Meinung

Unwürdiges Uni-Fiasko in Siegen: Unfähig zum Kompromiss

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Hendrik Schulz, Lokalredaktion Siegen. 

Hendrik Schulz, Lokalredaktion Siegen. 

Foto: Sascha Kertzscher

29 Erwachsene können sich nicht zu einer Lösung zusammenraufen – an einer Uni. Zum zweiten Mal. Was für ein trauriger Ruhm, meint Hendrik Schulz.

Dieser Zwölf-Stunden-Tag, mit Kandidatenvorstellung, Beratung, Gesprächen, Debatte, Eskalation am Ende – er war nicht nur verschwendet, er hat Schaden angerichtet. Der Ruf der Uni Siegen ist angeknackst.

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Konkrete Schuldige gibt es nicht – irgendwie sind alle schuld. Trotz Sitzungsunterbrechungen, vertraulichen Gesprächen, öffentlichen Debatten gelang es 29 erwachsenen Menschen nicht, eine Lösung zu finden, einen Kompromiss. Wieder nicht. Aus der Vergangenheit hätte man lernen können.

Am Ende bleibt der schale Eindruck: Hier sind Sturköpfe nicht in der Lage, sich für ein gemeinsames Ziel zusammenzuraufen. Was am besten schon lange vorher vorbereitet worden wäre. Im Gegenteil: Es entstand mitunter der Eindruck von „Jetzt würgen wir Euch auch einen rein“: denn zwischenzeitlich war angedeutet worden, dass auch Nicht-Favoritin Carola Jungwirth für eine Mehrheit im Hochschulrat wählbar wäre, unter bestimmten Bedingungen. Aber man stritt lieber ausgiebig um Dinge, die eigentlich Randnotizen hätten sein sollen, verhärtete so womöglich die Fronten.

Siegen ist jetzt die Uni, die es zweimal nicht hinbekommen hat

Einer Universität ist das absolut unwürdig. Siegen ist jetzt die eine Uni, die es zweimal nicht hinbekam. Trauriger Ruhm.

Erneut muss es Holger Burckhart retten. In seinen drei Amtszeiten veränderte sich die Uni Siegen deutlich. Das hätte ein Nachfolger, eine Nachfolgerin fortführen, stabilisieren müssen, damit aus der kleinen Uni „mit Gesamthochschultradition“ in der Provinz auch nachhaltig eine Voll-Uni wird, die mit den bedeutenden Hochschulen des Landes mithalten kann. Nun muss der alte Silberrücken den Karren erstmal aus dem Dreck ziehen.

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Alle, die beim nächsten Versuch mitwählen könnten, sollten sich bis dahin gründlich fragen, warum und für wen sie da eigentlich mitwählen. Der Streit ist wichtig für die Demokratie. Stabilität ist es auch.

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