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Siegener Studentin wäscht nachhaltig – mit Kastanien

Rosskastanien können dafür genutzt werden, selbst Waschmittel herzustellen.

Rosskastanien können dafür genutzt werden, selbst Waschmittel herzustellen.

Foto: Anna Schüttler / WP Siegen

Siegen.  Um Waschmittel zu ersetzen, greift Anna Schüttler versuchsweise auf Kastanien zurück. Die Wäsche wird allerdings nicht vollständig sauber.

Waschmittel ist ein Thema, das uns im Alltag recht wenig beschäftigt. So ging es mir auch. Einmal im Jahr etwa ersetze ich meine Großpackung Waschmittel und verschwende das restliche Jahr über keinen Gedanken daran, doch mit dem aufkommenden Klima- und Naturschutz in unserer Gesellschaft höre ich immer wieder von natürlichen Alterativen, die noch dazu kostenlos sind. Wo Geld zu sparen ist, muss dann doch getestet werden und so mache ich mich an einen Selbsttest – Waschmittel aus Rosskastanien.

Die Recherche

Zunächst stehe ich dem Ganzen recht kritisch gegenüber, denn mein Waschmittel hat mich bisher immer überzeugt. Ich frage mich, ob eine Kastanie wirklich mit diesem jahrelang perfektionierten Reiniger mithalten kann. Das Studentenbudget ist jedoch nicht besonders groß und jede Gelegenheit. Geld zu sparen, nehme ich dankend an, also lese ich mich in die Materie ein.
Kastanien gehören zu den Seifenbaumgewächsen, was auf mich schon mal einen guten Eindruck macht, wenn es um meine Wäsche geht. Rosskastanien, die wir auch aus der heimischen Fauna kennen, enthalten sogenannte Saponine, die in Verbindung mit Wasser Schmutz von der Wäsche entfernen sollen.

Theoretisch klingt das also vielversprechend. Neben dem finanziellen Faktor spielt natürlich auch der Naturschutz für viele Nutzer des Kastanienwaschmittels eine große Rolle, sei es wegen der Ressourcen, die in die Produktion gehen, oder wegen des Verpackungsmülls. Oft lese ich auch, dass man auf „Chemie“ verzichten will. In der Theorie sehe ich mittlerweile den Charme des selbstgemachten Waschmittels, denn das viele positive Feedback von Usern auf Facebook, Webseiten und diversen Foren lässt mich hoffen.

Die Umsetzung

Für die Herstellung des Waschmittels braucht man logischerweise Kastanien und die wachsen auch hier in der Gegend. Unbewusst bin ich dieses Jahr schon das ein oder andere Mal über eine der grünen, stacheligen Kastanienhüllen gestiegen, ohne mir dabei ihren genauen Standort zu merken, doch ich war mir sicher, so weit entfernt können die nicht sein! Oder etwa doch? An dieser Stelle muss ich einige Fehlschlüsse meinerseits eingestehen: Ich, als Kind vom Land, bin schlichtweg ein anderes Wald-zu-Stadt-Verhältnis gewohnt. Auch wenn ich mir absolut sicher war, dass in meiner Nähe eine Kastanie steht, scheint sich diese alle Mühe gegeben zu haben, nicht aufzufallen.

Mein zweiter großer Fehlschluss war, dass es Herbst ist und deswegen natürlich Kastanien von den Bäumen fallen. Wie ich später feststellen muss, stehen viele Kastanienbäume schon komplett ohne ihr Blätterkleid da und ihre Früchte wurden schon von bastelwütigen Kindern, den gefürchteten Kastaniensammlern, hungrigem Wild oder schlichtweg der Stadtreinigung entfernt. Nach drei Stunden Suche finde ich schließlich genug Kastanien, um meinen Test fortzusetzen und kann jetzt schon anderen Interessierten einen Tipp geben: Sammelt die Kastanien so früh wie möglich! Ich wollte direkt 750 Milliliter Waschmittel herstellen und habe dafür nach ungefährer Abschätzung der empfohlenen Mengen (denn die Kastanien kommen ja leider ohne Anweisung) zwölf Kastanien benötigt.


Nachdem ich die Früchte dann kurz abgespült habe, nehme ich ein Messer und zerteile sie. Ich habe außerdem die Schale entfernt, da diese einen Farbstoff an das Waschmittel und somit an die Wäsche abgeben kann. Nachdem die Kastanien zerhackt sind, gebe ich sie ein großes Glas und fülle dieses mit warmem Wasser auf. Sofort stelle ich fest, dass sich sofort eine Schaumkrone auf dem Kastanienwasser bildet.

Das Ganze lasse ich über Nacht stehen und am nächsten Morgen siebe ich die Kastanien aus meinem selbst hergestellten Flüssigwaschmittel. Die gelblich milchige Substanz ist größtenteils geruchlos, wenn auch leicht säuerlich. Nun zum alles entscheidenden Test: Die Waschmaschine wird mit Buntwäsche gefüllt und auf einen Waschgang bei 30 Grad gestellt, mein Kastanienwaschmittel kommt in die Spülkammer.

Das Resultat

Das Erste, was ich an der frisch gewaschenen Wäsche wahrnehme, ist ihr Geruch, beziehungsweise in diesem Fall die Abwesenheit eines Duftes. Unangenehme Gerüche wurden entfernt, also hat das Waschmittel gewirkt, aber ein Teil von mir vermisst den typischen seifigen frischen Hauch, der mir normalerweise aus der Waschmaschine entgegenkommt. Nach dem Trocknen sehe ich mir die Wäsche genauer an und erlebe die nächste Ernüchterung: Ein Shirt, das mit Mangosoße verschmutzt war, hat immer noch Flecken. Das muss auf jeden Fall nochmal in die Wäsche, also müssen wieder Wasser und Strom für dieses Shirt verwendet werden. Ob das Ganze dann noch so nachhaltig ist?

Die restliche Wäsche macht jedoch einen guten Eindruck. Natürlich hätte ich den Fleck vorbehandeln oder die Wäsche bei höherer Temperatur waschen können, aber im Nachhinein lässt sich schwer feststellen, ob das der Grund war. Außerdem war das bei meinem herkömmlichen Waschmittel auch noch nie nötig.

Das Fazit

Wer das ganze Jahr über mit Kastanien waschen möchte, der muss sich im Herbst einiges an Zeit einräumen und früh genug zur Stelle sein. Das Flüssigwaschmittel hält sich nicht lange und so müssen Massen an Kastanien zerkleinert, getrocknet und eingelagert werden. Das erscheint mir reichlich aufwendig, selbst wenn man davon ausgeht, dass die Reinigungskraft angemessen ist. Ich für meinen Teil lasse dann die Kastanien lieber für die Kinder oder Tiere liegen und bleibe – zumindest vorerst – bei meinem Waschmittelpulver.

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