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Volksbank in Südwestfalen zieht Bilanz des Fusionsjahrs

Die Volksbank in Südwestfalen hat ihren Hauptsitz in  Siegen.

Die Volksbank in Südwestfalen hat ihren Hauptsitz in Siegen.

Foto: Steffen Schwab

Siegerland.   Volksbank in Südwestfalen legt ihre erste Bilanz vor. Digitalisierung schlägt sich auch in nachlassender Kundenzahl in den Filialen nieder.

Die Volksbank in Südwestfalen hat ihr erstes Jahr abgeschlossen: „Ein Fusionsjahr mit vielen Anstrengungen, Zukunftssicherung für diese Bank und für unsere Mitarbeiter“, sagt Vorstand Jens Brinkmann – und wirtschaftlich „ein wirklich erfolgreiches Jahr“. Brinkmann präsentierte die Bilanz gemeinsam mit Rolf Krebs in Siegen, während Norbert Kaufmann und Karl-Michael Dommes die Zahlen zur gleichen Zeit in Lüdenscheid vorstellten. Mit der stilisierten Nikolaikirche ist die ehemalige Volksbank Siegerland im Logo der neuen Bank vertreten, mit der Lüdenscheider Kreuzkirche die ehemalige Volksbank im Märkischen Kreis.

Die Kunden ...

In der Bilanzsumme ist die Volksbank in Südwestfalen die Nummer 2 der Kreditinstitute in den sechs südwestfälischen Kreisen, mit kleinem Abstand hinter der Sparkasse Siegen. Bau- und Immobilienkredite, so Jens Brinkmann, „bleiben die wichtigsten Wachstumsstützen“. Für rund 500 Millionen Euro wurden neue Kreditgeschäfte abgeschlossen, 780 Millionen Euro beträgt allein der Bestand an Bau-, 1,3 Milliarden der Bestand an Firmenkundenfinanzierungen. Greifbarer gerechnet: Jeden Tag wird mindestens ein Haus finanziert, mindestens drei Mal pro Woche wird ein Immobilienkauf vermittelt.

Weniger anregend erwies sich das Einlagengeschäft: Zinsen für Sparer gibt es nach wie vor kaum, Wertpapierkäufer brauchen Mut. Brinkmann spricht von einem „nicht ganz so rosigen Umfeld“, wenn er den Sturz des Deutschen Aktienindex (Dax) innerhalb eines Jahres beschreibt. Wer heute Aktien kauft, dem werde nicht garantiert, „dass Sie damit sofort Geld verdienen“, sagt Vorstand Roland Krebs und mahnt, Geldanlagen zu verteilen: „Nicht alle Eier in ein Nest legen.“

... und ihre Bank

„Zwingend notwendig“ sei die „Kostenoptimierung“, sagt Jens Brinkmann, die mit einer Reduzierung um 4,84 Prozent auch gelungen sei. Dass es in drei Jahren 700 Millionen Euro mehr Kundenvolumen braucht, um die Zins- und Provisionsüberschüsse auf etwa gleicher Höhe zu halten, belegt die schwierigen Bedingungen. Die Personalkosten trotz Tarifsteigerungen nicht zu erhöhen, ist allerdings nur durch den Abbau von — umgerechnet — etwa 20 Vollzeitstellen gelungen. Kündigungen wurden dazu nicht ausgesprochen, im Zuge der Fusion wurde eine Beschäftigungsgarantie bis Sommer 2021 vereinbart. 641 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten aktuell für die Volksbank in Südwestfalen.

Dass die Beschäftigten sich veränderten Anforderungen stellen müssen, zeigt, dass unter den 42 Azubis auch angehende IT-Kaufleute sind: Die „Digitalbank“ ist ein eigenständiger Bereich geworden, die Immobilien- und Baufinanzierung bekommt einen ergänzenden Online-Service, und wer will, kann über „Mein Invest“ bald auch Wertpapiere kaufen. Die Empfehlungen dort basieren auf einem Algorithmus, erklärt Roland Krebs: „2018 hätte das nicht so gut funktioniert.“ Die Arbeit von Fondsmanagern werde sich daher nach wie vor auszahlen, vor allem, „wenn die Welt sich nicht so verhält, wie ein Computer das berechnet hat“.

Ob alle 39 Filialen im Siegerland und im Märkischen Kreis erhalten bleiben? „Das entscheiden unsere Kunden“, antwortet Jens Brinkmann. Jährlich nimmt die Zahl der Servicekontakte in den Filialen um 5 bis 8 Prozent ab — auf der anderen Seite stehen 285.000 Telefonkontakte zu den Servicecentern Weidenau und Plettenberg, hinzu kommen Chats und App-Aufrufe. „Wir haben das unter Beobachtung“, sagt Jens Brinkmann. „Da wird man anpassen müssen“, bestätigt Roland Krebs.

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