Naturschutzgebiet

Windkraft in Dirlenbach: Anwohner wehren sich gegen Vorhaben

Einige Bürger aus Dirlenbach stehen dem Bau von drei Windkraftanlagen auf dem Kuhlenberg zwischen Freudenberg und Dirlenbach kritisch gegenüber.

Einige Bürger aus Dirlenbach stehen dem Bau von drei Windkraftanlagen auf dem Kuhlenberg zwischen Freudenberg und Dirlenbach kritisch gegenüber.

Foto: Sarah Engelhard

Dirlenbach.  Dirlenbacher kritisieren Windkraftanlagen von Energieversorger EnBW am Kuhlenberg. Gutachten berücksichtigt geschützte Vogelarten nicht genug.

Drei 230 Meter hohe Windkraftanlagen plant der Energieversorger EnBW auf dem Kuhlenberg zwischen Freudenberg und Dirlenbach. Die Inbetriebnahme ist für das dritte Quartal 2019 in der von der Stadt Freudenberg ausgewiesenen Vorrangzone geplant. Diesem Bauvorhaben, das ausgerechnet an ein Naturschutzgebiet grenzt, stehen die Anwohner des Ortsteils Dirlenbach allerdings kritisch gegenüber.

„Wir sind nicht gegen Windkraft oder erneuerbare Energie“, sagt der Dirlenbacher André Christoph mit Nachdruck. Die anderen Anwohner stimmen ihm zu. Im Gegenteil: Der Naturschutz liege ihnen am Herzen. Das ist auch der Grund, warum sie Einwendungen zu dem Bau der Windkraftanlagen auf dem Kuhlenberg bei der Stadt Freudenberg eingereicht haben.

Die Windräder mit Rotorblättern von 140 Metern Durchmesser sollen direkt neben dem 2003 zum Naturschutzgebiet ernannten „Dirlenbachtal“ gebaut werden. Eine der Windkraftanlagen rage gemessen von der Außenrotorkante 60 Meter an das Gebiet heran, das für Vögel wie Graureiher, Rotmilan und Mäusebussard als Lebensraum und Nahrungshabitat dient.

Der Graureiher

Aus den vom Energieversorger EnBW erstellten Gutachten geht dies allerdings nicht hervor, was die Anwohner stutzig macht: „Den Graureiher haben wir heute schon gesehen. Der ist das ganze Jahr über hier unterwegs und wir sehen ihn regelmäßig“, so der Dirlenbacher Markus Würden.

Im Gutachten heißt es, dass zwei Graureiher im Beobachtungszeitrum nur dreimal etwa 1,6 Kilometer entfernt der Vorrangzone gesichtet wurden. „Das muss ein sehr kurzer Untersuchungszeitraum gewesen sein“, schreibt Roger Wagener aus Dirlenbach in seiner Einwendung. Er beobachte bei seinen Spaziergängen durch das Tal häufig mehrere Graureiher. „Nicht ohne Grund hat der Besitzer des Weihers in diesem Tal eine für Vögel abschreckende Menschenattrappe aufgestellt.“

Der Rotmilan

Laut Gutachten wurden innerhalb der Vorrangzone außerdem keine Brutvorkommen des Rotmilans festgestellt.

In allen fünf eingereichten Einwendungen berichten die Anwohner allerdings von regelmäßigen Beobachtungen der Vögel, die sich durch ihre V-förmige Schwanzspitze sowie ihre schwarz-weiß gemusterten Flügel auszeichnen. „Wir haben uns eingelesen, um die Vögel erkennen zu können und mehrere Fotos gemacht“, erklärt André Christoph. Alexander Krätzig schreibt: „Angesichts unserer Beobachtungen halten wir es für sinnvoll, wenn hier weitere Begutachtungen durch Experten stattfinden würden.“

In den Einwendungen geht es außerdem um Kraniche, Fledermäuse, Mäusebussarde, Libellen, Mauereidechsen sowie den Schwarzstorch. „Der Schwarzstorch taucht in dem Gutachten gar nicht auf. Der ist aber auch regelmäßig hier. Da fühlt man sich verschaukelt, wenn man das liest“, so Christoph.

Landschaft und Lautstärke

Abgesehen davon sei das Dirlenbachtal ein Naherholungsgebiet für alle Bürger. In der Analyse der Standortbetrachtung werde die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes als erheblich eingestuft. „Ist es im Sinne der Verantwortlichen, wenn der neu gestaltete Freudenberger Kurpark einen Fotoblick auf die wunderschön herausragenden Windkraftanlagen hat?“, fragt Christoph.

Zweifel haben die Anwohner auch daran, ob die vorgegebenen Schallschutzwerte eingehalten werden. Im Dirlenbachtal herrschten besondere topographische und meteorologische Bedingungen, so die Bürger. Geräusche würden je nach Wind lauter durch das Tal getragen. Um die Windstärke und -richtung zu messen, haben die Anwohner selbst eine Windmessanlage auf einem Grundstück neben dem Naturschutzgebiet installiert.

Am 28. Mai findet um 10 Uhr ein Erörterungstermin der Stadt Freudenberg statt, bei dem die Anwohner Bild- und Videomaterial sowie Daten der Windmessung vorlegen wollen. Als Bürgerinitiative sehen sie sich bisher nicht. „Wir wollen mit niemandem streiten, aber wir möchten, dass die Situation vernünftig bewertet wird“, sagt André Christoph. „Wir werden am 28. sehen, wie sie unsere Daten bewerten und wenn sie das vernünftig machen, gibt es eigentlich nur eine Option.“ Den Termin am Dienstagvormittag wollen sie sich dafür extra freischaufeln.

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