Klischees

Wie Kleingärtner sich gegen Vorurteile wehren

Blumenmeer: Im Kleingarten ist alles möglich.

Foto: Saskia Krauskopf

Blumenmeer: Im Kleingarten ist alles möglich. Foto: Saskia Krauskopf

Siegen.  Peter Hachen, oberster Kleingärtner im Bezirk, sagt, wie wenig an den Klischees dran ist. Und wie die Wirklichkeit aussieht.

Kein Auto, kein Bus, kein störendes Geräusch. Nur die Hummeln und das Ratschen der Heckenschere sind zu hören. Dieses grüne Paradies haben sich die Gartenfreunde Fischbacherberg in knapp 40 Jahren aufgebaut. Spießer? Ein Klischee von vielen. Peter Hachen, Vorsitzender des Vereins und des Bezirksverbands, räumt mit sechs Klischees auf.

1.: Schwierige Zeitgenossen

Im Kleingarten gibt es nur neugierige und nervige Nachbarn.

Die Realität: „Neugierige Nachbarn gibt es überall. Konkurrenzkämpfe gibt es so an sich nicht bei uns. Ich kann mich nur an einen Vorfall erinnern, wo wir jemandem Tomaten an den Strauch in seinem Garten gebunden haben. Am nächsten Morgen war er so großprotzig, dass sie über Nacht so schnell gewachsen seien. Bis er schließlich bemerkte, dass sie mit einer Schnur befestigt waren. Danach hatten wir dann auch vor diesem schwierigen Zeitgenossen erst einmal Ruhe.“ Allgemein sei die Gemeinschaft sehr gut im Verein, was sich auch bei den drei Festen im Jahr beweise.

2. : Kitsch und Ramsch

Im Kleingarten wimmelt es von Gartenzwergen.

Die Wirklichkeit: Zugegeben, den einen oder anderen Zwerg gibt es schon zu entdecken. Und auch künstlerisch geschnittene Büsche sind nicht zu übersehen. „Aber es nimmt jetzt keine Ausmaße an, die wir nicht mehr ertragen würden. Die Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters. Besonders schön finde ich es allerdings jetzt auch nicht. Dann lieber Fußballflaggen,“ sagt Peter Hachen.

3.: Paragrafenreiter

Es gibt nichts, was nicht reguliert ist.

Die Wahrheit: „Ganz ohne Regeln geht es nicht. Nirgendwo gibt es keine Regeln. Bei uns wird ein Pachtvertrag unterschrieben, der von unseren Mitgliedern auch einzuhalten ist. Darüber hinaus gibt es ein Bundeskleingartengesetz, in dem aber auch viele Vorteile für uns Kleingärtner enthalten sind“, erklärt der Vorsitzende. Zum Beispiel darf die Miete bei einer bestimmten Parzellengröße nicht beliebig erhöht werden, sondern muss zu einem Festbetrag, der für alle Mitglieder gleich ist, verpachtet werden. „Auch Grillen und das gelegentliche Übernachten im Sommer sind nach diesem Gesetz erlaubt und somit nur von Vorteil für unseren Verein.“

4.: Blumen, Gemüse, Laube

Der Kleingarten muss nach bestimmten Vorgaben gestaltet werden.

Die Realität: „Wenn ich gewisse Gartensoaps im Fernsehen schaue, dann werde ich teilweise echt wütend“, sagt Peter Hachen. „Wenn die dann mit Zollstock rumlaufen und irgendetwas ausmessen, stellt uns das automatisch in ein schlechtes Licht. Wenn Sie in unsere Anlage ­hineinkommen, dann sehen Sie da niemanden mit einem Distanzmesser rumrennen.“ Die Gärtner achten darauf, dass die Flächen für Blumen, Obst und Gemüse und die Laube ausgewogen bemessen sind. „Wir möchten die natürliche Balance zwischen Eigenbedarf und Erholung – sowohl für den Garten als auch für uns – wahren. Viele von uns wollen sehr naturgetreu leben und wir gestalten auch unsere Gärten danach.“

5.: In die Jahre gekommen

Das ist nur was für Rentner.

Die Wirklichkeit: Kleingärten waren eigentlich für junge Familien und Einkommensschwache gedacht. Doch das habe sich im Laufe der Zeit stark verändert, sagt Peter Hachen. „Bei uns gibt es momentan drei ältere Pächter, die schon über 80 Jahre alt sind, aber auch zwei junge Familien gehören zu unserem Verein. Für uns ist es wichtig, dass auch junge Menschen die Möglichkeit haben, mit der Natur zu arbeiten und sie zu entdecken.“ Seit knapp fünf Jahren gibt es auf dem Fischbacherberg einen Schul- und Lerngarten „Wundergarten“, in dem Kinder die Natur kennenlernen. „Auch die Bienen spielen bei uns eine große Rolle. Wir haben ein kleines Bienenvolk samt Schaukasten. Da freuen sich immer die Kinder drauf.“

6.: Mit Lupe und Nagelschere

Es wird penibelst darauf geachtet, dass alles perfekt geschnitten ist.

Die Wahrheit: „Also bei uns schneiden die Mitglieder ihre Rasen nicht mit Lupe und Nagelschere. Manche mögen es lieber etwas aufgeräumter, andere versuchen für unsere kleinen Mitbewohner einen Lebensraum zu erhalten.Doch auch dies bleibt jedem selbst überlassen.“

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