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Siegen: Studis der Geisteswissenschaften oft belächelt

Wer einen weniger zielgerichteten Studiengang belegt, wird häufig gefragt, warum er nicht ernst genommen wird.

Wer einen weniger zielgerichteten Studiengang belegt, wird häufig gefragt, warum er nicht ernst genommen wird.

Foto: Alexander Mosig / WP Siegen

Weidenau.  Studis der Literaturwissenschaften werden häufig weniger ernst genommen. Dabei eröffnen sich ihnen viele Chancen.

Es gibt zahlreiche renommierte und angesehene Studiengänge, zum Beispiel Medizin, Jura, oder Maschinenbau. Sie alle zählen als praktisches Studium mit Zukunftsbezug. In Siegen studieren hingegen zahlreiche Menschen Literaturwissenschaften, Philosophie oder Medien und werden nicht nur von Fremden, sondern sogar manchmal von Freunden und der Familie belächelt. So ergeht es auch mir.

Die Wahl des Studiums

In der Schule interessierte ich mich hauptsächlich für die Fächer Deutsch und Sport. Mathematik wurde geschickt getimt und abwechselnd mit der Note zwei und sechs bestanden. Damit ergab sich ein Schnitt, der mich mein Abitur bestehen ließ. Physik und Chemie waren seit jeher ein Graus, denn ich verstand viele einfache Verbindungen nicht. Die Wahl des Studiums verlief daher logisch: Es sollten Literaturwissenschaften werden, in Siegen unter dem Namen: Literatur, Kultur und Medien bekannt. Ich schrieb mich ein und begann ohne böse Vorahnungen mein Studium.


Der Studiengang

Etwa ein Jahr nach meinem Studienbeginn wurde ich dann auf das lustig klingende Synonym für mein Fach aufmerksam gemacht: Lachen, Klatschen und Malen. Beim ersten Mal ist es vielleicht noch witzig, ruft bei den unzähligen Wiederholungen aber im besten Fall ein müdes Lächeln hervor.

Die Diskussion einzugehen, warum Literaturwissenschaften sinnvoll und ein ernst zu nehmender Studiengang sind, hebe ich mir für Menschen auf, die ernsthaft danach fragen. Im Volksglauben wird jeder Absolvent eines geisteswissenschaftlichen Studiums einen Job erlangen, der keinerlei Qualifikation benötigt. Das entspricht natürlich nicht der Realität, aber mit Fakten und Zahlen wollen sich die Meisten leider nicht beschäftigen.

Die Zukunft

Die Frage, was nach dem Studium folgt, lässt sich natürlich ebenso wenig wie für alle anderen Studiengänge beantworten. Jeder muss seinen individuellen Weg einschlagen. Viele Masterabsolventen des Bereiches Literaturwissenschaften entschließen sich, als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität zu bleiben und dort zu forschen. Daneben können sich vielfältige berufliche Optionen ergeben.

Werbeagenturen sind beliebte Anlaufstellen, ebenso ergibt größere Fernsehsender. Dort können interessante Beiträge konzipiert und Drehbücher für viele Serienformate geschrieben werden. Natürlich birgt auch der klassische Weg zum Printjournalismus seinen Reiz. Wohin letztlich der eigene Antrieb führt, ist dabei natürlich ungewiss. Daher würde ich empfehlen, bei unnötigen Kommentaren einfach schlagfertig zu kontern und mal nachzufragen, was die andere Person denn vorhat oder ob sie stets im Leben wusste, was sie in den nächsten Jahren machen wird.

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