Diensthund

Wie aus Welpe Tequila ein echter Siegener Polizeihund wird

Tequila auf dem Arm von Ioannis Shinas: Die kleine Hündin ist natürlich sehr beliebt bei allen Beschäftigten der Wache Weidenau.

Tequila auf dem Arm von Ioannis Shinas: Die kleine Hündin ist natürlich sehr beliebt bei allen Beschäftigten der Wache Weidenau.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.  Die noch keine drei Monate alte Malinois-Hündin wird von Ioannis Shinas für die Kreispolizei Siegen-Wittgenstein zum Schutzhund ausgebildet

Knabbern und sich mit „Papa“ Ioannis Shinas kabbeln – klappt ganz hervorragend. Tequila macht artig „Platz“, folgt dem Hundeführer auf dem Fuß und stolpert beim Rennen manchmal über ihre Beine. Ein schwarzes Gesichtchen mit großen treuen Augen und feuchter Nase. Ehrfurchtgebietend? Keine Spur. Noch nicht. Kommt noch. Tequila ist noch keine drei Monate alt, die junge Malinois-Hündin wird bei der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein zum Schutzhund ausgebildet.

Sechs Polizeibehörden in NRW haben gerade neue kleine Hunde bekommen, aus der eigenen Landeszucht. „Tequila von den Sennequellen“ heißt die Kleine vollständig. Schutzhunde sind bei der Polizei zwischen 9 und 11 Jahre im Dienst, die Hundeführer ziehen die Welpen groß und bilden sie aus, arbeiten danach als sogenannte Einzelstreifen, werden bei Durchsuchungen, Vermisstensuchen oder Streitigkeiten eingesetzt. Malinois sind stattliche belgische Schäferhunde. Sie machen Eindruck.

Festes Zweigespann Hund-Mensch

Den Welpen von klein auf zu erziehen und auszubilden ist mühsam, „aber dafür ist die Bindung zum Hund stärker“, erklärt Ioannis Shinas. Mitunter werden auch geeignete Hunde im Alter von etwa einem Jahr übernommen – „aber dann ist das Blatt nicht mehr weiß“, sagt er. In diesem Alter haben die jungen Hunde schon Verhalten erlernt, das man ihnen möglicherweise wieder aberziehen muss.

Hund und Mensch bilden im Polizeidienst üblicherweise ein festes Duo. Tequila wird jedoch später mit einem anderen der drei Siegen-Wittgensteiner Hundeführer zusammenarbeiten. Der hat schon einen aktiven Diensthund, der das Rentenalter erreicht, wenn Tequila in etwa zwei Jahren mit ihrer Ausbildung fertig ist und hoffentlich ihre Prüfung bestanden hat. Ioannis Shinas hat auch schon einen Schutzhund, der ist aber erst 4 Jahre alt – als aktive Polizeihündin kann Tequila also nicht bei Shinas bleiben. Trios funktionieren nicht so gut im Dienst.

Hohe Anforderungen an Polizeihunde

Tequilas künftiger Kollege wird als Sozialpartner eng in die Ausbildung einbezogen. Die Hundeführer, wie alle anderen Polizisten auch, sehen die Hunde als Kollegen, nicht als „Einsatzmittel“, auch wenn das offiziell so heißt. „Eine Win-Win-Situation“, findet Ioannis Shinas – er kann mit dem Welpen viel lernen und Erfahrung als Hundeführer und -ausbilder sammeln, sein Kollege hat die Gewissheit, einen gut ausgebildeten Hund zu übernehmen.

An Polizeihunde werden hohe Anforderungen gestellt. Sie sind eben nicht zum Knuddeln da, sie sind genauso im Dienst wie menschliche Polizisten. Ihr Verhalten muss absolut verlässlich sein, sie müssen aufs Wort gehorchen, auch in stressigen, für sie unbekannten Situationen souverän reagieren. Ioannis Shinas bereitet Tequila jetzt schon darauf vor, Stück für Stück. Die „Führverbindung“ klappt schon prima: Wenn Shinas pfeift, lässt sie alles stehen und liegen und tapst zu ihm. Fremde Menschen sind interessant, da schnuppert und knabbert sie auch gerne mal. Aber Tequila wahrt schon eine gewisse Distanz zu Fremden. „Papa“ Ioannis, der ist wichtig.

Von den einfachen zu immer komplexeren Aufgaben

Schutzhunde werden im Ernstfall auch gegen Menschen eingesetzt. Das müssen sie lernen. Aber, ganz wichtig, nur auf Befehl. Nie von sich aus. Das wird der kleinen Hündin beigebracht, wie viele andere Dinge für den aktiven Dienst. Orte, Dinge, Personen stürzen auf den Welpen ein, daran muss sich Tequila gewöhnen. „Sitz“ wird in einem Raum trainiert, „Platz“ in einem anderen. Dann wird das in einem weiteren Raum kombiniert. Tequila gewöhnt sich nach und nach dran. Dann geht es raus, die Umwelt lenkt zusätzlich ab. Tequila lernt, auch dort auf „Sitz“ und „Platz“ zu gehorchen. Mehr als 2000 Wiederholungen braucht es, bis ein Hund manche Aufgaben verstanden und verinnerlicht hat.

So geht das weiter und es wird immer komplexer. Bis es irgendwann auch auf Bauernhöfe geht, wo es große, fremde Tiere gibt; über Gitterrosttreppen – komisches Gefühl an den Pfoten. Tequila wird an Schussgeräusche gewöhnt, anfangs mit Noppenfolie. Das alles muss Tequila egal sein. Sie muss im Einsatz ruhig und besonnen bleiben – sie hat eine Aufgabe zu erfüllen.

Gelassenheit in stressigen Situationen lernen

„Noch ist sie ein kleiner Hund und sie ist auch süß“, sagt Ioannis Shinas. „Aber sie soll nicht jeden Menschen toll finden“ – das ist nicht ihre Aufgabe. Dafür gibt es andere Hunde. Tequila soll Menschen generell kennen, akzeptieren, dass sie da sind – und sich dann nicht weiter um sie scheren. Es sei denn, ihr wird das Gegenteil befohlen. Und nur dann.

Außer Zuhause. Da gibt es dann auch Streicheleinheiten – im privaten Umfeld eben. Tequila lebt bei Ioannis Shinas wie jeder andere Hund auch. Aber morgens gehen sie gemeinsam zur Arbeit.

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