Elektromobilität

Vorgestellt: E-Lastenfahrräder sind Alternative zum Auto

Gründerin Hannah Jensen und Werkstudent Felix Behr vom Startup Sigo stellen E-Lastenfahrräder für Probefahrten zur Verfügung. Die Modelle, die ab Herbst in Umlauf kommen, werden aber anthrazit-farben sein.

Foto: Stefan Meinhardt

Gründerin Hannah Jensen und Werkstudent Felix Behr vom Startup Sigo stellen E-Lastenfahrräder für Probefahrten zur Verfügung. Die Modelle, die ab Herbst in Umlauf kommen, werden aber anthrazit-farben sein.

Siegen.   Abgasfrei mit dem Lastenrad oder E-Auto zum Einkaufen: Bei einem Infotag konnten Siegener einiges über neue Technologien lernen.

Die rechte Hand sucht nach einem Halt, aber sie greift ins Leere. Da, wo sich bei anderen Autos eigentlich ein Schaltknüppel befindet, ist nichts. „Man gewöhnt sich recht schnell daran“, sagt Andreas Allebrod, Geschäftsführer des Autodienstleisters Eshare. Das Auto, das die Besucher der Klimaschutzsiedlung Probe fahren dürfen, fährt mit Strom. Absolut geräuscharm schlängelt sich der Wagen über Siegens Straßen. Die Beschleunigung ist gut. „An der Ampel sind Sie der Schnellste“, sagt Allebrod. „Damit hängen Sie auch einen Porsche ab.“

Autos leihen statt kaufen

Bei der Info-Veranstaltung an der Charlottenstraße sollen Bürger mit dem Themenkomplex Elektromobilität in Kontakt kommen. Dafür stehen mehrere E-Autos zur Verfügung. Allebrods Kollege Uwe Gösser erklärt die Vision: „In ein paar Jahren gibt es nur noch E-Autos. Und: Es braucht nicht mehr mir zu gehören“.

Der eigene Wagen sei als Statussymbol überholt. Heute ist es eher das Smartphone, über das sich junge Menschen identifizieren. Im Car-Sharing, also dem gemeinsamem Nutzen eines Fahrzeugs, läge die Zukunft. Für knapp 80 Euro im Monat sollen Autos per App verfügbar sein – ein Abo-Modell sozusagen. Noch weiter gedacht: „Sobald es das autonome Fahren gibt, können Sie sich einen Wagen nach Hause bestellen.“

Das würde auch die Sorgen um einen Stellplatz nehmen. Gesteuert werden soll all das mit dem Smartphone. „Egal ob Autoausleihe oder Mietfahrrad“, sagt Gösser, „wir möchten, dass alles über eine zentrale App funktioniert.“

Lastenfahrräder ersetzt Zweitwagen

Stichwort Fahrrad: Hannah Jensen und Felix Behr stellen das Wuppertaler Startup Sigo vor. Die Idee dahinter sind Lastenfahrräder mit Elektromotor, wie sie auch bei Pedelecs zum Einsatz kommen. Die Netphenerin Jensen sagt: „Wir wollen in Familien den Zweit- oder Drittwagen durch das Lastenrad ersetzen.“

Bis zu 80 Kilogramm soll der motorisierte Radler auf der Ladefläche transportieren können. Alternativ ist es möglich, das Rad mit zwei zusätzlichen Kindersitzen auszustatten. Je nach Geschwindigkeit und Gelände sind zwischen 70 und 120 Kilometer pro Akkuladung möglich.

Mit dem Umstieg aufs Lastenrad könne sich auch etwas im Siegener Stadtbild ändern, sagt Jensen: „Wenn viele Radfahrer unterwegs sind, wird sich auch die Infrastruktur entsprechend verändern, sodass es beispielsweise mehr Radwege gibt.“

Stromtankstelle für die Siedlung

Damit die Präsentation keine einmalige Sache bleibt und wie ein Wanderzirkus weiterziehen kann,, soll sich auch in der Klimaschutzsiedlung in den nächsten Monaten noch etwas tun. Hans-Georg Haut, Vorstand der Wohnstättengenossenschaft, erläutert die Pläne: „Vor dem Haus werden wir für eine Stromtankstelle sorgen. Zudem werden die Garagen hinter dem Wohnblock abgerissen und durch neue ersetzt, die alle einen eigenen Stromanschluss haben.“

So sollen noch in diesem Jahr 25 elektrifizierte Stellplätze entstehen. Außerdem ist ein Unterstand für Fahrräder geplant. Die Idee eines E-Autos, das sich einige Mieter teilen, sei ebenfalls eine Überlegung wert.

>>> Hintergrund: Landesweite Info-Tour

Die Info-Veranstaltung der Landesregierung und des Wirtschaftsministeriums tourt seit zwei Monaten durch ganz NRW.

Sprecher Alexander Waldhelm sagt: „Die meisten glauben zunächst, wir seien Autoverkäufer.“ Es gehe aber eher um Infos zur Elektromobilität und Kontakt zu neuen Technologien, z.B. durch Probefahrten.

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