Lesermeinung

Von Neubauten und einem Fißmer-Schild

Die Fißmer-Anlage in der Siegener Oberstadt.

Die Fißmer-Anlage in der Siegener Oberstadt.

Foto: Hendrik Schulz

Johann-Moritz-Quartier/Fißmer-Anlage.   Zum geplanten Johann-Moritz-Quartier und der Fißmer-Anlage erreichte uns eine Lesermeinung aus Gosenbach.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Lesermeinung: „Das Foto in der Zeitung – das hat was. Der abgebildete, geplante Gebäudekomplex rundet das moderne Siegen in Vollendung ab. Erst dachte ich bei oberflächiger Betrachtung: Ist der Albert Speer aus der Grabkammer entflohen und will der Metropole Siegen architektonischen, monumentalen Glanz verleihen?

Nein – es sind die Architekten Piske und Utsch aus Betzdorf, welche gemäß ihrer Genialität diese Planung geschaffen haben. Diesem Jahrhundert-Bauwerk können die Stadtväter nur zustimmen. Alles andere wäre Frevel an der Schönheit des Bauens und der Zweckdienlichkeit.


Versandhandel reserviert Flächen

19 000 Quadratmeter Nutzfläche – circa vier Fußballplätze – sind das Ergebnis sorgfältiger Planung. Man hört, Amazon und der Otto-Versand hätten sich diese Flächen für ihren Versandhandel schon gesichert. Der Einzelhandel, angeführt von Mc Paper, Sanifer, Matratzen-Concord, Tchibo, Burger-King und Ofen- und Kaminherstellern sowie Schuh- und Sandalenläden wären sicher dankbare Mieter, kämen diese zum Zuge.


Erfreulich sind auch die geplanten 5300 Quadratmeter Wohnflächen. Das gibt Entspannung auf dem Wohnungsmarkt. [...] Es ist auch positiv, dass die Sparkasse Siegen ein gewichtiger Teilhaber der Baugesellschaft ist – dann ist finanziell alles in trockenen Tüchern. Geldmittel sind so in Hülle und Fülle vorhanden.


Schuld auf sich geladen?

Bei dieser Feststellung muss auch das Thema „Fißmer-Anlage“ kurz gestreift werden. Die alte Anlage soll weg – eine Neue ist geplant. Da saß ich neulich. Gegenüber in der Kaffee-Manufaktur hatte ich mir einen Kaffee geholt. Nachdem die Berichterstattung über diese Anlage mehrfach die Bürgerschaft in Diskussionen verwickelt hat, habe ich mir das Ganze kritischen Blickes mal angeschaut. Was mir sofort auffiel, dass die gepflanzten Stiefmütterchen mangels Wasser ihre farbenfrohe Schönheit verblassen ließen. Auch die eine oder andere Fuge in dem Bruchsteinmauerwerk pröselte. Ansonsten muss ich sagen: das Gesamtbild war zumindest für mich zufriedenstellend. Das Gesamtbild war zumindest für mich zufriedenstellend.

Auch hatte ich den Eindruck, dass die anderen anwesenden Kaffee-Gäste nichts zu meckern hatten. Demnach könnte man es so lassen, wie es zur Zeit ist. [...] Aufregung gibt es zur Zeit über die Namensgebung: „Fißmer-Anlage“. Der Herr Fißmer ist wohl von 33 – 45 Oberbürgermeister in Siegen gewesen. Das war die Zeit, in der das terroristische Naziregime Elend über das Land gebracht hat. Man sagt, Herr Fißmer sei Mitglied in der NSDAP und SS gewesen. Das waren in dieser Zeit die meisten Deutschen. Hier wäre die Frage: Hat dieser Schuld auf sich geladen? [...] Fakt ist allerdings, dass er es nicht verhindert hat, die Brandlegung und Zerstörung der Synagoge am Obergraben. [...] Wahrscheinlich war er auch ein Nazi – bequemer Mitläufer, wie die allermeisten Deutschen in dieser Zeit.


Also kein Held, mehr eine historische Allerweltsfigur. Was ist in diesem Fall zu tun? Das Fißmer-Schild kann weg! Aber kein neues! [...]“


Herbert Petri, Gosenbach

Hinweis: Die hier geäußerten Meinungen müssen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln. Die Redaktion behält sich bei Leserbriefen das Recht auf Kürzungen vor. Die Redaktion veröffentlicht gerne Ihre Zuschriften. Bitte geben Sie Name, Adresse, Telefonnummer für Rückfragen an. Wir behalten uns das Recht auf Kürzungen vor. Schreiben Sie an: E-Mail: siegen@westfalenpost.de, Fax: 0271/2 32 37 32, per Post: Koblenzer Straße 5, 57072 Siegen.

Die Lokalredaktion ist auch auf Facebook.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben