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Stupa-Wahl 2018 an der Uni Siegen: Die Plakat-Analyse

Da fällt die Wahl schwer: Katzenbabies, Butterfische oder Pixelkunst.Die Listen werben mit kreativen Plakaten um die Stimmen der Studis

Da fällt die Wahl schwer: Katzenbabies, Butterfische oder Pixelkunst.Die Listen werben mit kreativen Plakaten um die Stimmen der Studis

Foto: Hendrik Noack

Weidenau.   Von niedlichen Katzenbabys bis hin zu Sehtest-ähnlichen Designs hängen in diesem Jahr wieder einige kreative Plakate der Listen in der Uni.

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Natürlich, bei der Entscheidung für eine bestimmte politische Richtung sollten Inhalte und Überzeugungen im Vordergrund stehen. Trotzdem darf Wahlwerbung auch etwas fürs Auge sein. Eine Woche vor den StuPa-Wahlen wirft die Campus-WP einen prüfenden Blick auf die Plakate der sechs Listen, die um die Stimmen der Siegener Studis ringen.

Der erste Eindruck: Text. Viel Text. Das zeigt zunächst, dass das Grün-Alternative Wahlbündnis (gaW) einiges zu sagen hat. Allerdings lädt eine solche Gestaltung auch schnell mal zum Schulterzucken und Weitergehen ein. Nicht wirklich das Ziel von Wahlwerbung. Das gaW war sich dieses Dilemmas wohl bewusst. So hat die Liste sich bei einem Plakat am typischen Sehtest-Design orientiert und scheint hier auf die geringe Aufmerksamkeitsspanne gestresster Studis anzuspielen. Wer bei der abnehmenden Schriftgröße die unteren Zeilen noch entziffern will, muss sich der Anzeige annähern. Raus aus der Komfort-Zone, rein ins politische Geschehen der Uni. Well played! Einen Pluspunkt gibt es zudem für die englische Ausführung mancher Slogans und Programmpunkte. So werden auch jene Studis eingebunden, deren Sprachniveau keine Teilhabe auf Deutsch zuließe. Als Manöverkritik sei angemerkt: Ein bisschen mehr Grün hätte nicht geschadet. Dem Namen gerecht werden und so.

Die zwölf Plakate der Gesamt Linken Liste weisen weniger Text und dazu eine angenehme Prise Humor auf. Slogans wie „Tu mal Buta bei die Fische“ (Kalauer mit dem Namen des Kandidierenden Alexandru Buta) oder „Auch ohne Spruch wählbar“ rufen ein feines Schmunzeln hervor. Doch das ist wohl Geschmackssache und könnte der Liste ebenso als mangelnde Ernsthaftigkeit ausgelegt werden. Ihr Komitee präsentiert die GLL vor wechselnden Szenerien am und um den Campus, wenn auch nur in Schwarz-Weiß. Randnotiz: Anders als das GAW („Bologna ist Sch***e“) verzichtet die GLL bei diesem doch recht derben Wort auf die Sternchen und das gleich zweimal in einem Satz. Wie das sprachpolitisch zu bewerten ist, steht auf einem anderen Blatt, das hier jedenfalls nicht vor den Mund genommen wurde.

„Machen statt fordern“ steht auf allen Aushängen der Jungen Union, die somit auf individuelle Wahlsprüche bei ihren Kandidierenden verzichtet. Nicht falsch, schließlich finden sich mit dem QR-Code am unteren Bildrand weiterführende Infos zum Programm. Vorausgesetzt, das eigene Mobiltelefon ermöglicht derartige Sprünge in digitale Sphären. Gestalterisch wirken die Plakate sehr durchdacht, die Komposition stimmig. Ein Detail jedoch weckt Rätsel bei den Rezipienten, schreckt auf. Es trennen nämlich drei Punkte in Schwarz, Rot und Gold die Worte des Claims „Für die politische Mitte“. So weit, so deutsch. Die Namen der Kandidierenden aber sind von einer Trikolore in den Farben Estlands hinterlegt: Schwarz, Blau und Weiß. Naja, auch das ist wohl eher Teil des Corporate Designs als Stoff für einen Skandal.

Die Jusos hingegen machen gekonnt mit der Signalfarbe Rot auf sich aufmerksam. Darauf werden in weißer Schnörkelschrift die Namen der Kandidierenden in Szene gesetzt und auch gleich die volle Anzahl der Stimmen (es sind fünf) eingefordert. Nicht sehr subtil, dafür aber direkt. Selbige Mischform aus Wunschdenken und Alleinanspruch, aus Bitte und Befehl nutzen im Übrigen auch die Konkurrenten der JU. Böse Zungen würden hinter dieser identischen Taktik vielleicht ein Annähern der beiden Listen oder gar Pläne für eine GroKo an der Uni Siegen wittern. Zurück bei den Fakten lässt sich erwähnen, dass hinter den abgelichteten Jusos mitunter die verschwommenen Gesichter der Listenkollegen lächeln. Ein netter Fun Fact am Rande, der auf jeden Fall Solidarität beweist.

Zu ihrem StuPa-Wahldebüt tritt Die Linke/SDS weltoffen an, auch sie haben ihre Slogans ins Englische übersetzt. Löblich! Als Manko allerdings gereichen die teilweise recht unscharf geratenen Bilder, die die Kandidierenden zeigen, vor allem bei den Selfies darunter. Mehr Auflösung hätte den prägnanten Wahlsprüchen eher Rechnung getragen. Nichtsdestotrotz: Bei all den komplexen Themen, die im StuPa behandelt werden, tut die Botschaft von Listenplatz 6 Sebastian Taugerbeck doch echt gut: „Sag einfach JA“. – Ja.

Echt niedlich kommen die Plakate von Fak4Stupa daher. Da sind im liebevollen Slogan „Geh wählen du Sau“ doch glatt die Ä-Pünktchen sowie die Innenräume der Buchstaben als Herzen dargestellt. Und von dem wohl süßesten Plakat des diesjährigen StuPa-Wahlkampfs prangen tatsächlich fünf Katzenbabys: Zucker! Genauso wie die Aussicht auf freies Studi-WiFi in ganz Siegen. Eine Frage aber bleibt: Ist das flippige Magenta jetzt von Insta-Lindners FDP gemopst oder umgekehrt?

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