Qulturwerkstatt

Wort-Wolken beim Schreibworkshop: Sprache kreativ nutzen

Der Siegener Autor Crauss bringt den Teilnehmern beim "Wortwolqen"-Workshop spielerische Herangehensweisen an Sprachkunst näher.

Der Siegener Autor Crauss bringt den Teilnehmern beim "Wortwolqen"-Workshop spielerische Herangehensweisen an Sprachkunst näher.

Foto: Antonia Jost / WP Siegen

Netphen.  Beim Schreib-Workshop lernen Teilnehmer in Netphen vom Siegener Autor Crauss einen anderen Umgang mit Sprache.

„Welche Arten von Wolken kennt ihr?“, will Crauss, Autor aus Siegen und Leiter des Schreibworkshops „Wortwolqen“ von den Menschen wissen, die im kleinen Ratssaal zusammensitzen. „Federwolken“ und „Stapelwolken“ werden genannt. Einige Teilnehmer haben auch eigene „Wolken“ mitgebracht – wie Schüler Felix Müller in Form von Fotos. Ein anderer hat einen Stein dabei, seine „Steinwolke“.

Das Thema

Dass sich bei diesem Workshop alles um Wolken dreht, ist Stefan Bünnig von der Qulturwerkstatt Netphen zu verdanken. Er zeigt noch bis zum 15. November seine Fotoausstellung „Thirty Names of Grey // Gold “ im Rathaus und beschäftigt sich dabei mit Sprache. Zum Beispiel hat er den Grautönen seiner Bilder Namen gegeben. „Das hier ist billiges Goldgrau“, erklärt er zu einem Foto, das einen recht gewöhnlichen wolkigen Abendhimmel zeigt. Die Teilnehmer hören zu und überlegen dann selbst, wie die verschiedenen Wolken- und Grauarten bezeichnet werden könnten.

Das Schreiben

Dann beginnt der praktische Teil: Jeder soll eine Wortwolke erstellen. Sie besteht aus einem Wort, das beispielsweise in der Mitte eines Blattes stehen kann und dann als Grundlage für Assoziationen genutzt wird. „Entweder nehmt ihr das Wort Wolke oder ein anderes“, instruiert Crauss. Er lässt die Teilnehmer schreiben, gibt hin und wieder Impulse in Form von Worten oder Satzteilen sowie individuelle Tipps. Felix Müller scheint sich von den Zitronen in der Wasserkaraffe vor ihm inspiriert gefühlt zu haben, denn seine Wortwolke rankt sich um das Wort „sauer“.

Die Texte

Als Nächstes werden die einzelnen Wörter in Gruppen oder Listen zusammengefasst, bevor die Schreiberlinge sie in einen sinnvollen Zusammenhang bringen. Spätestens an diesem Punkt bleibt es nicht beim ursprünglichen Wolken-Thema – eine Teilnehmerin schreibt ein regelrechtes Beziehungsdrama rund um das Wortfeld Liebe. Zwei junge Teilnehmer überraschen besonders: Ben Jonas Kreuz philosophiert über den Untergrund, während Felix Müller neben ihm drei Sätze aus seiner Assoziationswolke zaubert, die sich nicht nur reimen, sondern auch bildliche Geschichten beim Zuhörer auslösen. Auch Crauss ist begeistert: „Das Tolle an diesen Workshops ist, dass ich ganz neidisch werde.“

Der Abschluss

Die letzte Übung besteht darin, einen kleinen Zeitungsartikel umzuschreiben. „Entweder ersetzt ihr Worte darin durch Wetterworte oder ihr versucht, den Text etwas wolkiger umzuschreiben“, so Crauss. Wolkiger, damit meint er, die Meldungen auszuschmücken, sich einmal nicht so klar wie möglich, sondern sehr blumig auszudrücken. Da wird ein Fußballspiel plötzlich viel emotionaler und ein Konzertbericht klingt wie ein buchstäbliches Gewitter. „Eure Ideen könnt ihr später weiterverarbeiten, die bleiben im Hinterkopf“, erklärt Crauss und schließt den Workshop mit einem seiner Gedichte. Die Teilnehmer sind positiv überrascht, welche Texte sich entwickelt haben und wer weiß – vielleicht entwickelt sich aus der ein oder anderen Wortwolke ein Bestseller?

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