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Siegener Studentinnen stellen Kunst in Abrissgebäude aus

Sabrina Diehls Kunst ist vielfältig. Hier steht sie vor einer ihrer "Lost Places"-Fotografien. 

Sabrina Diehls Kunst ist vielfältig. Hier steht sie vor einer ihrer "Lost Places"-Fotografien. 

Foto: Christian Bocksch / WP Siegen

Siegen.  Sabrina Diehl und Lena Hugger präsentieren ihre Kunst über dem ehemaligen „Louisiana“ in der Siegener Bahnhofstraße.

Der Zugang zur Ausstellung von Lena Hugger und Sabrina Diehl liegt versteckt an der Bahnhofsstraße in Siegen. Über eine Treppe gelangt man in den ersten Stock und somit in den ersten Ausstellungsraum. Die Etage wirkt seltsam leer, der Boden ist kahl. Nach den Ausstellungen im Projektraum MONOPOLi, organisiert von der Gruppe 3/55, soll das Gebäude abgerissen werden. Ein Umstand, der nicht nur dafür sorgt, dass die Werke besonders hervorgehoben werden, sondern der auch den Künstlern mehr Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Sabrina erklärt, dass bei anderen Ausstellungen im Vorfeld oft Einschränkungen bezüglich der Raumnutzung gegeben wurden. In einem Abrissgebäude hingegen können Bilder und Leuchten überall aufgehängt werden.

Aus dem Impuls heraus

Auf der ersten Etage, die wie ein großer Raum wirkt, präsentiert Lena Hugger ihre Arbeiten. Neben einer Büste sind vor allem Gemälde zu sehen. Ungerahmt und groß dominieren sie die Wände, und bilden mit ihren starken Farben einen Kontrast zu der Umgebung. Etwas versteckt hängen mehrere Skizzen, angefertigt während einer Reise in die USA, im Verlauf des Ausstellungsbesuchs. Es wird immer wieder klar, dass beide immer wieder aus Impulsen heraus kreativ arbeiten.

Die Figuren scheinen miteinander zu verschmelzen und zu verschwimmen, es fällt schwer, die Zugehörigkeiten zu definieren. Inspiration zieht Lena Hugger nicht nur aus ihrem alltäglichen Leben, sondern auch aus der barocken Kirchenkunst, mit der sie seit ihrer Kindheit in Oberschwaben in Berührung kam. Immer wieder tauchen Putten auf, für sie ein Symbol dafür, wie etwas Niedliches in der Kunst mit dem Sündhaften und Schrecklichen verbunden wird.

Künstlerische Teilgebiete

Die obere Etage ist verwinkelter, es gibt mehr kleine Räume. Sabrina Diehl beschäftigt sich mit verschiedenen Teildisziplinen der Kunst ohne sich auf ein Gebiet festlegen zu wollen. Diese Entscheidung sorgte auch für Widerstand: „Es wird erwartet, dass man sich für eine Disziplin entscheidet, zum Beispiel das Fotografieren oder das Malen. Aber ich konnte und wollte mich nicht entscheiden, seit dem ich aber einen Preis bekommen habe, muss ich mich nicht mehr rechtfertigen“, sagt sie mit einem Lächeln.

Und sie präsentiert eine weite Palette ihres Schaffens: Holzdrucke ihrer Katze Luna hängen neben Fotografien so genannter Lost Places, verlassene Orte, die scheinbar vergessen wurden. Besonderen Eindruck macht eine Installation an einem der Fenster. Es ist eine von ihr modellierte Tonmaske, über die während des Brennens eine alte rote Glasscheibe gelegt wurde. Das erkaltete Glas fasst die Maske wie eine Flüssigkeit ein.

In einem anderen Raum sind Tuschskizzen zu sehen, Menschen, die Sabrina Diehl während einer langen Zugfahrt zeichnete. In Schwarz und Weiß werden die Emotionen und Haltungen der Personen dargestellt, und man meint, einige dieser Charaktere wiederzuerkennen.

Neben den großen Skulpturen faszinieren besonders drei winzige menschliche Figuren aus Tiguannuss. Dieses Material nutzen unter anderen Juweliere als Ersatz für natürliches Elfenbein, dessen Handel aus Artenschutzgründen stark reglementiert ist.

Die Aufgabe der Kunst

Auf die Frage, ob die Kunst eine Aufgabe hat, geben Sabrina Diehl und Lena Hugger ähnliche Antworten. Ihre Kunst soll Emotionen auslösen in den Betrachtern. Für beide gehört die künstlerische Betätigung zu ihrem Leben und ist nichts was sie nur zum Geldverdienen oder berühmt werden machen wollen. Es geht ihnen um Selbstverwirklichung und die Möglichkeit, die von ihnen erlebte Gegenwart zu kommentieren.

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