Ausbildung

Viele Lehrstellen in Siegen-Wittgenstein bleiben unbesetzt

Ob im Einzelhandel, in der Industrie, auf dem Bau oder im Bäckerhandwerk: Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Einer der Gründe ist, dass immer mehr junge Leute studieren.

Ob im Einzelhandel, in der Industrie, auf dem Bau oder im Bäckerhandwerk: Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Einer der Gründe ist, dass immer mehr junge Leute studieren.

Foto: FUNKE Foto Services / Markus Wei

Siegen.   Zahl der Ausbildungsplätze und der Bewerber in der Region klaffen immer weiter auseinander. Gerade im Handwerk haben Betriebe zunehmend Probleme.

Die Arbeitgeber in der Region haben es zunehmend schwerer, Ausbildungsstellen zu besetzen. Von den 3402 seit Beginn des Berufsberatungsjahrs im Oktober gemeldeten Stellen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe sind derzeit noch 1715 unbesetzt.

„Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist durchaus kritisch“, sagt Frank Schmidt, Leiter der Arbeitsagentur Siegen, bei der Zwischenbilanz zum Ausbildungsjahr 2017/18.

298 Stellen mehr als im Jahr 2016/17 wurden der Agentur gemeldet, eine Steigerung um 9,6 Prozent. Die Zahl der Bewerber hingegen sank um 255 (9,2 Prozent) auf 2527.

Genau diese Diskrepanz ist das Problem, sagt Schmidt. Unabhängig von der demografischen Entwicklung sinke der Anteil derjenigen, „die wir für eine duale Ausbildung gewinnen können“. Der Trend gehe zum Studium, von den Schülerzahlen her sei das Gymnasium „das, was vor 20 Jahren die Hauptschule war“.

Der Zulauf, den die Hochschulen hätten, sei zwar positiv, „aber wenn wir nur noch Menschen haben, die studieren, und keine mehr, die eine duale Ausbildung machen: Dann haben wir ein Problem.“ Dies zeige bereits „mehr und mehr das Handwerk“, so der Agenturchef. In manchen Bereichen sei die Situation besonders schwierig: „Sie finden heute niemanden mehr, der Fleischer oder Metzger werden will, und kaum jemanden, der Bäcker werden möchte.“ Und alles, was mit „Dreck und draußen“ zu tun habe, sei ebenfalls nicht mehr sonderlich gefragt.

1,35 Ausbildungsstellen kommen im Zuständigkeitsbereich der Siegener Agentur – Siegen-Wittgenstein und Olpe – auf jeden Bewerber. Das ist der höchste Wert aller Agenturbezirke in Nordrhein-Westfalen. Der Markt habe sich verschoben, viele junge Leute könnten sich mittlerweile ihren Ausbildungsplatz frei aussuchen.

1002 Bewerber sind aktuell trotzdem unversorgt. Bei 1715 unbesetzten Stellen kommen auf jeden davon 1,71 freie Stellen. Rein rechnerisch könnte damit zwar jeder Jugendliche versorgt werden, faktisch sagen die reinen Zahlen aber nichts darüber aus, ob Angebot und Nachfrage zueinander passen. Gerade der räumliche Aspekt fällt dabei ins Gewicht: Wer in Siegen wohnt, kann sich beispielsweise mit einer Stelle in Erndtebrück nicht immer anfreunden – und umgekehrt. Noch schwieriger sei es, wie Schmidt betont, Bewerber von weiter weg zum Umzug in die Region zu bewegen. Dennoch werde dieser Ansatz mit dem Projekt „Mobil zum Ziel“ verfolgt

1667 der insgesamt 2527 gemeldeten Bewerber kommen im laufenden Ausbildungsjahr aus Siegen-Wittgenstein, 860 aus dem Kreis Olpe.

771 Bewerber im Agenturbezirk interessieren sich laut Statistik für den Bereich „Rohstoffgewinnung, Produktion, Fertigung“. Damit ist dieser Spitzenreiter bei den Interessenten – und mit 1371 gemeldeten Stellen auch bei den Unternehmen, die Plätze anbieten. Die wenigsten Bewerber gibt es mit 27 im Segment „Geisteswissenschaften, Kultur, Gestaltung“. Dem stehen auch nur 12 Stellen gegenüber, sieben davon für das Berufsfeld Innenarchitektur/Raumausstattung.

0 Chancen auf einen von der geografischen Entfernung her passenden Ausbildungsplatz im Wunschjob erfordern von den jungen Menschen oft ein Umdenken, bei dem die Berufsberater der Agentur helfen, „um Alternativen aufzuzeigen“, erläutert Schmidt. Den Jugendlichen seien oft „nur wenige Berufsbilder bekannt“, so dass ein größerer Überblick Orientierung biete und neue Möglichkeiten eröffnen könne.

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