Pflege

Wohnanlage in Unglinghausen: Individuelle Hilfe für Autisten

Andreas Holzem, Manfred und Heidemarie Oerter, Landrat Andreas Müller, Bita da Silva Santos und Jörg Bachmann (von links) in der Wohnanlage. 

Foto: Rebecca Häfner

Andreas Holzem, Manfred und Heidemarie Oerter, Landrat Andreas Müller, Bita da Silva Santos und Jörg Bachmann (von links) in der Wohnanlage.  Foto: Rebecca Häfner

Unglinghausen.   Die Bewohner der Autismus-Wohnstätte Netphen werden dort nach ihren Bedürfnissen betreut und gefördert. Am 15.Juni ist Tag der offenen Tür.

Für Eltern mit autistischen Kindern, die auch im Erwachsenenalter im Alltag Hilfe benötigen, ist es schwierig ihrem Nachwuchs eine eigene Wohnung zu ermöglichen. Es fehle an adäquaten Wohnmöglichkeiten, berichtet Andreas Holzem, Vorsitzender des Vereins Autismus Siegen. Damit ihre autistischen Söhne in einem Zuhause leben können, was auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist, haben Andreas Holzem, Heidemarie und Manfred Oerter vom Verein Autismus Siegen lange gekämpft.

In der Autismus-Wohnanlage Netphen haben insgesamt 19 Autisten vor knapp einem Jahr ihr neues Zuhause gefunden. Am Freitag, 15.Juni, ab 11 Uhr findet die offizielle Eröffnung statt. Landrat Andreas Müller hat sich die Anlage bereits am Montag zeigen lassen.

In der Wohnanlage sind Erwachsene mit einer besonders schweren Form des Autismus untergebracht, die eine individuelle Betreuung benötigen. Wegen der Bedürfnisse der Bewohner und den anspruchsvollen Aufgaben für das Personal findet die offizielle Einweihung erst rund ein Jahr nach dem Einzug statt, erklärt Manfred Oerter.

Andreas Holzem erzählt, dass fast alle Autisten in der Wohnanlage nicht sprechen können. Wie sie ihre Bedürfnisse kommunizieren sei ganz individuell. „Mein Sohn zieht mich beispielsweise zu dem, was er möchte.“

Visuelle Reize wichtig

Die Kinder von Familie Holzem und Familie Oerter leben mit den anderen Bewohnern nun zusammen in der Anlage mit vier Häusern und einer innenliegeneden Grünfläche, die perfekt an die Bedürfnisse der autistischen Bewohner angepasst ist: die Türen zu den Büros der Betreuer sind beispielsweise aus Glas. Die stellvertretende Einrichtungsleitung Bita da Silva Santos erklärt, dass für Autisten eine Person, die sie nicht mehr sehen, weg sein muss. Durch die Glastüren sehen die Bewohner aber, dass die Betreuer noch vor Ort sind. Auch eine farbliche Gestaltung je Haus dient der Orientierung. „Autisten lernen am besten über Visuelles“, erklärt Santos. Wann welcher Betreuer Dienst habe, hänge deshalb in Bildform an der Wand.

In der Einrichtung achten die Betreuer darauf, den Bewohnern Strukturen zu geben, doch jeder werde so gefördert, wie er oder sie es braucht. Die meisten Bewohner arbeiten in der AWO-Werkstatt in Deuz. „Jeder ist auf seine Weise sehr besonders“, sagt Santos über die Bewohner. Heidemarie Oerter sagt, dass keiner der Autisten nach einem System funktioniere.

Steiniger Weg

Doch bis die Bewohner in die Wohnanlage einziehen konnten, war es ein langer Weg: 2007 erteilte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Bedarfsbestätigung zur Errichtung des Wohnheims. „Bis zum Bau mussten viele bürokratische Hürden überwunden werden“, sagt Manfred Oerter. Fertig sei die Anlage noch nicht, für die Gestaltung der Außenanlage benötige der Verein noch Spenden.

Landrat Andreas Müller hat das Projekt 2014 kennengelernt. Er habe sehr viel Respekt für ein „Projekt, das durchweg auf so wenigen Schultern gestemmt“ werde.

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