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Siegener Studis brechen Geschlechterklischees

Christian Giese und Hendrik Fuchs studieren Grundschullehramt im Master

Christian Giese und Hendrik Fuchs studieren Grundschullehramt im Master

Foto: Luisa Maria Stickeler

Weidenau.   Eine Frau als Informatikerin und zwei Männer im Grundschullehramt - auch wenn sie damit noch häufig auffallen, gibt es keine Probleme mit Intoleranz.

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Gerade einmal 20 Prozent der Studierenden im Masterstudiengang Informatik sind in diesem Semester weiblich. Ähnlich sieht es im Master-Grundschullehramt aus, nur mit dem Unterschied, dass hier die Männer in der Unterzahl sind.

Christian Griese (22) und Hendrik Fuchs (23) sind zwei von ihnen. Die beiden studieren im zweiten Mastersemester Grundschullehramt. Neben den Pflichtfächern Deutsch und Mathe studieren beide im Nebenfach Sachunterricht, Hendrik Fuchs zusätzlich noch Förderpädagogik. Anstatt wie viele andere ihres Geschlechts eine naturwissenschaftliche oder technische Laufbahn einzuschlagen, möchten sie lieber mit Kindern arbeiten.

Genau andersherum macht es Hannah Dröge. Die 22-Jährige studiert im ersten Mastersemester Informatik und hat damit für ihr Geschlecht eine eher untypische Laufbahn eingeschlagen. Im Folgenden erzählen die drei Studierenden von ihren Erfahrungen in diesen „geschlechtsuntypischen“ Studiengängen. Könnt ihr eure Studiengänge in drei Worten beschreiben? Christian Griese: Auf jeden Fall nicht singen und nicht Mandalas malen, was ja oft das Klischee ist. Dadurch, dass man drei unterschiedliche Fächer machen muss, ist es auch sehr vielfältig. Ansonsten würde ich noch didaktisch sagen. Hannah Dröge: Vielseitig auf jeden Fall, teilweise sehr spannend und wenn man es richtig gut machen will, auch zeitaufwendig. Je nachdem, was man für eine Einstellung hat.

War euch am Anfang bewusst, dass ihr mit eurem Geschlecht in der Unterzahl sein werdet? Christian Griese: Irgendwie war mir das schon bewusst. In dem Kurs, den wir zuletzt hatten, war es schon eine relativ hohe Quote. Da waren wir vier Männer von zwanzig Studierenden. Dadurch, dass wir Sachunterricht haben, ist der Männeranteil noch einmal höher als bei Religion oder Englisch. Hendrik Fuchs: Mir fällt das beim Studieren oft schon gar nicht mehr auf. Es ist eher so, dass ich dann zum Beispiel ein Blockseminar habe und mich dann hinterher jemand fragt, wie viele Männer da waren. Dann stelle ich fest, dass ich drei Tage nur unter Frauen war, aber mir das währenddessen nicht bewusst geworden ist. Hannah Dröge: Das weiß man ja eigentlich, dass in der Informatik viele Männer sind. Aber das macht für mich keinen Unterschied.

Werdet ihr von euren Kommilitonen oder den Dozierenden aufgrund eures Geschlechts unterschätzt oder benachteiligt? Hannah Dröge: Ich habe nicht das Gefühl. Man hat ja oft genug die Möglichkeit zu zeigen, was man kann. In Gruppenarbeiten teilen wir uns die Aufgaben immer gleichmäßig auf oder versuchen erstmal alle die Aufgaben zu machen und dann vergleichen wir am Ende. Also kommt es erst gar nicht zustande, dass diese Frage auftritt. Christian Griese: Es kommt vor, dass viele Dozenten immer von LehrerINNEN sprechen. Dann muss man sich einfach denken, dass der wahrscheinlich auch die Lehrer meint. Was haben Personen außerhalb der Uni zu eurer Studiengangswahl gesagt? Hannah Dröge: Die finden das gut, denke ich. Das ist ja auch meine Sache. Ich habe denen gesagt, dass ich das gerne mache und mir das Spaß macht, und dann akzeptieren die das. Christian Griese: Die Meisten finden es gut, dass mehr Männer in die Grundschulen kommen und dass dann auch die Jungs besser gefördert werden können. Manchmal kommen dann diese Klischees mit Singen und Malen auf, aber das ist dann eher auf der Spaßebene. Da mache ich mir dann nichts draus. Glaubt ihr, dass ihr in der Berufswelt später Vor- oder Nachteile aufgrund eures Geschlechts habt? Christian Griese: Es wird einem schon von allen Seiten erzählt, dass man auf jeden Fall später Vorteile hat, also dass man als Mann gute Einstellungschancen hat, weil es ja wenige Männer in diesem Beruf gibt. Das war jetzt aber nicht mein erster Gedanke, dass ich dann eher eingestellt werde. Da habe ich mir erstmal keine Gedanken drüber gemacht. Hannah Dröge: Entweder, die denken dann wirklich in die Richtung, dass die noch eine Frau in ihrem Unternehmen brauchen. Das wäre dann natürlich ein Vorteil. Ich weiß aber nicht, wie die Geschäftsführer das dann später einschätzen werden. Vielleicht haben die diese Vorurteile, dass Frauen das weniger gut können. Das wäre dann natürlich ein Nachteil. Ich lasse mich mal überraschen. Ich hoffe, dass es positiv gesehen wird, aber ich kann das schwer einschätzen.

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