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WG, Wohnheim oder Hotel Mama: So wohnen Siegener Studis

Bei Mama, alleine am PC oder zwischen headbangenden Mitbewohnern - dem Studi stehen viele Möglichkeiten offen, doch jede hat ihre Vor- und Nachteile.

Foto: Hendrik Noack

Bei Mama, alleine am PC oder zwischen headbangenden Mitbewohnern - dem Studi stehen viele Möglichkeiten offen, doch jede hat ihre Vor- und Nachteile. Foto: Hendrik Noack

Siegen/Weidenau.   Von Hotel Mama über den Alltag im Wohnheim bis zur eigenen Wohnung ist alles dabei. Und jede Wohnform hat so ihre Vor- und Nachteile.

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Nach einem anstrengenden Zwei-Stunden-Uni-Tag kommt Lena nach Hause, zieht die Schuhe aus und schmeißt die Tasche in die Ecke, bevor sie sich an den gedeckten Esstisch setzt. „Heute gibt es Weißwürste mit Senf, dein Lieblingsessen!“, erklärt ihre Mutter und stellt einen Teller vor Lena. „Uni war heute schon wieder soo anstrengend“, seufzt Lena und spießt ein Stück Weißwurst auf. Dass ihr Studi-Leben wesentlich anstrengender sein könnte, weiß sie nicht.

Wie Lena geht es vielen Studierenden, die den Luxus genießen können, in der Nähe ihrer Heimat studieren und bei den Eltern wohnen zu können. Sie können den Übergang von Abi oder Ausbildung zum Studium nahtlos weiterhin genießen, denn es ändert sich nicht viel. Ganz im Gegensatz dazu stehen diejenigen, die für ihr Studium umziehen müssen, so wie Joachim.

Er ist für seinen Bachelor in Literatur, Kultur, Medien von Fürth in Bayern nach Siegen gezogen. Nach der Uni führt ihn sein Weg zu Lidl, Aldi oder einem anderen Discounter, in dem er sich mit Nudeln und Soße eindeckt – günstig und sattmachend. Er lebt von BaFög und wartet auf die nächste Zahlung am Monatsanfang, damit er die seit einigen Wochen anstehende Internetrechnung bezahlen kann. In seiner Wohnung geht es weiter mit der Verantwortung: Geschirr will gespült, Fenster geputzt und der Hamster gefüttert werden, bevor er chillen kann. Für die Uni arbeiten? Viel zu anstrengend nach so einem Tag..

Lena und Joachim sind zwei fiktive Gegensätze, deren Situation so oder so ähnlich auf viele Siegener Studis zutrifft. Doch ist das Leben im „Hotel Mama“ wirklich so einfach und die eigene Wohnung so eine große Herausforderung? Wir haben nachgefragt und fünf unterschiedliche Wohnarten für euch untersucht.

Leben im Wohnheim

Ich wohne seit meinem Studienbeginn 2014 in einem Wohnheim. Mein Zimmer ist 13 m² groß und bietet einen schönen Ausblick über Weidenau, inklusive der Universität. Ein Vorteil dieses Wohnheimlebens ist, dass ich einen Festpreis für Miete, Internet und weitere Nebenkosten zahle. Dieser wurde in den letzten Jahren zwar um wenige Euro erhöht, ist aber im Verhältnis zu anderen Wohnungen deutlich preiswerter.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man einen klar abgegrenzten Bereich für sich hat. Manche der Mitbewohner sieht man höchstens einmal im Monat im Aufzug. Das Leben im Wohnheim ist also sowohl für Einsiedler als auch für extrovertierte Menschen geeignet. Wenn man mit anderen in Kontakt treten will, kann man das Zimmer verlassen und Kontakt suchen. Durch die vielen Mitbewohner und ständigen Ein- und Auszüge lernt man schnell Menschen kennen und hat die Möglichkeit, aufgrund der Internationalität auch etwas über andere Länder und andere Kulturen zu erfahren. Will man dagegen für sich sein, schließt man die Tür ab und hat seine Ruhe. Wohnheime sind insgesamt nur Studenten zu empfehlen, die kein Problem damit haben, Küche und Bad mit anderen Personen zu teilen. Die eigenen Sauberkeitsansprüche werden in vielen Weisen eingeschränkt, wenn man aber damit leben kann, diese etwas einzuschränken oder manchmal auch für die ganze Etage zu putzen, sollte man keinerlei Probleme bekommen.

Insgesamt ist dabei nur wichtig, sich bewusst zu machen, dass nicht alles so ist, wie man es gewohnt ist. Ein weiterer Vorteil ist die Nähe zur Universität oder in meinem Fall die gute Anbindung durch einen durchfahrenden Bus vom Wohnheim zum Hölderlin und zum Adolf-Reichwein-Campus. Mein Fazit nach drei Jahren Wohnheim-Leben ist durchaus positiv, wenn man ein paar Hygienezustände in den Gemeinschaftsräumen unter den Tisch fallen lässt.

Wohnen in der eigenen Wohnung

Anfang des Jahres musste ich im Zuge meines ersten Umzugs ernüchternd feststellen: Es ist seltsam, aus dem geschäftigen Familienleben in eine Wohnung zu ziehen, für die man 1. allein verantwortlich ist und in der man 2. mehr Freiheiten hat, als man nutzen kann. Niemand kümmert sich um Wäsche und Abwasch, Einkaufen muss man auch selbst und wenn man verschläft, hat man eben Pech gehabt.

Auch Rechnungen wollen bezahlt werden, Anrufe können nicht mehr an die Eltern abgegeben werden, man wird zwangsläufig erwachsener. Doch soviel Stress auch die eigene Wohnung mit sich bringt, so viel freier ist man auch: Niemand wird gestört, wenn man bis drei Uhr morgens einen Netflix-Marathon macht und niemand schaut über die Schulter, wenn man den dritten Tag hintereinander Nudeln mit Fertig-Pesto zum Frühstück (und Abendessen) isst. Die Abnabelung ist allerdings nicht so einfach – deswegen freue ich mich immer noch über Mamas Care-Pakete und Besuche.

Wohnen bei Mama – Pendeln inklusive

Die Volkswirtschaftsstudentin Asli (25) ist eine von vielen, die sich dazu entschlossen hat zur Uni zu pendeln. „Fast täglich bin ich ein Jahr lang von Plettenberg zur Uni Siegen gependelt. Man stellt sich das anfangs viel unkomplizierter und leichter vor. Du denkst, du steigst in den Zug ein, kommst frisch und munter an und fährst danach wieder gemütlich nach Hause“, erklärt Asli.

Zwar liegt Plettenberg mitten im Sauerland, eine 50-minütige Autofahrt trennt den Ort von Siegen, aber „ich musste erst von meiner Haustür den Bus nehmen, um zum Bahnhof zu kommen, anschließend den Zug Richtung Siegen-Weidenau erwischen, was schon problematisch war, wenn der Bus wie so oft Verspätung hatte und von da aus den Anschluss der Buslinie C 111 hoch zur Uni nehmen. Der Weg hat mich schon circa drei Stunden gekostet.“ Wenn man bedenkt, dass eine Vorlesung 90 Minuten dauert und auch Asli manchmal nur für einen Kurs den Weg auf sich nehmen musste, sind drei Stunden Fahrt schon eine lange Zeit. „Naja ...“, zögert Asli, „manchmal hab ich mir dann fünfmal überlegt ob ich morgens um sechs Uhr, wenn der Wecker schellt und nervt, wirklich für eine einzige Vorlesung nach Siegen fahren soll. Oft habe ich sie mir dann geschenkt, den Wecker ausgestellt und versucht, von zuhause aus den Stoff zu lernen.“

Das scheint einer der Nachteile zu sein, mit denen Pendler konfrontiert sind: Die ständige Fahrerei raubt unheimlich viel Zeit und Energie. Vorteile sieht Asli beim Pendeln zur Uni darin, Geld sparen und das schöne Hotel Mama weiterhin genießen zu können. „Sobald ich zuhause war, wurde ich mit einem leckeren Mittagessen auf dem Tisch begrüßt“, schwelgt Asli in Erinnerungen an ihre Pendler-Zeit nach Siegen. Auf die Frage, ob sie anderen Studis das Pendeln weiterempfehlen würde antwortet sie deutlich: „Es ist typabhängig. Manche verkraften es besser als andere. Für mich war das Hin und Her jedoch nichts und deshalb habe ich mich dazu entschlossen, komplett nach Siegen zu ziehen und bin seit drei Jahren endlich hier angekommen, muss meine Freizeit nicht mehr mit Zugfahren verbringen, sondern kann sie schöner gestalten.“ Pendeln ist demzufolge nicht jedermanns Sache.

Wohnen in der WG

Oh nein! Gerade aus der Uni gekommen und vergessen, nochmal beim Kaufland vorbeizugehen. Was soll ich denn jetzt essen? Zum Glück habe ich Mitbewohner, die haben immer was da. Zum Glück habe ich Mitbewohner, die irgendwie immer da sind, wenn ich jemanden brauche zum Reden, zum Feiern, zum Kochen oder einfach zum Zu-Hause-Fühlen. Denn meine beiden Mitbewohner ersetzen irgendwie die Familie. Wer auf wg-gesucht.de nach dem perfekten Zimmer sucht, stößt schnell auf solche Sätze wie „Wir sind keine Zweck-WG, aber natürlich darfst du dich auch jederzeit zurückziehen“.

In der Realität sieht das Ganze auch mal anders aus. Es gibt Zeiten, da mutieren die Mitbewohner zu WG-Phantomen. Keiner weiß, wo sie sind, die Tür ist abgesperrt, das Kühlschrankfach ist leer. Aber dann gibt es wieder Zeiten (hauptsächlich Anfang des Semesters), da kommt man nach Hause und die ganze Küche ist voller Menschen und der Küchentisch bricht unter dem Gewicht der Bierflaschen fast zusammen. Mein Leben in der WG ist aufregend, unvorhersehbar, überraschend, manchmal nervig, aber meistens irgendwie ganz normal.

Wohnen in der Studentenverbindung

Eigentlich ist es eine normale WG – man wohnt zusammen, teilt sich Küche und Bad; bespricht, wann der nächste Großputz oder die nächste Party ansteht. Doch das Leben auf dem Haus einer Studentenverbindung birgt auch Besonderheiten: Man unternimmt mehr zusammen als in einer „normalen“ WG, es ist jeden Tag etwas los, wenn man die Treppe runter geht, man wohnt extrem günstig. Und: Es ist immer etwas zu trinken da.

Manchmal steht auch jemand mitten in der Nacht mit einem Glas Bier vor der Tür, das extra für dich mitgebracht wurde, nur um es mit dir zu trinken. Auf unserem Haus leben Verbindungsmitglieder, aber auch „einfache“ Bewohner, die nicht der Verbindung beigetreten sind.

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