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Siegener Student erweckt Miniaturfiguren zum Leben

Tim Lechthaler bemalt in seiner Freizeit gerne Figuren aus dem Warhammer-Universum.

Tim Lechthaler bemalt in seiner Freizeit gerne Figuren aus dem Warhammer-Universum.

Foto: Michael Fassel / WP Siegen

Siegen.  In seiner Freizeit beschäftigt sich Tim Lechthaler mit einem besonderen Hobby: Er bemalt Warhammer-Figuren.

Geduld und Geschicklichkeit sind gefragt, wenn man sich an das Zusammenbauen und Bemalen von sogenannten Warhammer-Figuren begibt. Die fantasievoll gestalteten Miniaturfiguren vom Hochelfen über Orks bis hin zu Chaoszwergen sind Teil eines schier unendlich großen Fantasy- oder Science-Fiction Universums, das bei Fans eine Sammel- und Spielleidenschaft entfacht. So auch bei dem Siegener Germanistik-Studenten Tim Lechthaler, der sich in seiner Freizeit hingebungsvoll dem Sammeln, Bemalen und Spielen widmet.

Das Hobby

Mit dem Warhammer-Kosmos ist er zwar schon seit seiner Schulzeit sehr vertraut, hat jedoch erst vor einem Jahr zum ersten Mal eine Miniaturfigur bemalt. „Ich habe ganz bewusst nach einem Hobby gesucht“, erklärt Tim und fügt hinzu: „Ein Hobby, bei dem ich abschalten kann.“ Für Anfänger auf diesem Gebiet gibt es einsteigerfreundliche Startersets auf dem Markt.

Ein solches Set war Tims erste praktische Erfahrung mit Warhammer-Figuren, die sich zunächst in Einzelteilen in einem Plastikgussrahmen befinden. Diese trennt man nicht einfach mit einer Schere, sondern mit einem Seitenschneider heraus. Für das anschließende Zusammenbauen ist ein spezieller Plastikkleber erforderlich. Das Herzstück bildet das zeitintensive Bemalen: Durch das sorgfältige Auftragen von Acrylfarben wird den Charakteren Leben eingehaucht.

Der Anfang

„Ich hatte am Anfang Angst vor dem Bemalen, weil das extrem kleine Figuren sind und es dann blöd aussehen könnte,“ berichtet Tim. Zu Beginn sind die Figuren in der Regel grau oder schwarz, so dass man letztlich mit dem gesamten Farbspektrum experimentieren kann. Es sind vor allem die kleinen Details, die große Hürden darstellen. Manche Kreaturen aus dem Sci-Fi-Universum sind mit filigranen Tentakeln versehen, andere Gestalten aus der Fantasy-Welt, mit Anspielungen an Tolkiens „Herr der Ringe“ und spätmittelalterlichen Elementen, tragen Lanzen und Schwerter, die auch mit Farbe versehen werden wollen.

„Die sechste Figur, die ich bemalte, sah dann schon besser aus als die erste,“ erinnert sich der Warhammer-Fan an seine ersten vorsichtigen Versuche, aus denen sich nach nur einem Jahr eine amateurhafte Leidenschaft entwickelt hat. Inzwischen besitzt er eine sehenswerte Sammlung an Warhammer-Figuren, die allesamt in einem offenen Regal untergebracht sind und Besuchern direkt ins Auge springen. Als Profi würde sich Tim aber noch nicht bezeichnen. „Die Latte nach oben ist unendlich.“

Nichtsdestotrotz verfügt der Hobby-Sammler über ein ästhetisches Auge und besonderes Know-How, denn nach der Farbgrundierung der Figuren folgt eine Arbeit, die noch mehr Fingerspitzengefühl erfordert. Tim erklärt:„Danach werden die Vertiefungen verdunkelt, um Lichteffekte zu erzeugen oder einen Schatteneffekt herzustellen.“ Das Bemalen erlebt er als ruhige Tätigkeit, die ihn runterbringt. Vor allem die Tatsache, dass nach der mühsamen Malarbeit ein Produkt fertiggestellt sei, erfüllt ihn sehr. „Ich hab dann so ein „Ich-hab-was-geschafft-Gefühl“. Ich habe es selber hergestellt. Danach fühle ich mich richtig gut“, so Tim.

Das Spielen

Nach dem Bemalen verstauben die Miniaturfiguren nicht im Regal, wo sie zwar ihren festen Platz haben, aber stets auf ihren Einsatz als Teil des narrativen Strategiespiels warten. Dazu dienen verschiedene Geländen wie beispielsweise Wälder oder Ruinen in Form von Spielbrettern als Grundlage, auf denen Schlachten ausgetragen werden. „Man trifft sich dann privat mit Gleichgesinnten“, sagt Tim. So episch die Universen auch anmuten, dauert ein Game im Durchschnitt etwa eine gute Stunde. Er erklärt: „Es gibt drei Regelsets. Das Set mit wenigen Figuren dauert ungefähr 30 Minuten.“

Aber selbst das Set, in dem riesige Armeen aus Warhammer-Charakteren gegeneinander antreten, wird nicht länger als zwei Stunden gespielt. „Früher hat ein Spiel zwischen vier und fünf Stunden gedauert. Die Regeln sind heute so geformt, dass es nicht ausartet.“ In Zeiten des Internets ist es zudem nicht mehr so schwer, Gleichgesinnte zu finden wie in den 1980er Jahren, als die Firma „Games Workshop“ das Warhammer-Universum konzipiert, veröffentlicht und seitdem stetig erweitert hat.

„Es gibt auch ein Forum für internationalen Austausch.“ Wer über den virtuellen Tellerrand hinaus Warhammer-Anhänger treffen möchte, findet in den nächstgelegenen Großstädten Nordrhein-Westfalens einen Hobby-Sammelpunkt zum Austausch und zur Verabredung für eine epische Schlacht.

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