Schulschwimmen

Viele Nichtschwimmer in Siegen: Vereine sollen helfen

Trotz Schwimmunterricht werden zu viele Grundschüler als Nichtschwimmer angemeldet.

Trotz Schwimmunterricht werden zu viele Grundschüler als Nichtschwimmer angemeldet.

Foto: Jana Wehmann

Siegen.   An Grundschulen fehlt es an Fachlehrern und „rettungsfähigem“ Personal. Fast jedes fünfte Kind ist nach dem vierten Schuljahr noch Nichtschwimmer

Auf den ersten Blick sieht die Zahl gut aus. Mit einer Ausnahme erteilen alle Siegener Grundschulen Schwimmunterricht, im Durchschnitt mit 45 Minuten „Wasserzeit“. Im Lehrplan gefordert sind 30 Minuten (zuzüglich der Zeit fürs Umziehen) in einem der vier Grundschuljahre. Trotzdem: 520 Kinder, das sind 18 Prozent aller Grundschüler, werden dem Schulamt als Nichtschwimmer gemeldet.

Ursachen

Bernd Krämer, Fachleiter für die Ausbildung von Sportlehrern an Grundschulen und Berater für das Schulamt beim Kreis, hat dem Siegener Schulausschuss erklärt, woran das liegt:
Es fehlt an ausgebildeten Lehrkräften. Es herrsche ein „unfassbar großer Mangel“. In Siegen wird Sport zu 65 Prozent „fachfremd“ abgedeckt von Lehrkräften, die das Fach nicht studiert haben.

Es gibt keine Aussicht auf Besserung: „Das wird sich auch in den nächsten zehn bis zwölf Jahren nicht ändern.“ Die Hürden für das Studium würden von den Hochschulen zu hoch gesetzt, die Unis zeigten sich „beratungsresistent“. In Siegen sei derzeit ein einziger Student für das Fach Sport eingeschrieben, berichtet Bernd Krämer. Hinzu kommt, was für das Lehramt an der Grundschule insgesamt gilt: Die Bezahlung gilt als unattraktiv.

Lösungen

Nichtschwimmer bekommen Einladungen zu Ferienschwimmkursen. „Wir bekommen nicht alle, die wir dort haben möchten“, sagt Bernd Krämer. Immerhin: Mehr als 1000 Kinder haben in den seit 2010 abgehaltenen 113 Kursen doch noch Schwimmen gelernt. Einige Kurse hätten allerdings abgesagt werden müssen: „Uns fehlt das Fachpersonal.“
Schwimmassistenten könnten in die Bresche springen: Studenten, Eltern oder Rentner. Das Land fördert die Ausbildung im ersten Jahr mit 1000 Euro, im zweiten Jahr mit 5000 Euro für Honorarzahlungen. „Das Angebot wurde von so gut wie keiner Kommune wahrgenommen“, berichtet Bernd Krämer. Schuldezernent André Schmidt wundert das nicht. Vom dritten Jahr an blieben die Kommunen allein auf den Kosten sitzen: „Typisch.“ Mit großer Mehrheit lehnte der Ausschuss den Antrag der FDP ab, die Landesmittel auf jeden Fall zu beantragen. „Mir geht es ums Prinzip“, sagt Angelika Flohren (SPD).
Auch Sportvereine und die DLRG bieten sich als Partner der Grundschulen an. Stadtweit arbeiten erst zwei Grundschulen mit der DLRG zusammen. Achim Bell (UWG) wies darauf hin, dass Aufsichtspersonen ihre „Rettungsfähigkeit“ alle drei Jahre nachweisen müssen. „Je älter die Kollegen werden, umso schwieriger wird das.“
Schulen, Vereine und Verwaltung beraten derzeit mit dem Schulamt, wie der Nichtschwimmer-Anteil verringert werden kann und ob wirklich der Personalmangel der einzige Grund für das Problem ist. Sobald das feststehe, „werden wir eine Lösung finden“, sagt Schuldezernent André Schmidt. Die etwaigen Kosten für Assistenzkräfte werde die Stadt aufbringen. „Wenn sich das als wirklich sinnvoll erweist, wird das nicht an solchen Summen scheitern.“

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