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Siegens Satiremagazin „Der Goldene Schuß“ stellt sich vor

Eine typische Redaktionssitzung des „Goldenen Schuß“: Andreas, Tom, Sebastian (aus dem Interview) und Sirius Lee beraten sich zur Lage der Nation – und der nächsten Ausgabe.

Eine typische Redaktionssitzung des „Goldenen Schuß“: Andreas, Tom, Sebastian (aus dem Interview) und Sirius Lee beraten sich zur Lage der Nation – und der nächsten Ausgabe.

Foto: Privat

Weidenau.   Mit einer gehörigen Portion Sprachwitz und Selbstironie widmen sich die Redakteure, darunter auch einige Studis der Uni Siegen, aktuellen Themen.

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Seit etwa einem Jahr hat Siegen ein Satiremagazin. Es trägt den Namen „Der Goldene Schuß“ und wird auch von Studierenden und Angestellten der Uni mitgestaltet. Zwei Redakteure des „Lowlife-Magazins“, Endrikk Jägermeister (Pseudonym) und Sebastian Taugerbeck (heißt wirklich so), erzählen im Interview über das Projekt.

Seit wann gibt es den „Goldenen Schuß“?
Sebastian: Wir haben im Dezember letzten Jahres angefangen, mit der Gründung sozusagen, und dann im Februar die erste Ausgabe „Newcomer mit Bleiberecht“ veröffentlicht. Und jetzt erscheint alle zwei Monate eine Ausgabe. Mehr oder weniger zuverlässig, was das Datum angeht, aber eigentlich immer gegen Ende des jeweiligen Monats.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Satiremagazin zu gründen und veröffentlichen? Sebastian: Zunächst einmal ist es eine Unverfrorenheit, unsere musischen Ergüsse so lapidar als Satire zu bezeichnen. Ich bin mit dieser Interpretation unseres Outputs überhaupt nicht zufrieden. So kann man doch kein Interview beginnen.
Endrikk: Niemand hatte die Absicht, ein Satiremagazin zu machen.
Sebastian: Wir sind ein ernstzunehmendes Fachjournal mit hohen Anteilen an Querschlägern in andere Bereiche der anarchistischen Kunst. Entsprechend finden sich in Der Goldene Schuß auch ausschließlich knallhart recherchierte Beiträge bar jeder Ironie. Für Satire ist die Lage zu ernst. Und ob man das, was wir machen, als Idee bezeichnen kann, weiß ich auch nicht. Es war eher ein Zusammenspiel aus der exzessiven Produktion von Brainwashpropaganda und der Unzufriedenheit mit unserer damaligen Mutter, die sich nicht besonders gut um uns kümmerte.

Wie viele Menschen arbeiten am „Schuß“ mit?
Sebastian: Wir sind mittlerweile um die 20 Leute. Allerdings steuern nicht alle zu jeder Ausgabe etwas bei. Das ist bei uns relativ offen. Schaut man ins Impressum, erkennt man, dass circa zwölf Leute regelmäßig aktiv mitarbeiten.

Gibt es bei euch einen Chefredakteur?
Sebastian: Wir haben nicht wirklich ne Hierarchie, also den Chefredakteur kennt praktisch niemand. Irgendwann bin ich in so eine komische Wohnung eingeladen worden. Da war dann dieser Typ hinter einem Vorhang, der uns gesagt hat: „Ihr macht jetzt ein postmodernes Low-Life-Magazin“
Endrikk: Ich hab gehört, er spielt sehr gut Orgel!

Wie wählt ihr eure Themen? Endrikk: Streng autobiografisch. Der Zeitgeist gibt genug her, aber auch aus Kaffeesatz, Hühnerknochen und verkohltem Toastbrot lassen sich Inspirationen ziehen.
Sebastian: Ganz im Ernst, man könnte sagen: Die Themen, die von Zeitungen wie deiner Mama – also der Westfalenpost – mit Samthandschuhen betatscht werden, die nehmen wir uns zur Brust, bis am Ende ein veritables Ergebnis zu verzeichnen ist.

Wo kriegt man den „Goldenen Schuß“ eigentlich her?
Sebastian: Also eine Möglichkeit ist es, Kontakt mit uns herzustellen. Wir benutzen dieses neumodische, wie heißt das, E-Mail? Endrikk: Internet, hab ich gehört. Sebastian: Internet und E-Mail… also da kann man uns einfach anschreiben. Ansonsten kann man sich die Ausgaben auch im Kultkaff an der Uni Siegen holen, im AStA, im Verstärker.

Worum geht’s in der aktuellen Ausgabe „Verpackt in Plastik“? Was ist zu lesen? Sebastian: Lesen, immer nur lesen. Lediglich sinnlose Buchstabenkombinationen in den Vordergrund stellen, anstatt mal auf den Kern des Ganzen einzugehen. Was ist zu fühlen, zu beobachten? In sich selbst und in seiner Umgebung? Was verändert sich an meiner Wahrnehmung oder was zur Hölle sehe ich da eigentlich?!
Endrikk: Denken, nicht lesen, zur Hölle…

Wann kommt die neue (sechste) Ausgabe und wie heißt sie? Vielleicht könnt ihr ja ein zwei Geheimnisse bezüglich der kommenden Texte lüften?
Sebastian: Die allersechste Ausgabe der Welt wird – begleitet von mehreren Paukenschlägen und Fanfare – in baldigster Bälde erscheinen.
Endrikk: Auf der Straße erzählt man sich, dass es bereits Ende Januar 2019 so weit sein könnte. Sebastian: Das Motto ist noch streng geheim. Wir können im Voraus aber schon die ein oder andere große Frage beantworten: Die Texte werden hauptsächlich auf einfacher Sprache (Deutsch) verfasst sein und einer gewissen Relevanz nicht entbehren.

Tom FarnschläderDrei Fragen an Tom Farnschläder, Mitgründer des „Goldenen Schuß“

1. Wie bist du zum „Goldenen Schuß“ gekommen?

Man kommt nicht zum „Goldenen Schuß“, „Der Goldene Schuß“ kommt zu dir.

2. Was reizt dich an dem Format des Magazins besonders?

Besonders entzückend finde ich es, dass unser Schundblatt jeden anspricht – ob beinahe-binäre Kämpfer für soziale Gerechtigkeit oder prollig-patriarchale Cis-Hetero-Männer und -Frauen. Außerdem reizt das Layout meine Augen.

3. Hast du ein paar motivierende Worte für Menschen, die sich mit eigenen Texten am „Der Goldene Schuß“ beteiligen wollen?

Nein. Obwohl, doch: Unter den nächsten zehn Neuerscheinungen verlosen wir ein benutztes Atemalkoholteströhrchen. Gewinnchance eins zu zehn. Glücksspiel kann süchtig machen.

Hier findet ihr einen Beitrag von Radius 92,1 zu „DGS“ inklusive einer kleinen Lesung.

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