlt Björn: „Am meisten Spaß hat man, wenn man sich ein ganz einfaches Charakterkonzept überlegt. Dabei muss der entfernteste Verwandte kein König, oder die Mutter ein verwandelter Drache sein.“
Neulinge sollten offen zu einer Veranstaltung fahren und dann klein anfangen, weil es sonst umso komplizierter wird, seinen eigenen Erwartungen gerecht zu werden. Die eigenen Präferenzen entwickeln sich dann über die Jahre automatisch. Ganz nebenbei ist die Kostümierung als Bettler vielleicht auch ein paar Groschen günstiger als die eines höherrangigen Ritters.

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