Wohnungsschäden

Vermieter droht: Ostheldenerin soll ihre Wohnung verlassen

Petra M.s Vermieter will sie aus der Wohnung drängen und setzt seit Monaten diverse Mängel nicht instand. Hinterm Haus lagert der Unrat.

Petra M.s Vermieter will sie aus der Wohnung drängen und setzt seit Monaten diverse Mängel nicht instand. Hinterm Haus lagert der Unrat.

Foto: Hendrik Schulz

Osthelden.   Seit Langem behebt der Mann keine Mängel mehr in dem Gebäude – die Mieterin ist sicher: „Er will uns raushaben“. Die Polizei ermittelt gegen ihn.

Im Müll auf dem Hinterhof hausen bereits Ratten und es tropft immer noch. Der Wasserschaden von vor einem Jahr wurde nur provisorisch repariert, Bad und Toilette sind undicht, die Rohrleitungen provisorisch auf den Fliesen montiert und tropfen. Der Heizungsraum steht zentimeterhoch unter Wasser und seit ein paar Tagen funktioniert die Heizung nicht mehr – das Öl ist alle.

Im August 2017 kaufte ein Mann das Haus, in dem Petra M. (Name geändert) seit Jahren wohnt – und begann, ihr das Leben schwer zu machen. Bei dem Vermieter handelt es sich um den Mann, gegen den sich die groß angelegte Razzia der Polizei wegen Verdachts auf Sozialbetrugs Ende März hauptsächlich richtete (siehe Infobox).

Mitbewohner machen Radau

Kaum, dass neue Mieter im Haus wohnten – „angeblich Rumänen, sie verstanden aber nur Türkisch“ –, eröffnete ihr der neue Eigentümer, dass sie ausziehen solle, erzählt Petra M – „er wollte mich raushaben“. Als sie das nicht tat, habe er ihre TV-Schüssel entfernt, den Starkstrom-Anschluss für den Herd abgeklemmt, seither hat sie nur Kochplatten.

Als das alles nichts fruchtete, begannen die Mieter in der Wohnung über ihr, Radau zu schlagen. Petra M. erzählt, dass viel zu viele Menschen, bis zu 20, dort lebten. Es sei laut, oben werde mit Stangen gegen die Heizungsrohre geschlagen, sie werde bedrängt, bedroht. Die Satellitenschüssel ist erneut verschwunden, M. kann nur DVDs schauen, wenn sie fernsehen möchte.

Notdürftige Renovierungsarbeiten

Im Februar 2018 kam es im ersten Stock zum Wasserschaden, „überall stand Wasser“, sagt Petra M. Laut Versicherungsgutachten hätten Decke und Wände getrocknet, Türen und Zargen erneuert werden sollen – was erkennbar nicht geschehen ist. Lediglich Teile der Holzverkleidung ließ der Vermieter erneuern, hinter der Wohnzimmertür hat sich bereits Schimmel gebildet. Der Müll von den notdürftigen Renovierungsarbeiten liegt immer noch hinterm Haus, verbreitet einen üblen Geruch und zieht Ungeziefer an.

Die Wohnungen in dem alten Haus sind an ein gemeinsames Wasserversorgungsnetz angeschlossen – Ende April 2018 floss plötzlich kein Wasser mehr. „Wir konnten nicht duschen, gar nichts“, so Petra M. Wie sich herausstellte, hatte der Vermieter das Wasser vor der Zweigstelle abgezapft. Bis Ende Juni dauerte es, bis mit Hilfe der Wasserwerke im Erdgeschoss das Wasser wieder floss. „Er drohte mir: Wenn ich etwas sage, bekäme ich Schläge“, sagt sie. Nicht die erste Drohung, nicht die harmloseste.

20 neue Bewohner in einer Nacht

Im März habe sie ein Gespräch belauscht: Noch mehr Menschen hätten im Haus untergebracht werden sollen. Die Personen sollten von außerhalb der EU geholt, nach Rumänien gebracht, dort mit falschen Pässen ausgestattet und dann nach Deutschland geschleust werden. „Der Vermieter wusste, dass ich zuhöre, aber bis dahin hatten seine Drohungen ja immer gewirkt.“ Als in einer Nacht um die 20 Leute eingezogen seien, habe sie sich entschieden, nicht länger zu schweigen und wandte sich an die Polizei. Die wurde tätig, suchte nach den angeblich in Osthelden gemeldeten Personen, die die Nachbarn verleugnet hätten. „Aber ich wusste, dass der Gesuchte hier wohnt, weil seine Post in unserem Briefkasten war“, so M.

Der Vermieter habe schließlich Selbstanzeige erstattet – allerdings wohl zunächst nicht beim Jobcenter, das für einige der Bewohner die Miete überwies und das auch weiter tat. Inzwischen bekommt er wohl kein Geld mehr vom Amt. Und weil er die mehrfachen Aufforderungen, die diversen Mängel in Petra M.s Wohnung zu beheben, ignorierte, wird die Mietzahlung zum 1. Mai eingestellt.

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