Wirtschaft

Warnstreik in Hilchenbach: „Wir sind die Wertschöpfung“

Die Teilnehmer des Streiks machen unter anderem mit Transparenten auf ihre Situation aufmerksam. Foto:Michael Kunz

Die Teilnehmer des Streiks machen unter anderem mit Transparenten auf ihre Situation aufmerksam. Foto:Michael Kunz

Dahlbruch.   Rund 1000 Personen nehmen an Warnstreik bei Hilcherbacher SMS-Group teil. Betriebsrat findet deutliche Worte und fordert „vernünftiges Zukunftskonzept“.

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„Eine sehr gute Veranstaltung“, findet einer der Teilnehmer hinterher zum Warnstreik bei der SMS-Group in Hilchenbach. Zeitgleich mit den Kollegen in Mönchengladbach waren die Siegerländer in Dahlbruch aufgerufen, sich an der Arbeitskampfmaßnahme der IG Metall zu beteiligen.

500 seien gut, er hoffe natürlich auf eine höhere Teilnehmerzahl, hatte der heimische Bevollmächtigte Andree Jorgella im Vorfeld überlegt. „800 bis 1000 Leute sind es jetzt“, kann er gegen 13.30 Uhr im Namen des Betriebsrats bekanntgeben. Das kommt nahe heran an die Mitgliederzahl der IG Metall im Unternehmen, „wir sind sehr gut organisiert, etwa 50 Prozent.“ „Schön, dass wir so viele sind“, ruft er der Menge zu, in der zahlreiche Transparente hochgehalten werden. „Im Fußball muss zuerst der Trainer gehen“, ist da zu lesen, oder „Hilchenbach ohne SMS ist wie Hauberg ohne Holz“.

Eigentlich sei beim Dahlbrucher Unternehmen gar nichts geplant gewesen, „aber sie sind nun mal im Flächentarifvertrag“. Das Bewusstsein, dass es gerade bei SMS in diesem Jahr keine „normale Tarifrunde“ sei, schwinge aber mit. Der Betriebsrat, aber auch viele Beschäftigte, hätten ihn im Vorfeld gebeten, auf die allgemeine Forderung nach sechs Prozent mehr Entgelt nicht einzugehen. Das tut Jorgella dann ganz kurz, erklärt aber, dass dies flächendeckend gelte, mit Rücksichtsmöglichkeiten auf jene Unternehmen, denen es nicht so gut gehe. Bei vielen anderen aber brumme es nun einmal, die könnten sich das durchaus leisten.

Wünschen entgegen kommen

Trotzdem wisse er auch, dass aktuell weniger das Einkommen im Fokus stehe, führt der Sprecher der heimischen IG Metall weiter aus. Es gehe vielmehr um die Veränderung der Arbeitszeit, um eine Flexibilisierung, die nicht nur Kundenwünschen diene, sondern auch einmal den Wünschen und Bedürfnissen der Beschäftigten entgegenkomme. Er habe viel Blödsinn dazu von Seiten der Arbeitgeber gehört, die aber eben auch akzeptieren müssten, dass die Mitarbeiter Zeit brauchten, sich um ihre Familien zu kümmern oder bedürftige Angehörige zu pflegen.

Wenn die IG Metall fordere, Schichtarbeitern auf Wunsch – etwa im Alter – zehn zusätzliche Tage der Regeneration zu gewähren und dafür einen Lohnausgleich von 750 Euro im Jahr zu zahlen, sei das erstens angemessen und zweitens kein völliger Ausgleich. Wenn da über „Bezahlen von Nixtun“ gesprochen werde , solche Aussagen der Arbeitgeber halte er für respektlos.

Fehler der Führung ausbaden

Ähnlich sieht Betriebsrat Tobias Tigges im Anschluss auch das Vorgehen der Geschäftsleitung des Unternehmens. Es gehe nicht an, dass die Beschäftigten gerade in der Siegerländer Keimzelle von SMS mit Entlassungen und immer neuen Einsparungen für die Fehler der Führung bezahlen sollten. Die Mitarbeiter hätten immer loyal zur Familie Weiß gestanden, „und ich glaube, das ist immer noch so!“ Das Vertrauen in die Geschäftsführung sei hingegen zerrüttet. Die versuche, einer verfahrenen Situation mit alten Lösungswegen zu begegnen. Ausgerechnet der Flachbereich, der seine Ziele bestens erfülle, werde „von den Kopfzählern der Unternehmensberatung McKinsey“ unter die Lupe genommen, „25-jährigen Absolventen von Elite-Unis, denen unsere Leute erklären müssen, was eine Walzstraße ist“.

Die Mitarbeiter hätten schon einige Jahre auf Weihnachtsgeld verzichtet, wüssten auch, dass die Zukunft nicht einfach werde. Jetzt gehe es um ein vernünftiges Zukunftskonzept, dass die Arbeitsplätze am Standort sichere. Die Zeit der Investitionen in den USA oder Indien auf Kosten der Siegerländer müsse vorbei sein. Die zahlreiche Teilnahme der Mitarbeiter an diesem Tag mache die Verhandlungsposition der Gewerkschaft auf jeden Fall stark, bedankt sich Tigges und bekommt kräftigen Beifall.

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