Chormusik

Weidenau: Bester Chor der Welt in Haardter Kirche

Die Sänger von Chanticleer singen in der Haardter Kirche Werke aus der Renaissance, Folk-Songs und Spirituals: Und begeistern in jeder Disziplin.

Die Sänger von Chanticleer singen in der Haardter Kirche Werke aus der Renaissance, Folk-Songs und Spirituals: Und begeistern in jeder Disziplin.

Foto: Wolfgang Leipold

Weidenau.  Das Ensemble „Chanticleer“ singt Werke aus der Renaissance, Folk-Songs und Spirituals. und rückt Weidenau in den Mittelpunkt der A-capella-Welt.

Klänge entwickeln sich, schweben durch den großen, hohen Kirchenraum und schleichen sich angenehm in die Gehörgänge der vielen Musikfreunde, die sich auf den Weg in die Haardter Kirche gemacht haben.

Im Grunde zwei Konzerte

Zunächst fallen die hohen Stimmen auf. Chanticleer ist bekannt für seine Counter-Tenöre. Jeweils drei singen Sopran und Alt, normalerweise weibliche Stimmlagen. Doch die Chanticleer-Hochtöner erreichen sie mühelos, wenn auch etwas männlicher gefärbt. Für die mittleren Bereiche sind drei Tenöre, für die tiefen ein Bariton und zwei Bässe zuständig, wobei einer von ihnen Tiefen erreicht, die man hierzulande noch nie gehört hat.

Im Grunde sind es zwei Konzerte, die die Zuhörer, darunter viele aktive Sänger, genießen dürfen. Im ersten Teil Kompositionen der Renaissance von William Byrd bis Palestrina, deren fließende Klänge für Basiliken und andere sakrale Räume geschrieben wurden. Wie geschaffen also für den Weidenauer Kirchenraum mit seiner schnörkellosen Eleganz, in dem nichts von der Klangkunst der zwölf Sänger ablenkt, deren Stimmen so frei von jedem Tremolo sind, als wären sie von einem Lineal gezogen. So bleiben die Melodieläufe bei aller Virtuosität der meist sechsstimmigen Chorsätze immer differenziert und durchsichtig.

Auf Moderation verzichtet Chanticleer völlig, anders als bei den früheren Konzerten im Apollo-Theater. Sie würden das Publikum von ihrer Gesangskunst ablenken. Auch die Künstler scheinen durch nichts abgelenkt. Sie stehen im Halbkreis oder wechseln in andere Formationen, und manchmal scheint es, als würden sie entrückt von ihrer Umwelt nur für sich selbst singen. Auch bei ihrem kurzen musikalischen Trip in die moderne Klassik zu Francis Poulenc, der mittelalterliche Kompositionen mit zeitgenössischen Harmonien kombiniert. Bei diesem Ausflug in die musikalische Gegenwart baden sie mit Wonne in gelegentlichen Disharmonien und zünden erstmals an diesem Abend auch ein Fortissimo-Klangfeuerwerk.

Nicht von dieser Welt

Genial, wie Chanticleer dem Abend die Krone aufsetzt: Mit Folk-Songs, Gospels und Spirituals und damit der etwas unterhaltsameren Musik. So dem weit bekannten „Calling my children home“ aus dem American Songbook, schon von Folk-Ikonen wie Emmylou Harris, Dolly Parton und Linda Ronstadt interpretiert. Die zwölf Sänger zaubern aus dieser einfachen Melodie ein Klangfeuerwerk voller Innigkeit und auch Resignation. Denn schließlich handelt das Lied vor allem vom Verlust.

Der Höhepunkt des Konzerts sollte jedoch noch kommen. „Straight Street“: Voller Gesang, rhythmisch, fast tänzerisch und dann wieder klangvoll und mit einem Bassteppich, der nur eine Beschreibung zulässt: Nicht von dieser Welt.

Matthias Merzhäuser, der Initiator dieses Konzerts, dessen Erlös seiner Stiftung „Pro-fil“ zu Gute kommt, hatte zu Beginn des Abends versprochen: „Die Haardter Kirche wird an diesem Abend zum Mittelpunkt der A-cappella-Welt“. Wie wahr! Und noch eine andere Erkenntnis hat sich wieder einmal bewahrheitet: Die Stimme ist nicht nur das älteste, sondern auch das vollkommenste Musikinstrument.

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