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Studieren mit Depressionen – eine Siegener Studentin erzählt

Wer unter Depressionen leidet, fühlt sich häufig so, als wäre die Motivation zum Lernen unmöglich greifbar.

Wer unter Depressionen leidet, fühlt sich häufig so, als wäre die Motivation zum Lernen unmöglich greifbar.

Foto: Kristin Scheller

Siegen.   Viele Studierende leiden unter psychischen Krankheiten, die ihren Alltag massiv einschränken. Doch es gibt Hilfsangebote.

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Sonnenstrahlen zwängen sich durch die Lider, das nervige Piepen des Weckers penetriert die Trommelfelle – Elena muss aufstehen. Doch in ihrer Brust liegt ein Stein, ein Gewicht, das sie unten hält, sie hat nicht einmal die Kraft, den „Snooze“-Knopf zu drücken. Die Studentin hat Depressionen.

Elena, deren Name für diesen Artikel geändert wurde, kämpft seit sechs Jahren mit der Krankheit. Fast jeder sechste Studierende leidet heutzutage an psychischen Beschwerden wie Depressionen oder Angststörungen – Umstände, die das Studium deutlich erschweren können.

Energie und Konzentration fehlen

„Mir fehlt oft die Energie, auch nur das Bett zu verlassen. An Hausarbeiten und Klausuren ist dann kaum zu denken“, erklärt Elena. Die Stimmung trägt nicht zu einem erleichterten Studienerlebnis bei: „Meine Gefühle wechseln eigentlich immer nur zwischen Verzweiflung und innerer Leere. In dem einen Fall fühle ich mich so schrecklich, dass es den ganzen Tag in meiner Brust zieht und ich jede Sekunde in Tränen ausbrechen könnte. In dem anderen fühle ich einfach gar nichts.“ Dazu kommen Beschwerden, die bei Depressionen oft nicht so bekannt sind, wie sie sein sollten. Konzentrationsprobleme, Selbstzweifel, Suizidgedanken und eine gesenkte Frustrations- und Stresstoleranz arbeiten gegen sie.

Eine ernsthafte Krankheit

Was viele auch heutzutage noch anzweifeln, ist ihre Ernsthaftigkeit: in Wirklichkeit ist es eine Krankheit wie jede andere, ausgelöst durch ein chemisches Ungleichgewicht im Hirn. Elena kritisiert: „Depressive sind nicht einfach traurig oder faul. Wir können uns nicht einfach einmal zusammenreißen oder uns nur nicht so anstellen.“ So etwas verschwinde nicht einfach durch positives Denken.

Wer Hilfe benötigt, findet diese an verschiedenen Anlaufstellen: der erste Schritt kann zum Hausarzt gehen. Psychotherapie hat sich in der Behandlung bewährt. Auch Familienberatungsstellen können überbrückend behilflich sein und die Universität Siegen bietet ebenfalls eine psychologische Beratung an. Auch Elena hat sich Hilfe gesucht: „Nach mehreren Jahren habe ich mich erst getraut, mit meinem Hausarzt darüber zu reden. Der hat mir Antidepressiva verschrieben und eine Gesprächstherapie verordnet.“ Einen Platz für die Psychotherapie hat sie erst ein Jahr später bekommen – Wartelisten, wenn existent, sind nicht selten bereits voll. Elena hilft die Therapie. Sie sagt: „Ich habe noch viel an mir zu arbeiten, aber ich merke immer deutlicher, dass alles wieder ein wenig einfacher wird.“

HIER geht’s zur Beratungsstelle der Uni Siegen.

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