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Religion im Studium an der Uni Siegen – heute: Atheismus

Trotz religiöser Erziehung wenden sich Menschen vom Glauben ab, wenn sie zum Beispiel dessen Grundsätze nicht vertreten oder an den vermittelten Lehren zweifeln.

Trotz religiöser Erziehung wenden sich Menschen vom Glauben ab, wenn sie zum Beispiel dessen Grundsätze nicht vertreten oder an den vermittelten Lehren zweifeln.

Foto: Alexander Mosig

Siegen.   Atheistismus, die Abwesenheit des Glaubens, ist auch unter Studierenden verbreitet. Trotzdem ist Religion auch an der Uni ein Thema.

Vielen Menschen ist der Glaube heilig. Rund 23 Millionen Deutsche gehören der römisch-katholischen Kirche und 22 Millionen der evangelischen Kirche an. Neben weiteren Glaubensrichtungen – etwa Sunniten oder Muslime – sind circa 30 Millionen Einwohner ohne Konfession. Das macht immerhin ein Drittel der deutschen Bevölkerung aus. Viele dieser Menschen werden als Gegenteil des Theismus oder Monotheismus (der Glaube an Götter oder genau einen Gott) unter dem Begriff Atheisten (ohne Gott) und Agnostiker zusammengefasst. Auch unter Studis gibt es viele, die nicht glauben.

Religion als Zwang

Sven Tielmann (Name anonymisiert) studiert im Master an der Uni Siegen. Schon seinen Bachelor absolvierte er hier und hat in der Zeit zahlreiche Erfahrungen mit dem Thema Religion in Siegen gemacht. Er wurde katholisch getauft und musste jeden Sonntag den Gottesdienst besuchen. Die pädagogische Maßnahme seiner Eltern erachtet er heute als fragwürdig, denn inzwischen hat er für sich den Entschluss gefasst, dass Menschen freie Entscheidungen treffen sollten, ohne einem Zwang ausgesetzt zu sein. Allerdings gesteht er auch, dass er Teile der Kommunion genossen hat. Beim Zurückerinnern an die damaligen kirchlichen Freizeiten erzählt er: „Das Verhältnis war gut und von Herzlichkeit geprägt.“ Letztlich nahm er jedoch daran teil, weil dort viel im Freien unternommen wurde. „Groll hege ich nun nicht, denn diese Flucht vor dem Elternhaus hat mir ja auch Freiheiten gegeben“, schließt er. Kurze Zeit darauf setzte eine radikale Änderung in seinem Denken ein und er wurde durch eingängige Lektüre und andere soziale Kontakte vom Gläubigen zum Ungläubigen.

Der Umgang mit Gläubigen

Heute bezeichnet er sich als Atheisten. Er sagt selbst: „Es gibt keinen Gott.“ Damit teilt er die Ansicht des starken Atheismus. Im Gegensatz zum schwachen Atheismus sind Personen davon überzeugt, dass es keinen Gott gibt. Dem schwachen Atheismus hingegen fehlt die Beweislage für oder gegen einen Gott, weshalb Menschen dieser Gesinnung neutraler gegenüber dem Thema eingestellt sind. Sven betont jedoch: „Ich würde niemandem feindselig gegenübertreten, solange die Person mit Toleranz auftritt.“ Sollte jemand aufgrund seiner Religiosität eine homophobe Haltung vertreten, dann „platzt bei mir der Kragen“, betont er nachdrücklich. Ebenso verhält es sich bei strenger Kontrolle von Mitgliedern der gläubigen Gruppierungen. Die sexuelle Unterdrückung der Frau ist für Sven zum Beispiel ein relevantes Thema, welches bereits längst überholt und abgeschafft sein sollte. Eine Meinung, die natürlich nicht von allen Atheisten vertreten wird. Es gibt diverse Ansichten, die sich danach richten, dass Menschen ihren Glauben frei praktizieren dürfen, beispielsweise aufgrund der bestehenden Gesetze in ihren jeweiligen Ländern.

Berührungspunkt Universität

Abseits von Seminaren kommt Sven an der Universität wenig mit religiösen Menschen in Kontakt. Manchmal werden Flyer verteilt, doch dies geschieht selten. Obwohl ihm zufolge sein Studiengang frei von Religion sein sollte, neigen aus seiner Sicht Studis zu eigenwilligem Verhalten, wenn eben diese Thematik zur Sprache kommt. „Wenn das Thema angeschnitten wird, dann tendieren Leute schnell dazu, persönlich und nicht wissenschaftlich zu argumentieren. Die Aussagen beruhen dann auf einem fundamentalistischen Standpunkt und das eigentliche Thema wird aus den Augen verloren“, kritisiert er die ausufernden Diskussionen.

Wurzeln und Wandel der Religionen

Für ihn hat Religion ihre Wurzeln in der sozialstrukturellen Herkunft. Der Glaube der Eltern wird bis zu einem gewissen Grad beibehalten und als Wahrheit beansprucht. Tatsächlich verhält es sich laut diversen Meinungsumfragen anders: Ein Gott spielt für viele Menschen keine wichtige Rolle mehr. Deswegen nehmen viele eine Haltung zum Glauben ein, die salopp als „Mir egal“ bezeichnet werden kann. Aus dieser Stimmung heraus bildet sich eine Art Massenatheismus, ohne dass sich die Menschen darüber bewusst sind. Gegen diesen Trend versucht die Kirche vehement vorzugehen, indem sie ihre Ausrichtungen und Programme – wie zum Beispiel Jugendangebote – erneuet und aktualisieret. Wie erfolgreich das sein wird, bleibt abzuwarten.

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